Ruhelos

Warum müssen wir uns ständig bewegen, haben Angst vor der Pause? Ist das die in uns eingemeißelte Doktrin „Stillstand bedeutet Rückschritt“? Im öffentlichen Leben mag ich das ja teilweise akzeptieren, doch holen wir doch lieber ein wenig Ruhe ins Private zurück. Beobachte man nur einmal die Imbissstände. Fast niemand verweilt noch an den aufgestellten Tischen, ausgenommen den Spatzen, in der Hoffnung auf die mildtätige Kundschaft, welche dann und wann einen Brocken hinschmeißt. In einer Hand die Bratwurstsemmel (nein, die Vögel kriegen nix, finden doch jetzt genug zum Picken), mit der anderen den vollgepackten Einkaufswagen mal mehr oder weniger sicher zum Auto dirigieren. Diese Betrachtungen mache ich nun schon länger, doch setzten mich kürzliche Ereignisse sehr in Erstaunen.

Der kleine, typische Bäckerladen um die Ecke, bisher ein Ort nostalgischer Kindheitserinnerungen, mit Weidenkörben für die Semmeln (auch Brötchen genannt) und den großen Backblechen mit Kuchen im Ladenregal, wandelt sich zur Moderne. Nicht der Verkaufsraum wird renoviert, auch bleibt das Angebot so bestehen, ein kleines Pappschild, eine Kuchenunterlage, kündigt den Umschwung an. Hochkant steht sie auf dem Ladentisch, mit blauem Filzstift stehen handschriftlich die Worte: „Neu – Coffee To Go“! Daneben steht dann ein Pappbecher, welcher das Getränk auffangen soll. Ich muss also nicht mehr gemütlich am Frühstückstisch sitzen, sondern kann gleich auf dem Nachhauseweg vom Bäcker eine Semmel essen und dazu den Kaffee trinken. Natürlich können die Gedanken dahin gehen, einer größeren Zielgruppe gerecht zu werden. Vorbeikommende Arbeiter vielleicht. Früher hatten die sich ja ihren Kaffee in der  Thermoskanne mitgenommen. Ist das eine Analogie Laufkundschaft = Coffee to Go?

Und weil mich dieser Kulturschock so schwer traf, legt ein Buchverlag noch nach. Hieß es früher Taschenbuch, auch diese sind bald noch zu groß für eine  Jacken-oder Hosentasche, oder man las gleich die farbigen von Reclam, die passten wirklich überall hinein, so kreierte jetzt der dtv die Reihe Books to Go. Müßig, über die Naimagemen zu sinnieren. Ein Taschenbuch verweilt so lange in dem namensgebenden Behältnis, bis der Mensch die Zeit für eine Pause gekommen sieht, sich hinsetzt, sei es beim Bäcker, auf Arbeit, im Zug oder wo auch immer, und liest. So suggeriert mir der Name der neuen Reihe, diese Heftchen, Bücher sind es ja eher nicht, müsse ich in ständiger Bewegung lesen. To go eben. Ja, ich weiß, to go ist auch eine Redewendung für zum mitnehmen. Doch irgendwann ist der Kaffee imimage Pappbecher kalt, wenn ich ihn nur mitnehme und nicht doch unterwegs schon trinke, also doch in der Bewegung, im Vorwärtsdrang. Und so nennt der dtv-Verlag seine  Heftchen denn auch Lese-Snacks für unterwegs. Sind nicht in der Anfangszeit der Mobiltelefone die Leute gegen Laternenmasten gelaufen, weil sie gleichzeitig Kurzmitteilungen lasen oder verschickten und nicht mehr beim Gehen nach vorn schauten? Folgt nun eine neue Welle mit Beulen am Kopf, weil man, Kaffee schlürfend lesend, die nächste Straßenlampe übersieht? Ich habe mein Book to go zu Hause gelesen. Auf dem Sofa (ganz wohl war mir bei dieser Zweckentfremdung doch nicht, habe die Rollos runtergezogen, dass es niemand sieht). Und weil es so schön war, gleich noch ein Gelbes hinterher.

