€ 17.000,-

Nicht jeder, der an den Toren des Kanzleramts rüttelt, darf später auch hinein. Peer Steinbrück scheint sich seiner Kanzlerschaft sicher zu sein. Warum sollte er sonst, als Mitglied der „Arbeiterpartei“, einen Zuschlag beim Amtsgehalt der Bundeskanzlerin fordern.

Natürlich kann es auch sein, dass die Weihnachtsgeschenke von Frau Merkel dieses Jahr etwas bescheiden waren und der kleine Peer unterm Tannenbaum bitterlich geweint hat.

Doch zurück zu den Zahlen. Rechnet man Herrn Steinbrücks Nebeneinkünfte der letzten Jahre auf den Monat um, ergibt sich eine ungefähre Summe von knapp dreißigtausend Euro. Bis Mitte 2013 erhöht sich das Gehalt der Bundeskanzlerin auf ca. 17.000 Euro. Diese Vergütung erhielte er dann auch – wenn er die Wahl gewönne. Für Vortragstätigkeiten wäre dann keine Zeit mehr, da das Amt einen vollständig ausfüllt. Daraus ergibt sich eine, nicht kleine, Differenz. Und dieses Mindereinkommen muss ja dann irgendwie ausgeglichen werden.

Umfragewerte sind ja nun eine Sache für sich, doch wird der Kanzlerkandidat der SPD sich mit diesem Vorstoß keinen Gefallen getan haben. Seine Malaise mit den Nebeneinkünften war schon fast vorbei und hätte bestimmt keine Auswirkungen auf die Person des Kanzlerkandidaten gehabt. Doch frage ich mich jetzt: Will er überhaupt Kanzler? Oder was soll diese Selbstdemontage?

Gut aufgelegt

Beide sind in fast dem gleichen Alter, sie ist wohl ein oder zwei Jahre jünger. Keine Kratzer, Falten, Ähnliches, was zu kosmetischen Reparaturorgien führen könnte. Ja, gut, zugegeben, sie ist rund. Na und?  Das sind sie ja alle. Zumindest sind alle zwei gut aufgelegt.

Ich, weil ich mich freue, endlich wieder einen Schallplattenspieler mein Eigen zu nennen und die über vierzig Jahre alte American Folk Blues Festival Schallplatte, welche sich munter auf dem Plattenteller dreht. Analogmusik. Leises Knistern zwischen den Liedern. Und ein schon längst vergessener Klang. Der alte folkbluesSpieler hatte schon vor langer Zeit aufgehört, sich zu drehen. Und weil das mit den CDs halt so bequem ist – Fernbedienung und dergleichen, stand die Plattensammlung ungehört im Schrank. Durch Umzüge und andere Irrungen und Wirrungen ist die Anzahl wohl auf gut fünfzig LPs zusammengeschmolzen, aber diese dürfen sich jetzt wieder drehen.

Ökumene? Was ist das denn?

Es geht auf Pfingsten zu. Und allenthalben liest man auf den Kalenderblättern Sprüche mit einem Bezug zu Gott. Auf unserem Katzenwochenkalender (!) musste ich heute einen lesen und in Ulfs Schreibetagebuch stand ein ähnlicher Spruch. Es drängt sich mir die Frage auf, welcher Gott? Gibt es etwa mehrere? Papisten und Protestanten stehen sich unversöhnlich gegenüber. Der Katholizismus, oder eher der Papst, erkennen die evangelische Kirche nicht an.

Doch welch ein Wunder – wenngleich kein göttliches – die oberen beider Kirchen, Kardinal Lehmann und der ehemalige Kirchenpräsident Steinacker kämpfen Hand in Hand gegen einen Schriftsteller. Nun ist es kein deutscher Literat, welcher vor die Neo-Inquisition gezerrt wird, es ist ein Muslim. Navid Kermani, seines Zeichens iranischer Schriftsteller, wird der hessische Kulturpreis aberkannt. Die zwei deutschen Kirchenfürsten intervenierten bei Roland Koch. Und ihm muss es doch wirklich sehr schwer gefallen sein, den Preis nicht an Kermani zu verleihen. Ist es doch ein Politiker, welcher sich rührend um Migranten kümmert (solange sie nicht in seinem Hessen unterkommen wollen). Navid Kermani setzt sich für eine Verständigung der Religionen ein. Also was liegt da näher, als ein ökumenischer Schulterschluss der katholischen und evangelischen Kirchen für, nein, nicht für, gegen einen Islamisten. Hat hier jemand was von Kreuzzug gesagt oder gedacht? Ich möchte doch sehr bitten!

