Der Papierkrieg

Bei jedem Klingeln an der Haustür zucke ich zusammen. Sind sie jetzt da? Muss ich mich nun verantworten für mein frevlerisches Tun? Doch was habe ich getan, um ein derart schlechtes Gewissen zu haben?

Ich verstecke alte Zeitungen. Ich führe sie nicht der schadlosen Verwertung durch ein städtisches Entsorgungsunternehmen zu.

Vor einigen Wochen erbot sich eine Recyclingfirma, vor den Häusern blaue Tonnen aufzustellen, um uns, der Bevölkerung, den Weg zu den Papiercontainern zu ersparen. Da wir Mieter in einem Mehrfamilienhaus sind, kam das sowieso nicht in Betracht. Doch einige Hausbesitzer bestellten solch eine Tonne. Das wiederum rief die Stadtoberen auf den Plan. Man mache sich strafbar, Papier in diesen Tonnen zu entsorgen, da diese Firma nicht anerkannt wäre, so der Kommentar unseres Umweltbürgermeisters. Beantragt hatte dieses Unternehmen dies alles schon im letzten Jahr, doch die Ratsmühlen mahlen etwas langsam. Und meinen Augen traute ich kaum, die ganze Stadt wimmelte plötzlich voll blauer Tonnen, als verfolgten sie mich. Die Stadt ließ in einer Nacht-und-Nebel-Aktion vor jedem Grundstück Papiertonnen aufstellen, ausgeteilt durch das Entsorgungsunternehmen der Gemeinde. Geht es da um Geld, liebe Stadtoberhäupter?

Manchmal schmeiße ich die Zeitungen aber weder in die eine, noch in eine andere Tonne, sondern lege damit bestimmte Schränke aus oder hefte mal einen Artikel ab. Schließlich bezahlte ich die Zeitung beim Kauf und sie ging damit in mein Eigentum über. Oder wurde sie mir nur überlassen, zu lesen die journalistischen Beiträge und das Papier gehört der Stadt. Bin ich jetzt ein Verbrecher, ein Papierdieb? Ich werde weiterhin das Possenspiel der Papiertonnen verfolgen. In meiner Tageszeitung, welche täglich im Briefkasten liegt. Und an bestimmten Tagen werde ich sie wieder verstecken.

Der Fichtenbaum

Das gibt es nur in Sachsen,

wo die höchsten Bäume wachsen.

fichte

 

Fünf Dinge fallen mir zu dem Artikel in der „Freien Presse“ von heute noch ein:

  1. Das Kultusministerium muss die Naturkundebücher (oder wie das Schulfach jetzt heißt?) umschreiben lassen.

  2. Chemnitz hätte den Baum im Ganzen nehmen sollen, ein Eintrag im Guinnesbuch wäre wohl drin gewesen.

  3. Die Fichte reichte wohl auch für drei Städte, wenn das leidige Problem mit der Spitze dann nicht wäre.

  4. Wie hoch wäre der Baum geworden, ließe man ihn noch ein wenig wachsen, mit 38 Jahren ist er ja noch nicht volljährig?

  5. Wieviel Bäume hätten noch gefällt werden müssen, um die 90 Meter Fichte in einem Stück aus dem Wald zu bekommen