Winter

  

Seit fast einer Woche Schneefall der erste Sonnenschein. Der nächste Flockenwirbel soll erst Freitag wieder vom Himmel herabfallen. Melden die Meteorologen, welche sich in letzter Zeit nie irrten.

Konnte ich noch vor gut anderthalb Wochen – während einer kurzen Tauperiode (die war Cancún und der 2-Grad-Marke geschuldet) – eine Amsel beim Bade in einer Wasserlache beobachten, so ist jetzt die Landschaft in einem Schneemeer versunken. Selbst die EichelhäherPC280010 (im Bild vergreift er sich an einem Meisenknödel) nehmen das Futterangebot auf der Terrasse wahr und teilen mit den anderen Vögeln. Die Straßenbahnen haben schon kapituliert und blieben im Depot. Vereinzelt noch Busse auf den Straßen, welche aber nicht mehr jede Haltestelle bedienen; zu groß sind die Höhenunterschiede, die es zu überwinden gilt, will man vom Bürgersteig auf die Straße treten. Ein Heizkraftwerk bekam anscheinend die falschen Geschenke und meldete sich kurzerhand in die Weihnachtsferien ab – ein Stadtteil ohne Heizung, zumindest für einen dreiviertel Tag. Die Schneeschippen sind längst ausverkauft, eventuell Ende dieser Woche wird mit Nachschub gerechnet. Vereinzelt gibt es noch Restexemplare zu Wucherpreisen, wie an einem Imbiss: Der Inhaber verkauft das Stück zu zwanzig Euro. Aber vielleicht sind es ja Designerschippen, die den Aufpreis rechtfertigen.

Nachteilig wirkt sich das Wetter auch auf das Miteinander aus, da der Jahreswechsel ansteht. Wünscht man seinem Gegenüber den obligatorischen Gruß „Guten Rutsch“, bekommt man kein freundliches Lächeln und ein „Gleichfalls“ zurück, sondern Beschimpfungen und böse Blicke.

Also wünsche ich euch einen schönen Übergang ins neue Jahr.

Puschlozzi

Ich gebe zu, ein recht sonderbarer Name. Doch was steckt dahinter: Die geballte Kraft des aus der Schweiz stammenden Pädagogen Pestalozzi und des russischen Dichters Puschkin, vereint im gemeinsamen Namen Puschlozzi. Doch will diesen Namen niemand tragen. Die Namensstreiter stehen sich unversöhnlich gegenüber in dem seit zwei Jahren schwelenden Streits.

Der Lehrkörper nebst den Schülern der Puschkinschule wechselte zu Schuljahresbeginn 2006 in das leer stehende, mittlerweile sanierte, Gebäude der Pestalozzischule. Die Schulkonferenz überließ die Namenswahl weitgehend den Schülern, welche – erwartungsgemäß – ihren alten Namen behalten wollten. Diese Entscheidung rief nun die Bevölkerung auf den Plan, welche den Namen Pestalozzischule mit dem Gebäude verbanden. Jetzt ist der Stadtrat an der Reihe, welcher gestern ein Machtwort sprach und den Querelen (hoffentlich) ein Ende bereitete. Eine öffentliche Diskussion im Vorfeld hätte bestimmt einem Streit aus dem Weg gehen können, aber wie die Stadtoberen so sind …

Das mit Spannung erwartete, (salomonische) Urteil: Die Puschkinschule soll in Pestalozzischule umbenannt werden. Recht so, ihr Stadträte. Das hättet Ihr schon vor zwei Jahren haben können.

Schnee-Export in die Schweiz

Wie mir mehrere Webcams bestätigten, gibt es hier gerade mehr Schnee als in Basel, einer Stadt in der sonst so schneesicheren Schweiz. PC120007Da lasse ich mich nicht lumpen und sende auf diesem Weg ein paar schon zur Erde gefallene Schneeflocken meinen lieben Lesern bei den Eidgenossen. Bei diesen Bildern muss doch das Mannelwecken endlich gelingen! 004

Aufgenommen heute vormittag, Blick aus dem Arbeitszimmer.

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Schloss Osterstein

Seit dem letzten Freitag beginnt für unser Stadtschloss ein neues Kapitel in seiner langjährigen und wechselvollen Geschichte; als Seniorenwohnanlage.

Der Schandfleck mitten in der Stadt ist endgültig Vergangenheit. Die vom Einsturz bedrohte Ruine image verwandelte sich in den letzten 2 Jahren zu einem prächtig sanierten Renaissanceschloss, welches am Freitag den Schlossherren übergeben wurde. Betreiber der Anlage ist die Senioren- und Seniorenpflegeheim gGmbH Zwickau, welche schon mehrere Häuser hier unterhält sowie ein Pflegeleitzentrum für Menschen im Wachkoma.