Passend dazu die Zeile aus einem Lied des islamischen Sängers Yusuf: „There is only one god“. Und wenn man den Text weiterliest, respektive hört, fällt einem die Ökumene, die Annäherung der Religionen auf.

Die ganzen Hintergründe kann man in der „ZEIT“ nachlesen.

Saubere Tinte

Allenthalben liest man vermehrt von erschienenen und noch zu bauenden Lesegeräten mit elektronischer Tinte. Ein wahrlich löbliches Unterfangen. Vor zwei Wochen hatte ich nämlich wieder schulkindtintenbekleckste Hände nach dem Wechsel einer Füllhalterpatrone. Zugegeben, diese Technik ist zum Lesen gedacht, man nimmt ja Papier um mit einem Federhalter zu Schreiben. Dennoch gibt es Leute, welche dann und wann auch mal in ein Buch etwas reinschreiben; oder in eine Zeitung. So wie ich. Und für diese ist dann die saubere Tinte – oder auch nicht. Jüngst stand doch in einem Buchladen ein viel beworbener E-Book Reader zum probieren. Vier Seiten habe ich mir gegönnt. Die Schrift ist wie gestochen, es liest sich flüssig. Möchte man etwas markieren oder eine Anmerkung notieren – nimmt man Zettel und Stift. Es geht nicht anders. Gewährt wird einem aber das Setzen von Lesezeichen. Einen ausführlichen Testbericht gibt es beim Literaturcafé. Die Preisgestaltung ist auch zu überdenken. Dreihundert Euro für das Gerät zuzüglich der elektronischen Bücher, welche nur marginal billiger als die gedruckten Ausgaben sind.

Die angekündigten Reader mit größerem Display, welche von den Zeitungsverlagen aus Kostengründen herbei gesehnt werden, sind für mich kein Ersatz für eine papierne Zeitung. Man stelle sich einen Abend auf der Couch vor, die Frau sieht fern und der Gatte drückt zum Umblättern der Zeitung einen Knopf. Um wie viel heimeliger, familienfreundlicher ist doch eine großformatige Printausgabe a la ZEIT, welche in den spannendsten Momenten des Kriminalfilmes umgeblättert und glatt gestrichen wird. Auf derartige Gegebenheiten möchte ich keinesfalls verzichten.

Freunde, nicht diese Töne

O doch, möchte ich in die Welt hinaus schrei(b)en. Während allerorten die Konzerthallen zum Jahresausklang Beethovens neunte Sinfonie geben, muss ich doch noch ein wenig granteln. Das Umklappen der letzten Seite von Hesses Steppenwolf, die Weltkrise, die Übernahme der Marken Brockhaus und Harenberg durch Bertelsmann und eine Studie der Stiftung Lesen zwingen mich, dies zu schreiben.

Der Roman „Steppenwolf“ ist schnell erzählt. Hermann Hesse schreibt – biographisch – über die zwei „Ich“, welche abwechselnd in Harry Hallers Innerem die Oberhand gewinnen. Von der Zerrissenheit der Seele, dem Kampf zwischen Kultur (in Gestalt des Steppenwolfes) und Trivialität. So schrieb er zwDer Steppenwolfar über seinen Seelenzustand, doch hält er uns, unserer Gesellschaft, einen Spiegel vor das Gesicht, in dem wir die jetzige Welt allzu verwahrlost sehen. Sehnen sich im Roman die zwei Antagonisten nach einem Gleichgewicht, so ist dieses Kräfteverhältnis schon lang aufgehoben zu Gunsten von einer, und das stammt wiederum von Hesse, feuilletonistischen Zeit. Wobei man den Begriff Feuilleton diesmal mit Unterhaltung – nicht mit Kultur – übersetzen sollte. Es ist diese Jagd nach immer mehr und realer Unterhaltung, nach noch höheren Gewinnen in den Konzernen und beim Privatmann, ein ständiges SchnellerHöherWeiter. Es kann einem Angst und Bange werden, wenn Bertelsmann, oder sollte ich RTL schreiben, Brockhaus endgültig geschluckt hat. Kommt als nächstes der Duden dran? Gibt es als nächstes einen Eintrag im Lexikon „Bauer sucht Frau“? Bei Meyers steht ja nun schon „Big Brother“ drin.