Abgehobenes Erfrischungsgetränk

Einige Bundesländer verbieten das Colagetränk der Marke, nach deren Genuss man, engelgleich, Schwingen verliehen bekommt. Nun wird diese Cola aber nicht auf Grund des zugesetzen – schädlichen – Zuckers aus den Regalen verbannt, nein, es fanden sich minimale, unschädliche Spuren von Kokain in dem Getränk. Demzufolge ist es jetzt kein Lebensmittel mehr, sondern wird als Betäubungsmittel deklariert. Was ist nun dieses Mittel, mit deren Hilfe man sich betäubt? Eine Mischung aus Ackerminze, Senfsamen, Vanille, Ingwer und anderen Zutaten, dazu noch ein wenig dekokainierter Kokaextrakt. Die Füllmenge der Büchse beträgt 0,25 l. Ich stelle mir nun vor, innerhalb von zwei, oder sagen wir besser drei Stunden, 3 Büchsen zu trinken. Also einen dreiviertel Liter Cola über die angenommene Zeit. Danach erledigte ich dann Rechenaufgaben oder anderes, um den Dämmerzustand festzustellen. Anderntags wiederholt man das Experiment mit gleichen Vorgaben, nur nehme man diesmal, ohne mit der Cola zu vermischen, eine Flasche Wodka. Ohne einen Arzt oder Lebensmittelchemiker zu bemühen, kann ich das Ergebnis vorhersagen. Doch lassen wir diese Experimente, überlassen das weitreichende Thema den Experten. Ich werde versuchen, mit ebendieser Cola, meine Mohnpflanzen zu düngen. Vielleicht bringt das ja etwas Schwung.

Na denn, Prost!

Verschlusssache

Ein Artikel in der Freitagsausgabe unserer Tageszeitung ließ mich wachsam werden und lud mich zum Recherchieren ein. Und beim nachmittäglichen Einkauf zahlte es sich aus.

Durch den Bericht erfuhr ich, dass immer mehr Weingüter ihre Flaschen mit Schraubverschluss ausstatten. Dargelegt wurden die verschiedenen Typen von Weinverschlüssen, angefangen mit dem herkömmlichen Korkeichenverschluss über das Pendant aus Kunststoff, dann der Schraubverschluss und schließlich noch ein Glasstopfen, der „VinoLok“, welchen ich aber bisher noch nie sah, respektive entfernen durfte.

Bemerkenswert ist, selbst im Segment der Premiumweine ist der normale Korken nur noch mit gut sechzig Prozent vertreten. Geschuldet wird dies dem Geschmack, wir müssen dann nicht immer rufen „Herr Ober, der Wein schmeckt nach Kork“. Allein die Nobelweine werden noch zu über 80 % „entkorkt“. Ein Grund dafür ist wohl die Lagerung, über andere Verschlüsse mit längerer Liegezeit ist noch nicht viel bekannt. Als Vorreiter alternativer Verschlussmethoden sehe ich den Frankenwein in der traditionellen Bocksbeutelform. Hier sind schon bei den einfachen Weinen drei Viertel der abgefüllten Flaschen alternativ verschlossen, die besseren Weine zur Hälfte. Einen Schraubbocksbeutel öffnete ich schon mal, vor einiger Zeit erstand ich mal eine Viertelliterprobierflasche eines fränkischen Rotweines, die normale Größe war dann auch normal verschlossen.

Nach dieser Recherche und dem Zeitungsartikel stelle ich mich heute als Testperson zur Verfügung. Ich kaufte einen 6 €-Wein mit Schraubverschluss. Gut, ich weiß, für sechs Euro bekommt man keinen Premiumwein, aber es ist ja nur zu Testzwecken. Was soll ich sagen – er schmeckt!

