Wieder da!

Er ist wieder hier, in seinem Revier!

Nach Tagen bangen wartens kam er am Freitag nachmittag nach Hause. Das ganze Viertel mit Handzetteln versorgt, Tasso schickte auch noch Suchplakate, welche der Postbote Freitag brachte. Nachbarn liefen die Straßen ab – alle suchten mit. Bis plötzlich ein Mann aus dem zweiten Stock vom Balkon aus ein graues Felltier über die Wiese laufen sah. Er gleich die Treppe runter, um die Nachbarin mit dem Schlüssel zu informieren. Eine andere Nachbarin sah den Kater dann auch und klingelte Sturm. Fünf Minuten später war wieder Futter im Napf, meine Frau und ich bekamen auf Arbeit Anrufe, dass er in der Küche sitzt und sich den Bauch vollschlägt.

Als ich nach Hause kam schlief er seelig auf dem Schrank. Nach einer kätzischen Begrüßung den Napf wieder befüllt, er den Napf sogleich wieder geleert. Dann wollte der Streuner aber wieder raus. Durfte er aber nicht. Zuerst machte ich meine Runde, um all die Zettel wieder einzusammeln – sonst stünde wohl das Telefon nicht still und wohlmeinende Nachbarn brächten ihn dann im Zehnminutentakt wieder nach Hause.

Selbst Eric Clapton gibt ein Ständchen dazu.

Back home

Winter

  

Seit fast einer Woche Schneefall der erste Sonnenschein. Der nächste Flockenwirbel soll erst Freitag wieder vom Himmel herabfallen. Melden die Meteorologen, welche sich in letzter Zeit nie irrten.

Konnte ich noch vor gut anderthalb Wochen – während einer kurzen Tauperiode (die war Cancún und der 2-Grad-Marke geschuldet) – eine Amsel beim Bade in einer Wasserlache beobachten, so ist jetzt die Landschaft in einem Schneemeer versunken. Selbst die EichelhäherPC280010 (im Bild vergreift er sich an einem Meisenknödel) nehmen das Futterangebot auf der Terrasse wahr und teilen mit den anderen Vögeln. Die Straßenbahnen haben schon kapituliert und blieben im Depot. Vereinzelt noch Busse auf den Straßen, welche aber nicht mehr jede Haltestelle bedienen; zu groß sind die Höhenunterschiede, die es zu überwinden gilt, will man vom Bürgersteig auf die Straße treten. Ein Heizkraftwerk bekam anscheinend die falschen Geschenke und meldete sich kurzerhand in die Weihnachtsferien ab – ein Stadtteil ohne Heizung, zumindest für einen dreiviertel Tag. Die Schneeschippen sind längst ausverkauft, eventuell Ende dieser Woche wird mit Nachschub gerechnet. Vereinzelt gibt es noch Restexemplare zu Wucherpreisen, wie an einem Imbiss: Der Inhaber verkauft das Stück zu zwanzig Euro. Aber vielleicht sind es ja Designerschippen, die den Aufpreis rechtfertigen.

Nachteilig wirkt sich das Wetter auch auf das Miteinander aus, da der Jahreswechsel ansteht. Wünscht man seinem Gegenüber den obligatorischen Gruß „Guten Rutsch“, bekommt man kein freundliches Lächeln und ein „Gleichfalls“ zurück, sondern Beschimpfungen und böse Blicke.

Also wünsche ich euch einen schönen Übergang ins neue Jahr.

Das Butterbrotpapier

Vorhin las ich in meinem Reader die Überschrift „Butterbrotpapier“ in Ulfs Schreibetagebuch. Und da ich ja bekennenderweise eine Affinität zur Literatur in mir hege, sah ich sofort ein Gedicht vor mir. Um wie viel überraschter war ich dann, dass auch beim Fußball, ein Sport der mir jeher etwas suspekt ist, dererlei Papierkugeln eine Rolle spielen. Um wie viel bedeutsamer, spannender wäre denn so ein Spiel, wenn die Fans, anstatt mit Böllern und Leuchtraketen, Papierkugeln auf den Rasen schmissen. Natürlich nur ohne den letzten Rest der eingewickelten Brote abgeschleckt zu haben. Um auch den Spechten noch etwas übrig zulassen. Und hier das Original des Butterbrotpapiers von Christian Morgenstern:

Das Butterbrotpapier

            Ein Butterbrotpapier im Wald,
            da es beschneit wird, fühlt sich kalt …

            In seiner Angst, wiewohl es nie
            an Denken vorher irgendwie

            gedacht, natürlich, als ein Ding
            aus Lumpen usw., fing,

            aus Angst, so sagte ich, fing an
            zu denken, fing, hob an, begann

            zu denken, denkt euch, was das heißt,
            bekam (aus Angst, so sagt‘ ich) – Geist,

            und zwar, versteht sich, nicht bloß so
            vom Himmel droben irgendwo,

            vielmehr infolge einer ganz
            exakt entstandnen Hirnsubstanz –

            die aus Holz, Eiweiß, Mehl und Schmer,
            (durch Angst), mit Überspringung der

            sonst üblichen Weltalter, an
            ihm Boden und Gefäß gewann –

            [(mit Überspringung) in und an
            ihm Boden und Gefäß gewann.]

