Polterg(r)eis(t)

Wer poltert da noch durch die Medien – nicht mehr leis,

das ist doch RR – wohl schon ein Greis.

Man könnte meinen, Herr Reich-Ranicki wäre in seinem Ohrensessel aufgewacht und sah sich nicht mehr beachtet. Deswegen muss er wohl jetzt durch die Medienlandschaft schimpfen. Hegte ich noch ein wenig Sympathie für ihn, nach seiner Weigerung den Fernsehpreis anzunehmen, hat er diese jetzt verloren. Befreundete er sich während der Sendung mit Herrn Gottschalk und attackierte die ihm zu Hilfe eilende Elke Heidenreich; doch damit nicht genug. In der Dezemberausgabe des Magazins „Cicero“ legte er noch einmal nach. Sagte er doch zu der Sendung Lesen „Diese Reklame für Bücher ist mir zu billig.“ Stimmt, Herr RR. Sie machten ja vor kurzem für die Firma mit dem großen, rosa T Werbung, die war dann nicht so billig. Des weiteren motzte er noch gegen Sigrid Löffler, welche die Sendung von Elke Heidenreich auch nicht weiter führen könne. Einen Augenblick lang war ich geneigt zu denken, er hätte ein Problem mit (klugen) Frauen. Doch paar Sätze weiter versucht er sich bei Frau Merkel anzubiedern, welche sich doch auch in die Diskussion über die Fernsehqualität einmischen sollte. Oder hat er doch ein Frauenproblem? Schließlich überwarf er sich nun noch mit seiner Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz vom Suhrkamp-Verlag und wechselt zu Hoffmann und Campe.

Setzen Sie sich doch bitte wieder in Ihren Lehnstuhl und lesen paar Bücher.

Siddhartha

Nun versuche ich mich doch noch daran, etwas über Thich Nhat Hanh´s „Einführung in den Buddhismus“ zu schreiben, obwohl das Lesezeichen sich schon wieder durch andere Bücher gewunden hat.

Es ist ein Roman. Es ist ein Lehrbuch. Es ist eine Biographie.

Es gibt wohl noch mehrere Umschreibungen, vor allem aber ist es für mich ein Lehrbuch. Mit der Maßgabe, wenigstens einige der Lehren Buddhas im Leben anzuwenden.

So wie die Gelassenheit. Wenn das Betriebsklima durch verschiedentliche Nachrichten auf die schlechtere Seite ausschlägt, bleibt man doch ruhiger. Wenn den dreißig Leiharbeitern, die die Fabrik bereits verließen, nun noch 30 Festangestellte folgen – ja, immer gegen Ende des Monats kommt der „Briefträger“ und verteilt diese Mitteilungen des Nichtmehrbenötigtwerdens – so sieht man das Ganze eine Spur gelassener.

Einzig und allein die vielen Namen in Sanskrit bereiten einem Schwierigkeiten, doch können ja nicht alle indischen Könige Rot- oder Drosselbart heißen, um meinen Lesefluss nicht ins Stocken geraten zu lassen.

Der dtv-Verlag schreibt folgendes:

Als der Unberührbare Svasti im Alter von elf Jahren beim Büffelhüten dem Einsiedler Siddhartha begegnet, ahnt er nicht, dass dieser Siddharthasein Schicksal sein wird: Als Mönch begleitet er ihn durch sein langes ungewöhnliches Leben und kehrt selbst als »Ehrwürdiger« nach Hause zurück.
In diesem poetischen Lehrroman rollt Thich Nhat Hanh die ganze Lebensgeschichte Buddhas auf: sein weltliches Leben als Prinz am Hof seines Vaters, seine Ausbildung bei den bekanntesten Meditationsmeistern des alten Indien, seine Erleuchtung in Bodh-Gaya, seine lebenslange Wanderschaft, seine Schüler, seine Widersacher – vor allem aber seine beeindruckende Lehre, die die Welt verändert hat.
Buddha tritt uns in diesem Buch nicht als Gott oder Heiliger entgegen, sondern als Mensch, dem Mitgefühl und Freundlichkeit stets wichtiger waren als großartige spirituelle Erfahrungen.

Madonna

Ich habe heute Madonna gesehen. Und bin jetzt noch verzückt über dieses göttliche Antlitz. Kein Vergleich zu den Bildern, wenn man sie in natura sieht. Ein überwältigender Anblick, Raffaels Gemälde „Die Sixtinische Madonna“ als Original zu sehen. Ganz abgesehen von den Bildern Rembrandts, Rubens´, Dürers und all den anderen großen Meistern, welche in der Dresdner Gemäldegalerie „Alter Meister“ hängen. image

