Orwells Realität

Gegenwärtig – in Bezug auf Herrn Schäubles tun und Herrn Oettingers reden – fühlt man sich in George Orwells „1984“ hineinversetzt.

Der Ministerpräsident Oettinger möchte gern die Vergangenheit umformen, vergaß dabei aber vorliegende Schriften zu fälschen und die Originale ins >>Gedächtnis-Loch<< zu werfen. Das Literaturcafe weist in diesem Zusammenhang auf die Erzählung „Ein Kriegsende“ von Siegfried Lenz hin.

Darin geht es um das Minensuchboot MX 12, welches den Befehl erhält, nach Kurland zu laufen, um dort Verwundete nach Hause zu holen. Während das Boot, trotz der Aussichtslosigkeit des Unterfangens, Kurs hält, wird bei Lüneburg eine Teilkapitulation unterzeichnet. Kommandant Kaleu hält an der Operation fest, wird seines Kommandos enthoben und die Mannschaft nimmt Gegenkurs, obwohl ein neuerlicher Funkspruch der Flotille das Unternehmen bestätigt. Die letzten Meilen von einem Schnellboot eskortiert, lief MX 12 in den Heimathafen ein. Die Besatzung wurde festgenommen und unter britischen Gewahrsam gestellt. Dennoch galt für Angehörige der Marine die deutsche Militärgerichtsbarkeit weiter, es kam zum Prozess. Die Mannschaft wurde zu Arrest, der Steuermann Heimsohn sowie der Feuerwerker Jellinek zum Tode verurteilt. Die Urteile wurden vollstreckt.

Herr Oettinger und ein Teil seiner Partei möchten wohl an seiner Rede keinen Zweifel aufkommen lassen. George Orwell schreibt dazu:

„Und wenn alle anderen die von der Partei oktroyierte Lüge akzeptierten – wenn alle Berichte gleich lauteten -, dann ginge die Lüge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit.“ Aus „1984“, Seite 45.

Doch nun zu Herrn Schäuble. Seit meinem letzten Eintrag dazu sind wieder neue Ungeheuerlichkeiten dazugekommen. Die Polizei soll, die in den Meldeämtern gespeicherte Passfotos sowie Fingerabdrücke der neuen Reisepässe, abrufen dürfen. Doch damit nicht genug. Auf einmal geht es auch um sämtliche bei den Behörden gespeicherten Passfotos. Da ja die Überwachung durch die Mautbrücken auch beschlossen ist und die neuen Reisepässe einen drahtlos auslesbaren RFID-Chip beherbergen, hier mein Vorschlag an den Bundesinnenminister. Verpflichten Sie jeden Bürger einen solchen Pass ständig bei sich zu führen. Rüsten sie die Mautstationen, öffentliche Verkehrsmittel und Plätze, Hauseingänge und Kaufhäuser mit leistungsfähigen Lesegeräten aus. So wissen sie ständig unseren Aufenthaltsort, ohne eine komplizierte Implantation der Chips in unsere Köpfe durchzuführen. Und wenn Ihnen dann mal das Geld ausgehen sollte, verkaufen sie einfach einen Teil der Daten an die Werbeindustrie.

Noch sind unsere Gedanken frei! Und so schnell kommen Sie auch nicht dahinter. Ich lasse nochmal Orwell zu Wort kommen:

„Bei all ihrer Gerissenheit hatten sie doch nie das Problem gelöst, wie man herausfand, was ein anderer dachte.“ Aus „1984“, Seite 203.

Menschenallergie

Laut einem Artikel in der Welt haben schottische Wissenschaftler herausgefunden, dass immer mehr Haustiere eine Allergie auf menschliche Haare und dergleichen bekommen. Also gibt es nicht nur Menschen, welche auf Tierhaare allergisch reagieren, sondern jetzt auch Tiere, die eine Allergie auf Menschen entwickeln. Dazu ein passendes Zitat von Franz Kafka, aus der Erzählung „Ein Bericht für eine Akademie“:

„Manchmal überkommt mich ein solcher Widerwille vor Menschen, daß ich dem Brechreiz kaum widerstehen kann. Das hat natürlich nichts mit dem einzelnen zu tun, nichts mit Ihrer liebenswürdigen Gegenwart. Es geht gegen alle Menschen.“

Herzogin Anna Amalia

Heute hat Anna Amalia, die Gründerin gleichnamiger Bibliothek, ihren 200. Todestag. Auch aus diesem Anlass legt die Süddeutsche Zeitung eine neue Edition mit 12 Werken weltbekannter Schriftsteller auf, welche unter dem Titel „Bibliotheca Anna Amalia“ bei der SZ-Mediathek eingestellt ist und auch als Hörbuch-Edition erhältlich ist.

Wir haben doch nichts zu verbergen

Inspiriert durch Herrn Schäubles Datensammelwut lenkte ich meine Schritte gen Buchladen und erstand George Orwells Roman „1984“.