Am Wochenende war für die, die noch keine Ambitionen hegen in ein Seniorenheim zu ziehen, ein Tag der offenen Tür. Also stellte ich mich auch in die Schlange, um einmal ein Blick in das „Bewohnerzimmer der Zukunft“ zu werfen. Platz für Bücher und ein Internetanschluss war da. Beruhigend. Und um sich schon mal langsam einzugewöhnen, oder um die Senioren nicht abgeschieden leben zu lassen, gibt es noch einen historischen Weinkeller (leider noch im Bau) sowie Schlosshoffeste und Veranstaltungen wie Buchlesungen in der Hofstube.

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Der Papierkrieg

Bei jedem Klingeln an der Haustür zucke ich zusammen. Sind sie jetzt da? Muss ich mich nun verantworten für mein frevlerisches Tun? Doch was habe ich getan, um ein derart schlechtes Gewissen zu haben?

Ich verstecke alte Zeitungen. Ich führe sie nicht der schadlosen Verwertung durch ein städtisches Entsorgungsunternehmen zu.

Vor einigen Wochen erbot sich eine Recyclingfirma, vor den Häusern blaue Tonnen aufzustellen, um uns, der Bevölkerung, den Weg zu den Papiercontainern zu ersparen. Da wir Mieter in einem Mehrfamilienhaus sind, kam das sowieso nicht in Betracht. Doch einige Hausbesitzer bestellten solch eine Tonne. Das wiederum rief die Stadtoberen auf den Plan. Man mache sich strafbar, Papier in diesen Tonnen zu entsorgen, da diese Firma nicht anerkannt wäre, so der Kommentar unseres Umweltbürgermeisters. Beantragt hatte dieses Unternehmen dies alles schon im letzten Jahr, doch die Ratsmühlen mahlen etwas langsam. Und meinen Augen traute ich kaum, die ganze Stadt wimmelte plötzlich voll blauer Tonnen, als verfolgten sie mich. Die Stadt ließ in einer Nacht-und-Nebel-Aktion vor jedem Grundstück Papiertonnen aufstellen, ausgeteilt durch das Entsorgungsunternehmen der Gemeinde. Geht es da um Geld, liebe Stadtoberhäupter?

Manchmal schmeiße ich die Zeitungen aber weder in die eine, noch in eine andere Tonne, sondern lege damit bestimmte Schränke aus oder hefte mal einen Artikel ab. Schließlich bezahlte ich die Zeitung beim Kauf und sie ging damit in mein Eigentum über. Oder wurde sie mir nur überlassen, zu lesen die journalistischen Beiträge und das Papier gehört der Stadt. Bin ich jetzt ein Verbrecher, ein Papierdieb? Ich werde weiterhin das Possenspiel der Papiertonnen verfolgen. In meiner Tageszeitung, welche täglich im Briefkasten liegt. Und an bestimmten Tagen werde ich sie wieder verstecken.

Milchpreis

Die von mir geschätzte Frau Flocke von Krötengrün möchte sich auf ihren Balkon eine Kuh stellen, sie findet nur in ihrer Heimat Berlin keine. Ich habe da was für Sie. Robert Lembke hätte gefragt: „Welches Schweinderl hättens denn gern?“ Ich frage, sind diese Kühe nicht einen klein wenig erhöhten Milchpreis wert?

Aufgenommen leider nur mit dem Mobiltelefon auf dem Weg zur Arbeit, Zwickau-NiederhohndorfKuhherde

Spaziergang

Aus dem Vorsatz, nur mal kurz zum Briefkasten zu gehen, ist dann doch eine etwas größere Runde geworden. Einmal rund um den Schwanenteich. Nach den ersten hundert Metern habe ich mich geärgert, den Fotoapparat nicht dabeizuhaben. Aber wer nimmt den schon mit, wenn man nur mal einen Brief einwerfen will?! Dennoch veröffentliche ich ein Bild, aber nur mit dem Handy geknipst: der Zwickauer Schwanenteich.Schwanenteich

Der Zirkus ist da!

Als Kinder, um nicht das Wort „früher“ zu schreiben, waren wir immer hellauf begeistert, wenn ein Zirkus hier sein Zelt aufbaute. Wir konnten es kaum erwarten, die ständig Späße machenden Clowns zu sehen, Artisten schwebend in der Zirkuskuppel und natürlich die Raubtiere. Heute denke ich darüber anders. Namentlich die Tiere, welche dann herausgeputzt im Kreise rennen oder durch Reifen springende Großkatzen. Den restlichen Tagesablauf gucken sie dann traurig durchs Gitter. Wer trotzdem hingehen will, bis Sonntag gastiert der Zirkus Probst noch in Zwickau.

Zirkus Probst

Zirkus Probst auf dem Platz der Völkerfreundschaft in Zwickau.