Für mich sehr sehenswert die holländische Landschaftsmalerei des 16./ 17. Jahrhunderts und die Gemälde Canalettos. Diese sprühen vor Lebendigkeit, ginge man einen Schritt vorwärts in das Bild hinein, fühlte sich man mitten unter dem Getümmel der Leute. Seine Bilder haben eine Detailtreue, besser als jede Fotografie. Zu meinem Leidwesen eröffnet die Galerie „Neue Meister“ erst 2010 wieder, da das Albertinum umgebaut wird – leider schon seit längerer Zeit, letztes Jahr war sie auch schon geschlossen. Dafür hatte ich letztes Jahr in Dresden einen Sonnenbrand, beim Anstehen an der Frauenkirche. Heute, bei frischen acht Grad Celsius, gegen vier Uhr nachmittags – keine Menschen vor dem Eingang. Dafür war das Innere sämtlicher Cafes und Restaurants überfüllt – und wir wollten unseren Hunger und Durst stillen. Schließlich setzten wir uns auf eine Terrasse. Als erstes brachte die Bedienung Decken, ein löbliches Tun. Bei der Kälte verzichteten wir jedoch auf ein richtiges Essen, es blieb dann bei Kaffee, Kuchen und heißer Schokolade. Nächstes Jahr haben wir uns das Grüne Gewölbe vorgenommen, im Augenblick noch Voranmeldezeiten von gut 8 Wochen. Da werden wir wieder im Sommer fahren.

Rubens: Der heilige Hieronymus

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Canaletto

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Hermann Hesses Zweit-Lese – eine indische Dichtung

Einige Zeit ist es nun schon her, dass ich „Das Glasperlenspiel“ von Hermann Hesse las, und die Lektüre machte Lust auf mehr Hesse.

„Siddhartha“ ist das erste Buch, welches ich gleich zweimal hintereinander las. Ich musste es einfach noch mal lesen. Überwältigende Literatur. Hermann Hesse schildert uns das Leben des Brahmanensohnes Siddhartha, welcher auszog, um den Urquell seines eigenen Ich zu finden. Und so gibt er uns eine Einführung in den Buddhismus, lässt uns teilhaben an dem Zauber der Versenkung in sich selbst. Ich will nicht schreiben vom gottgefälligen Leben, noch von einer Religion. Ist es doch mehr eine Weltanschauung, eine Sicht auf die Dinge, ein Einssein mit der Welt. Siddhartha sucht und findet doch nichts. image

„Ein Reiher flog über den Bambuswald – und Siddhartha nahm den Reiher in seine Seele auf, flog über Wald und Gebirg, war Reiher, fraß Fische, hungerte Reiherhunger, sprach Reihergekrächz, starb Reihertod. … Er tötete seine Sinne, er tötete seine Erinnerung, er schlüpfte aus seinem Ich in tausend fremde Gestaltungen, war Tier, war Aas, war Stein, war Holz, war Wasser, und fand sich jedesmal erwachend wieder, Sonne schien oder Mond, war wieder Ich, schwang im Kreislauf, fühlte Durst, überwand den Durst, fühlte neuen Durst.“

Er lebt bei den Samanas, indischen Asketen, er hört Gotamas Lehren, die Lehren des Vollendeten, schließlich wendet er sich dem normalen Leben zu, wird Kaufmann, handelt, trinkt, spielt und pflegt auch andere Genüsse nicht zu verachten. Doch auch jetzt sucht er noch ohne etwas zu finden. Er kehrt zu dem Fährmann Vasudeva zurück, welcher ihn schon einmal über den Fluss gesetzt hat. Lernt vom Fluss, vom Fährmann, sucht nicht mehr – und so findet er. Erkennt das Leben, das Göttliche, er erkennt sich, die Welt, die ihn umgibt. Siddhartha hört das „OM“, er erkennt Buddha in Vasudeva, welcher in die Einheit geht:

„Mit tiefer Freude, mit tiefem Ernst blickte er ihm nach, sah seine Schritte voll Frieden, sah sein Haupt voll Glanz, sah seine Gestalt voll Licht.“

Und einige Zeit darauf war auch er, der Brahmanensohn Siddhartha, der Vollendete.

Doch Hermann Hesse schrieb kein Lehrbuch über den Buddhismus, er erzählt uns die Geschichte Siddharthas und vermittelt uns so einen Teil der Lehre Buddhas.

Der Verlag Suhrkamp schreibt dazu:

Siddhartha, 1953 im Suhrkamp Verlag erstmals erschienen und für Generationen zu einem Kultbuch geworden, ist die Legende von der Selbstbefreiung eines jungen Menschen aus den familiären und gesellschaftlichen Konventionen zu einem eigenständigen Leben, ein Buch über die Erkenntnis, daß Bewußtsein nicht überlieferbar ist durch Lehren, sondern nur durch eigene Erfahrung erworben werden kann. In diesem Text sucht Hesse zu ergründen, »was allen Konfessionen und allen menschlichen Formen der Frömmigkeit gemeinsam ist, was über allen nationalen Verschiedenheiten steht, was von jeder Rasse und von jedem Einzelnen geglaubt werden kann«.

Nachträglich zum Frauentag

Den hier lesenden Frauen alles Gute, wenn auch verspätet, zum Frauentag.

Frühling

 

Leis´ ein Grün die erwachende Erde bricht,

und drängt sich empor ans Sonnenlicht.