            Mithilfe dieser Hilfe nun
            entschloß sich das Papier zum Tun,

            zum Leben, zum – gleichviel, es fing
            zu gehn an – wie ein Schmetterling …

            zu kriechen erst, zu fliegen drauf,
            bis übers Unterholz hinauf,

            dann über die Chaussee und quer
            und kreuz und links und hin und her –

            wie eben solch ein Tier zur Welt
            (je nach dem Wind) (und sonst) sich stellt.

            Doch, Freunde! werdet bleich gleich mir! –:
            Ein Vogel, dick und ganz voll Gier,

            erblickt’s (wir sind im Januar …) –
            und schickt sich an, mit Haut und Haar –

            und schickt sich an, mit Haar und Haut –
            (wer mag da endigen!) (mir graut) –

            (Bedenkt, was alles nötig war!) –
            und schickt sich an, mit Haut und Haar – –

            ein Butterbrotpapier im Wald
            gewinnt – aus Angst – Naturgestalt …

            Genug!! Der wilde Specht verschluckt
            das unersetzliche Produkt …

Christian Morgenstern, aus „Palmström“

Ein miauendes Geschenk

Die Bäume haben ihre Blätterpracht abgeworfen, auf den Fußsteigen raschelt es beim Gehen durch das bunt gefärbte Laub. Die Dekorationen der Innenstädte verändern ihr Bild, bald hört man wieder Weihnachtslieder in den Kaufhäusern. Das Jahr geht langsam zur Neige. Die Deutschen wollen wieder mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben. Und wie jedes Jahr liegen und hoppeln unter den festlich geschmückten Tannenbäumen etliche Kaninchen, Hamster, Katzen und andere Lebewesen aus den Zoohandlungen. Bis die lieben Kinderlein der Tiere überdrüssig werden. Aber es kommt ja wieder ein Weihnachtsfest, oder Ostern. Da wird ein neuer Versuch gestartet. Die Verantwortung für ein Haustier will gut überlegt sein. Über Jahre hinweg.

Keine lebenden Tiere zu WeihnachtenDazu auch ein gleichartiger Artikel bei Krötengrün. Und eine Aktion von www.keinetierezuweihnachten.de.ki, an der ich mich auch beteilige. Bitte besucht die Seite, nehmt auch an der diesjährigen Aktion teil, und vielleicht ersparen wir dadurch wenigstens einem kleinen Teil der Tiere ein Schicksal im Tierheim.

Die Welt ohne uns – Alan Weisman

Nein, er verteufelt uns nicht. Doch will er uns zum Nachdenken anregen.

Der Kerngedanke des Buches ist die Entwicklung der Erde ohne den Menschen. Zum einen beschreibt Weisman detailliert und bildhaft, wie die Natur sich ohne uns weiterentwickelt, an bestimmten Beispielen wie der zypriotischen Stadt Varoscha, welche im Sperrgebiet liegt und seit 1974 nicht mehr bewohnt ist, oder den Stätten der Maya, die mittlerweile ganz von der Natur zurückerobert wurden. Anderseits streift er die Entwicklung, welche die Erde eingeschlagen hätte, wenn wir uns gar nicht erst zum Homo sapiens entwickelt hätten.

„Die Menschheit in ihrer Gesamtheit ist unzähligen anderen Arten zu Dank verpflichtet. Ohne sie könnten wir nicht existieren. So einfach ist das. Wir können es uns nicht leisten, sie zu vernachlässigen – so wenig wie wir die Erde vernachlässigen dürfen, die uns alle hervorbringt und am Leben weltohneuns erhält. Die Erde könnte ohne uns sein, aber wir nicht ohne die sie.“

Unsere herangezüchteten Nutztiere gingen wohl unter oder müssten sich im weiteren Verlauf der Evolution genetisch an die neue Situation anpassen. Selbst Ratten und Küchenschaben sind so von den Menschen abhängig, dass sie dem Untergang preisgegeben sind. Einzig die Hauskatze, jetzt noch schnurrend im Sessel liegend, profitierte von ihren seit tausenden Jahren unveränderten Genen und bediente sich auf dem immer reichhaltiger werdenden Buffet.