Lasst uns zu Steppenwölfen werden, die Zeit wieder ein wenig zu entschleunigen, dass wieder etwas mehr Kultur in der Waagschale liegt, um das Pendel wieder ins Lot zu bringen.

Doch zurück zum Buch. Im Anhang, persönlich wünschte ich sie mir als Vorwort, stehen die Krisis-Gedichte, aus denen der Roman dann hervorgegangen ist. Erdrückende Einblicke in Hermann Hesses Innerstes.

Das war das Wort zum Jahresende. Blogsatz wünscht euch allen einen Guten Rutsch ins Neue Jahr.

Die Platzkarten, bitte.

In Sabines Spinnrad las ich es und hielt es für einen Scherz, welcher zum Nachdenken anregen solle. Doch die Tageszeitung belehrte mich eines besseren.

Die Herren Volk von der CDU und Lindner von der FDP (käme dieser Vorstoß von der Linkspartei verstünde ich es ja eventuell), möchten die Weihnachtsgottesdienste nur für Kirchensteuerzahler mit Eintritts- respektive Platzkarten öffnen. Manchen Christen wird die Wange glühen, ist es nicht eine schallende Ohrfeige für die christlichen Werte. Prominentestes Opfer einer fehlenden Eintrittskarte war wohl Josef nebst seiner Maria. Doch im Stall war ja noch ein Platz frei. Ist ein Obdachloser, auch wenn er sich in erster Linie der beheizten Kirche wegen dort hin begibt, Gott nicht lieber als manch ein doppelzüngig redender Politiker? Oder soll dieser Vorschlag zu vor lutherischen Zeiten hinführen. Eine elitäre Gruppe kommt sowieso in den Himmel, der Rest solle seinen Zehnt bezahlen, ansonsten muss er in der Hölle darben – oder hat keinen Zutritt zur Kirche. Gut, die Gemeinde der Kirchensteuerzahler ist groß, keine kleine Gruppe, doch soll die Frohe Botschaft nicht alle Menschen erreichen? Auch diejenigen, welche nur an Heiligabend ein Gotteshaus von innen sehen.

Ich wünsche euch einen freien Platz beim Weihnachtsgottesdienst und ein besinnliches, ruhiges Fest.

E S A R I N T U L O M D P C F B V H G J Q Z Y X K W

Das sind die in der französischen Sprache am meisten verwendeten Buchstaben. Und nach diesem „Alphabet“, nach diesem System, die Buchstaben ihrer Häufigkeit nach zu sortieren, hat Jean-Dominique Bauby sein Buch diktiert. Bauby ist im März 1997 gestorben, nachdem er weit über ein Jahr in seinem Körper gefangen war.

Im Dezember 1995 erlitt er einen schweren Schlaganfall, nach einem zweiwöchigen Koma erwachte er – vollständig gelähmt, bis auf ein Augenlid und eine leichte Kopfbewegung. Diese sehr seltene Krankheit nennt man „Locked In Syndrom“, kurz LIS. Man ist bei vollem Bewusstsein gefangen im eigenen Körper, in einer, wenn man so will, Taucherglocke. Jean-Dominique sortierte Satz für Satz, Kapitel um Kapitel in seinem Kopf, bevor er mit seinem Lid blinzelte, wenn der richtige Buchstabe genannt wurde.

schmetterlingEs ist kein alltägliches Buch. Eher eine Kostbarkeit, wenn man das Zustandekommen bedenkt. Und er schreibt nichts von Selbstmitleid, Bauby lässt uns Anteil nehmen an seinem Zustand, mit Witz und Ironie zeigt er uns sein „Leben“ als LIS-Patient, holt uns in seine Taucherglocke. Dann entfliehen wir mit ihm, als Schmetterling, in die Welt, welche vor seinem Krankenzimmer stattfindet. Der wache Geist durchbricht die Glocke, entflieht dem Kerker. Doch schreibt er auch von der Verzweiflung, welche sich doch immer wieder breit macht.

Allzu oft, auch mit Recht, sagt man, ein Film, gedreht nach einem Buch, verliere von der Ausstrahlung der Worte. Hier ist es nicht der Fall. Der gleichnamige Film intensiviert dieses Erleben des Locked In Syndroms. Gedreht aus der Sicht Baubys, sehen wir die Welt mit seinem Auge, sind dabei, als man ihm ein Augenlid zu nähte, als über ihn gesprochen wurde. Doch ich schreibe ganz bewusst nicht, dass wir uns durch diesen Film in ihn hinein versetzen können. Nein, das kann niemand. Das einzige, was wir können, ist, sich ein wenig mehr mit unserem Leben auseinander zu setzen. Manche ärgern sich über ein paar Pfunde zu viel am Körper, graue Haare, ein Pickel, die Frisur, welche heute nicht sitzen will und all dergleichen Banalitäten, Kleinigkeiten. Sehen wir die Welt mit anderen Augen, freuen wir uns des Lebens, auch wenn es uns manchmal vorkommt, wir wären der Baum und nicht der Hund.