Nachdem ja die Überwachung öffentlicher Plätze beinahe zur Selbstverständlichkeit gehört (wir benehmen uns doch in aller Öffentlichkeit!) und der Bundestrojaner unsere Festplatten durchschnüffelt, doch auch da haben wir ja nichts Verbotenes abgespeichert – also was soll´s, liest man in dem Buch noch weitere Fiktionen. Ich wette, der Herr Bundesinnenminister las diesen Roman auch und es weckte in ihm die Begehrlichkeit nach ebenso großer Überwachung. Deshalb setzte er wohl diese orwellschen Gedanken auf seine „zu Erledigen“-Liste.

Hier noch ein Auszug aus dem Klappentext:

Winston Smith lebt in einem totalitären Überwachungsstaat. Seine Aufgabe ist es, im Wahrheitsministerium Zeitungsberichte zu fälschen, z. B. um aus politischen Gründen Ermordete aus der Geschichte zu streichen. Obwohl Smith für die Partei arbeitet, ist er in seinem Inneren ein Gegner des Systems. Eines Tages verliebt sich Smith in Julia mit den rebellischen Augen. Da laut Parteistatut jedoch Sexualität nur zur Fortpflanzung dient, beginnt ein gefährliches Versteckspiel …

Franz Kafka – “Die Erzählungen”

Kafka - ErzählungenGestern las ich die letzten Seiten des Buches und bin beeindruckt von dem Werk. Überzeichnete Charaktere, unverhoffte Wendungen und die nicht vorhersehbaren, überraschenden und abrupten Enden der Erzählungen sind unübertroffen. Dabei sind es meist diese kurzen, oft nur wenige Sätze umfassenden Stücke, welche den Ausdruck „kafkaesk“ prägen. Kurze, traumhafte Geschichten stehen dann wieder wechseln sich mit abgeschlossenen und längeren Werken ab entgegen, welche vom Menschsein handeln.

Dazu noch ein Zitat aus dem „Steuermann“:

„Was ist das für Volk! Denken sie auch oder schlurfen sie nur sinnlos über die Erde?“

Ein Besuch im Buchladen.

Zuvorderst, um einmal ein Lob den Buchhändlerinnen und Buchhändlern auszusprechen, mir ist es noch nie so ergangen wie in dem nachstehenden Artikel beschrieben. In meiner Lieblingsbuchhandlung wurde ich bisher immer freundlich bedient.

Diesen Artikel habe ich letzte Woche, den genauen Tag weiß ich nicht mehr, in der „Freien Presse“ gefunden.

Buchladen

Nachdenkliches

Pünktlich zum Start in die neue Woche etwas Nachdenkliches, für all jene, welche die Verfügungen der Vorgesetzten verstehen wollen. Gefunden in der Erzählung „Beim Bau der chinesischen Mauer“ von Franz Kafka.

„Suche mit allen Deinen Kräften die Anordnungen der Führerschaft zu verstehen, aber nur bis zu einer bestimmten Grenze, dann höre mit dem Nachdenken auf.“

Online Lesen – der Appetitanreger für gedruckte Bücher

Die Verlage Random House und HarperCollins stellen ihre Bücher ins Netz! Es kommt etwas überraschend, da sich ja fast alle Verlage gegen eine Digitalisierung ausgesprochen hatten und gegen Google sturmgelaufen sind, die Bücher volltextindiziert online stellen wollen. Soweit ich mich erinnere, gab es ja auch bei dem Roman „Tod eines Kritikers“ von Martin Walser eine Kopie im Internet, bei der der Suhrkamp-Verlag höchst erbost war. Doch zurück zu dem neuen Dienst. Dies geschieht bei Random House mit dem neuen Service namens „Insight“. Zunächst noch auf der amerikanischen Webpräsenz, doch Random House Deutschland will diesen Service auch in den nächsten Wochen einführen. Dabei kann man online in ausgesuchten Werken lesen. Es steht zwar nicht das gesamte Buch zum Lesen bereit, es sollen ungefähr vierzig Seiten sein, aber zum reinschnuppern müsste es ja reichen. Es ist sogar erlaubt, auf eigenen Webseiten diese Inhalte einzustellen. Die Ansicht erfolgt dabei im Original-Layout der Bücher. Bei HarperCollins ist es das gesamte Buch, wie mir scheint, allerdings mit Copyright-Vermerk.

Das mit dem Einfügen in meinen Blog hat wohl nicht geklappt, ich werde das morgen nochmal probieren.

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E-Book gegen Buch

Nachdem ich schon drei Anläufe genommen habe, „Die Verwandlung“ von Franz Kafka am Bildschirm als E-Book zu lesen, brach ich den Versuch dann ab. Daraufhin im Buchladen „Die Erzählungen“ gekauft. Als richtiges Buch, gebunden und mit Lesebändchen – was ja mittlerweile eine Seltenheit geworden ist. Und schon habe ich knapp ein Viertel des Buches gelesen. Für mich bleibt ein gedrucktes Buch immer noch die erste Wahl.