Zu kämpfen hätte die Erde nur mit unseren neueren Errungenschaften, dem Kunststoff sowie der Strahlung aus den langsam zerfallenden Kernkraftwerken und den irgendwann verrotteten Atomwaffen.

Alan Weisman schreibt dabei nicht oberlehrerhaft oder verliert sich in wissenschaftlichen Formulierungen, sein Buch ist leicht verständlich und von der Ersten bis zur letzten Seite informativ und lesenswert.

„Die Natur führt einen fortwährenden Kleinkrieg gegen seine Brücken. Die Waffen und Truppen dieses Gegners nehmen sich lächerlich winzig neben dem stahlbewehrten Giganten aus, doch es wäre ein fataler Fehler, den unablässig herabregnenden Vogelkot gering zu schätzen, der Pflanzensamen enthält und gleichzeitig den Farbanstrich auflöst. Del Tufo kämpft gegen einen primitiven, aber unermüdlichen Feind, dessen Stärke vor allem in seiner Fähigkeit liegt, seinen Gegner zu überdauern. Daher hat Del Tufo sich längst damit abgefunden, dass die Natur am Ende gewinnen muss.“

Und hier der Klappentext: Angenommen, die Menschheit verschwindet von einem Tag auf den anderen von unserem Planeten: Welche Spuren hinterlassen wir auf der Erde? Alan Weisman beschreibt, wie die Welt ohne uns der Auflösung anheimfällt, wie unsere Rohrleitungen zu einem Gebirge reinsten Eisens korrodieren, warum einige Bauwerke und Kirchen womöglich als letzte Überreste von Menschenhand stehen bleiben, wie Ratten und Schaben ohne uns zu kämpfen haben und dass Plastik und Radiowellen unsere langlebigsten Geschenke an den Planeten sein werden. Schon ein Jahr nach unserem Verschwinden werden Millionen Vögel mehr leben, weil die Warnlichter unserer Flughäfen erloschen sind. In 20 Jahren werden die großen Avenues in Manhattan zu Flüssen geworden sein. Unsere Häuser halten 50, vielleicht 100 Jahre. Großstädte in der Nähe von Flussdeltas, wie Hamburg, werden in 300 Jahren fortgewaschen. Und nach 500 Jahren wächst Urwald über unsere Stadtviertel.

Links: http://www.worldwithoutus.com/index2.html

Lehrreiches Fernsehen

Vorhin sah ich einen Bericht der ARD über die Ostsee. Einerseits hat es mich interessiert, ob nicht das Prielkrokodil mittlerweile einen Weg von seiner Heimat Nordsee zu dem östlichen Nachbarmeer gefunden hat, andererseits erhoffte ich mir Bilder meines langjährigen Urlaubsdomizils – dem Strand von Usedom, speziell der des Ortes Zinnowitz . Das Prielkrokodil habe ich nicht gesehen. Dafür konnte ich erfahren, dass der Steinbutt nicht von Beginn seines Lebens platt durchs Wasser schwimmt, sondern erst später umkippt.

Mir ist zum K…..!

Riesige Schlagzeilen in verschiedenen Tageszeitungen: „Eva Herman beim NDR gefeuert“. Gut, über ihre Äußerungen kann man streiten. Doch gehört das wohl zur künstlerischen Meinungsfreiheit.

Doch wo bleiben die großen Aufmacher: „Über 200.000 gesunde Enten ermordet!“ Den meisten nur eine kleine Randnotiz wert.

Nein, die Geflügelhöfe hatten keinen einzigen Fall mit Vogelgrippe, alles nur vorsorglich. In zwei bayerischen Zuchtbetrieben sind einmal 25.000 und 180.000 Tiere „gekeult“ worden. Pro Stunde ZEHNTAUSEND notgeschlachtete Enten. Ein guter Schnitt. Montagabend fertig. Zwei Elektroschockanlagen, eine Vergasungsanlage, und das grausige Werk ist vollbracht. Nur, weil die Betriebe mit anderen Zuchtanlagen Kontakt hatten.

Ich kenne jemand, der jemand kennt, welcher MRSA-positiv ist (Irgend so ein bisschen Bakterien, bei Kontakt ist Schutzkleidung erforderlich). Werden wir jetzt gekeult? Muss ich meines Lebens fürchten? Und was ist mit all den Leuten, die ich kenne? Wird die ganze Stadt hier ausgerottet, vorsorglich, als Schutzmaßnahme?