Des Frühlings Atem den Winter verscheucht,

die Lerche in den Feldern schon fleucht.

Am Wegesrand sprießen Blumen so fein

und das soll ein Gedicht zum Frauentag sein?

 

Frühling

Sisley, Alfred: Obstgarten im Frühling, übernommen von http://www.zeno.org – Zenodot Verlagsgesellschaft mbH

Das Glasperlenspiel

Eigentlich wollte ich ja heute mit einer Kurzgeschichte beginnen, doch ein Artikel in der Tageszeitung zwingt mich dieses zu Schreiben. Ausschlaggebend war ein Bericht über die Fernsehsendung „Deutschland sucht den Superstar“, bei der vor kurzem jemand nach der Kritik des Herrn Bohlen umgekippt ist. Ein eigenes Urteil kann ich mir über die Reihe nicht erlauben, da ich sie noch nie gesehen habe. Aber nachdem ich den Zeitungsauschnitt gelesen habe, festigt sich doch eine gewisse Abneigung gegen die Sendung. Zu den Äußerungen eines Herrn Bohlen, einige waren beispielgebend abgedruckt, kann ich nur eines sagen. Wenn unser Kater einen anderen trifft, und der zwei Meter breite Weg nicht ausreicht aneinander vorbei zu gehen, hört sich das Konzert der Kater für mich besser an als die Töne gestander Musiker. Soviel zu Dieter Bohlen.

Erwähnt hat die Zeitung noch eine „FSF“, eine Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen. Nun, würde die Gesellschaft ihre Arbeit ernst nehmen, gäbe es die Superstarsuche wohl nicht. Abgesehen von all den anderen Shows, welche unsere Gehirne weich spülen sollen. image

Doch jetzt zur Hauptsache. Vor einiger Zeit las ich Hermann Hesses „Glasperlenspiel“, ein Vergleich zur heutigen Fernsehmentalität drängt sich mir geradezu auf. Hesse beschreibt in dem Buch die Provinz Kastalien, hier wird das Prinzip des lebenslangen Lernens praktiziert, als Gegenpol zu der „feuilletonistischen“ Zeit außerhalb der gelehrten Mauern. Insofern ist Hesses Meisterwerk aktueller denn je. Schauen wir uns oben genannte Sendungen an, bilden wir die Inhalte ab auf einer bei vielen Anlässen bemühten Studie aus einer Stadt mit dem schiefen Turm, so sind wir mitten in den Gedanken des Schriftstellers über die Gesellschaft. Ach, wünschte ich mir mehr solcher Kastaliens in unserer Welt, änderte sich dann auch das Verhältniss zu mehr Bildung und mehr Niveau bei den Fernsehsendern, wenn nicht alles nur der Quote geschuldet wäre.

 

Hier noch paar Sätze vom Verlag: Das Glasperlenspiel. Versuch einer Lebensbeschreibung des Magister Ludi Josef Knecht in einer einmaligen Sonderausgabe vor – Hermann Hesses letztes, sein wichtigstes und anspruchsvollstes Werk. Es ist ein Buch der Zukunft: Der Autor transportiert das Leben seines Helden Josef Knecht in das Jahr 2200. Er entwickelt mit dem Glasperlenspiel, in dem nicht weniger als das Streben nach Wahrheit auf dem Spiel steht, eine Utopie.

Ohrenschmaus

Vorhin übertrug der Radiosender Bayern 4 klassik die lyrische Oper „Iolanta“ von Tschaikowski. Und Ende Dezember musste ich meine HiFi-Anlage zu Grabe tragen. Einige von Euch spendeten Trost in dieser für mich schweren Stunde der Abschiednahme. Dafür sei Euch von Herzen gedankt.

Doch nun lasst uns feiern, jauchzen und frohlocken. Ich genoss die Oper, auf der Couch liegend und mit einem Glas Rotwein in der Hand, in schönstem Stereoton. Ja, meine Freunde, in der Stube stehen neue Lautsprecher und eine neue Musikanlage.

Erfahrungen

Der Paslamer Literaturwettbewerb gehört nun zur Vergangenheit, die Gewinner sind ermittelt.

Ich weiß nicht, welcher Teufel mich geritten hat, dass ich mich daran beteiligte, ohne eine Spur literarischer Vorbildung, ohne je etwas geschrieben zu haben; abgesehen von den Schulaufsätzen, die ja mittlerweile zu Staub zerfallen sind und den Lieferscheinen auf Arbeit – doch dazu braucht´s recht wenig Kreativität. Die Preise wurden ohne mich aufgeteilt.

Welch ein Tor, der sich schon auf dem schriftstellerischen Olymp sieht, dekoriert mit dem Lorbeerkranz des Siegers.

Doch sage ich mir, neues Jahr, neues Glück, so schreibe ich wohl wieder eine kurze Geschichte zum diesjährigen Wettstreit. Doch zuvor werde ich üben. Und immer wieder üben. Gleich morgen schreibe ich drei Lieferscheine mehr.