Auch eine seltene Krankheit ist der Zustand des Wachkomas, des apallischen Syndroms. Hier fehlt dem Patienten durch eine zu starke Schädigung des Hirns das Bewusstsein. Doch finde ich den Übergang eher fließend. Welcher noch so gute Neurologe kann mit hundertprozentiger Gewissheit sagen, dieser Gruppe fehlt das Bewusst gewordene Sein. Und so kommt es bei jedem dieser zwei Krankheitsbilder vor, das mangelnde Kenntnis der Pflegekräfte dazu führen, ohne Vorwarnung die Bettdecke weg gezogen zu bekommen oder einen nassen Waschlappen plötzlich im Gesicht zu haben. Dieser Film sollte eigentlich zum Lehrplan auszubildender Pflegekräfte dazu gehören und bei Angestellten auf solchen Stationen jährlich gezeigt werden.

Polterg(r)eis(t)

Wer poltert da noch durch die Medien – nicht mehr leis,

das ist doch RR – wohl schon ein Greis.

Man könnte meinen, Herr Reich-Ranicki wäre in seinem Ohrensessel aufgewacht und sah sich nicht mehr beachtet. Deswegen muss er wohl jetzt durch die Medienlandschaft schimpfen. Hegte ich noch ein wenig Sympathie für ihn, nach seiner Weigerung den Fernsehpreis anzunehmen, hat er diese jetzt verloren. Befreundete er sich während der Sendung mit Herrn Gottschalk und attackierte die ihm zu Hilfe eilende Elke Heidenreich; doch damit nicht genug. In der Dezemberausgabe des Magazins „Cicero“ legte er noch einmal nach. Sagte er doch zu der Sendung Lesen „Diese Reklame für Bücher ist mir zu billig.“ Stimmt, Herr RR. Sie machten ja vor kurzem für die Firma mit dem großen, rosa T Werbung, die war dann nicht so billig. Des weiteren motzte er noch gegen Sigrid Löffler, welche die Sendung von Elke Heidenreich auch nicht weiter führen könne. Einen Augenblick lang war ich geneigt zu denken, er hätte ein Problem mit (klugen) Frauen. Doch paar Sätze weiter versucht er sich bei Frau Merkel anzubiedern, welche sich doch auch in die Diskussion über die Fernsehqualität einmischen sollte. Oder hat er doch ein Frauenproblem? Schließlich überwarf er sich nun noch mit seiner Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz vom Suhrkamp-Verlag und wechselt zu Hoffmann und Campe.

Setzen Sie sich doch bitte wieder in Ihren Lehnstuhl und lesen paar Bücher.

Neuerungen

Meine lieben Leser,

ich habe mich entschlossen, Kommentare nur noch mit einer neuen Anmeldung zu genehmigen. Um sich hier anzumelden braucht ihr nur unten stehendes Formular ausfüllen, natürlich einmalig, und schon seid ihr hier – und anderswo – gespeichert. Vielen Dank für eure Mühe und Mitarbeit.

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Etwas Neurotisch

In dem samstäglichen Werbeblatt einer Supermarktkette fand sich ein halbseitiger Artikel über den „Frauenschwarm“ und Volksmusikstar Florian Silbereisen. Dazu noch ein recht großformatiges Foto von ihm. Nein – nicht dass ich den Artikel gelesen hätte. Irrwitzigerweise entwickelte ich eine, sagen wir Neurose oder eine Phobie. Auf dem Gebiet bin ich nicht so bewandert. Es zog mich zu dem Computer hin, gab eine Adresse in den Browser ein, landete bei einem Buchversender und bestellte. Kein Volksmusikalbum. Irgendwie zog es mich zu Charles Bukowskis Buch „Den Göttern kommt das große Kotzen.“ Jetzt fiebere ich dem Paket entgegen, es schnell auszupacken, und dann meine Medizin zu genießen. Danach werde ich mich wohl erholt haben. Nächstes Wochenende werde ich die Seiten der Reklamezettel etwas vorsichtiger wenden.