Aber was sind schon zweihunderttausend Enten wert. Bisschen Verlust für die Firma, Versicherungssumme kassiert – kann man sich dagegen versichern? – und neue Entenküken gekauft. Und das Spiel beginnt von vorn. Wie der Titel schon sagt: Mir ist zum Kotzen!


Wir sind dann mal weg – oder Die Welt ohne uns

Diesen Satz werden die sächsischen Schwäne wohl sagen, um schnellstens dem Freistaat zu entfliegen. Oder sagen wir dann: Ihr seid dann mal weg.

Ein Rassegeflügelzuchtverband fragte beim zuständigen Ministerium an, wild lebende Schwäne abschießen zu dürfen. Vorsorglich, da die Wildvögel ja den Vogelgrippevirus verbreiten. Die dunklen Zeiten, in denen Tiere nur so gejagt wurden, weil sie eine Gefährdung darstellten, wähnte ich vorbei. Doch dem ist wohl nicht so.

Besser wäre es, den umgekehrten Fall zu betrachten. Die Menschen verschwänden, aus welchen Gründen auch immer, von der Erde. Diesem Thema hat sich jetzt der amerikanische Wissenschaftsautor Alan Weisman gewidmet. In seinem Buch „Die Welt ohne uns“ spielt er das Szenario durch, wenn wir uns alle von Mutter Erde verabschieden würden. Es wäre gar nicht so schlimm. Die Natur regenerierte sich schneller als gedacht. Allein die von uns produzierten und in Umlauf gebrachten Gifte überdauerten noch einige hunderttausend Jahre, ehe sie abgebaut sind. Ein Artikel in der „Welt“ ließ mich dieses Buch entdecken.

Links: http://www.worldwithoutus.com/index2.html

http://www.welt.de/wissenschaft/article1110033/Wenn_der_Mensch_auf_einmal_weg_waere….html

http://www.libri.de/shop/action/productDetails/6566150/alan_weisman_die_welt_ohne_uns_3492051324.html

Noch´n Gedicht

Ein Gedicht von Frank Wedekind.

Der Zoologe von Berlin

Hört ihr Kinder, wie es jüngst ergangen

Einem Zoologen in Berlin!

Plötzlich führt ein Schutzmann ihn gefangen

Vor den Untersuchungsrichter hin.

Dieser tritt ihm kräftig auf die Zehen,

Nimmt ihn hochnotpeinlich ins Gebet

Und empfiehlt ihm, schlankweg zu gestehen,

Daß beleidigt er die Majestät.

Dieser sprach: »Herr Richter, ungeheuer

Ist die Schuld, die man mir unterlegt;

Denn daß eine Kuh ein Wiederkäuer,

Hat noch nirgends Ärgernis erregt.

Soweit ist die Wissenschaft gediehen,

Daß es längst in Kinderbüchern steht.

Wenn Sie das auf Majestät beziehen,

Dann beleidigen Sie die Majestät!

Vor der Majestät, das kann ich schwören,

Hegt ich stets den schuldigsten Respekt;

Ja, es freut mich oft sogar zu hören,

Wenn man den Beleidiger entdeckt;

Denn dann wird die Majestät erst sehen,

Ob sie majestätisch nach Gebühr.

Deshalb ist ein Mops, das bleibt bestehen,

Zweifelsohne doch ein Säugetier.

Ebenso hab vor den Staatsgewalten

Ich mich vorschriftsmäßig stets geduckt,

Auf Kommando oft das Maul gehalten

Und vor Anarchisten ausgespuckt.

Auch wo Spitzel horchen in Vereinen,

Sprach ich immer harmlos wie ein Kind.

Aber deshalb kann ich von den Schweinen

Doch nicht sagen, daß es Menschen sind.

Viel Respekt hab ich vor dir, o Richter,

Unbegrenzten menschlichen Respekt!

Läßt du doch die ärgsten Bösewichter

In Berlin gewöhnlich unentdeckt.

Doch wenn hochzurufen ich mich sehne

Von dem Schwarzwald bis nach Kiautschau,

Bleibt deshalb gestreift nicht die Hyäne?

Nicht ein schönes Federvieh der Pfau?«

Also war das Wort des Zoologen,

Doch dann sprach der hohe Staatsanwalt;

Und nachdem man alles wohl erwogen,

Ward der Mann zu einem Jahr verknallt.

Deshalb vor Zoologie-Studieren

Hüte sich ein jeder, wenn er jung;

Denn es schlummert in den meisten Tieren

Eine Majestätsbeleidigung.

 

Frank Wedekind: Die vier Jahreszeiten.