Welchen Verschluss bevorzugt ihr; braucht ihr das Geräusch eines herausrutschenden Korkens oder schraubt ihr auch?

Einkaufsbummel

Ich tat es wieder, ich las die großformatigen Reklameanzeigen der örtlichen Einkaufsmärkte. Und würde fündig.

„Das Kilo für 5 €!“ Gleich nach der Arbeit, so nahm ich es mir vor, wollte ich das Superschnäppchen erwerben. Schleppend, die Zeit wie angestemmt, verlief der Tag. An nichts konnte ich denken, außer an meinen bevorstehenden Einkauf. Der Feierabend kam, rein ins Auto und voller Vorfreude Richtung Supermarkt. Die linke Hand zuckte ein wenig, wollte den Blinkerhebel bedienen. Das Gehirn meldete sich: „Hier rechts abbiegen und in vier Minuten bist du zu Hause.“ Doch ich blieb stark. Fuhr ungehemmt weiter. Nun ist es kein Leichtes, auch in einer 96.000 Einwohner zählenden Stadt nicht, vom Ortseingang bis fast ans andere Ende der Stadt zu fahren. Wer mag nicht den Berufsverkehr, sich langsam vorwärtsquälende Blechwürmer, Baustellen und, immer auf Rot schaltende Ampeln, wenn man sich denn ihnen nähert. Auch diese Odyssee brachte ich hinter mich.

Und nun stand ich da; vor längerer Zeit habe ich bei ähnlicher Gelegenheit drei Bücher für neun Euro bekommen. Heute bekam man ein Kilo Bücher für fünf Euro. Ich sah mich schon mit vier, fünf Kilo in der Einkaufstasche den Heimweg antreten. Langsam trete ich an die überquellenden Körbe heran, mir das Beste herauszusuchen. Doch was ist das. Kochbücher über Kochbücher, Lebensratgeber wetteifern mit Fitnessbroschüren, wer den meisten Platz einnimmt. Dazwischen inhaltslose Kinderbücher, einige Romane, welche doch niemand lesen will. Nach halbstündiger Suche fuhr ich, mit leerem Beutel, wieder ans andere Ende der Stadt. Ich liebe Schnäppchenjagd!

Das passende Sakko zum Kaffee

Ein Kaffeeröster, welcher bundesweit Filialen besitzt betreibt, möchte jetzt in seinen Verkaufsstellen Umkleidekabinen installieren. Ja wozu, frag ich mich da. Muss ich mich dann für bestimmte Sorten verkleiden? FairTrade Bohnen in zerschlissenen Jeans, die Besten dann nur im Anzug?

Ein miauendes Geschenk

Die Bäume haben ihre Blätterpracht abgeworfen, auf den Fußsteigen raschelt es beim Gehen durch das bunt gefärbte Laub. Die Dekorationen der Innenstädte verändern ihr Bild, bald hört man wieder Weihnachtslieder in den Kaufhäusern. Das Jahr geht langsam zur Neige. Die Deutschen wollen wieder mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben. Und wie jedes Jahr liegen und hoppeln unter den festlich geschmückten Tannenbäumen etliche Kaninchen, Hamster, Katzen und andere Lebewesen aus den Zoohandlungen. Bis die lieben Kinderlein der Tiere überdrüssig werden. Aber es kommt ja wieder ein Weihnachtsfest, oder Ostern. Da wird ein neuer Versuch gestartet. Die Verantwortung für ein Haustier will gut überlegt sein. Über Jahre hinweg.

Keine lebenden Tiere zu WeihnachtenDazu auch ein gleichartiger Artikel bei Krötengrün. Und eine Aktion von www.keinetierezuweihnachten.de.ki, an der ich mich auch beteilige. Bitte besucht die Seite, nehmt auch an der diesjährigen Aktion teil, und vielleicht ersparen wir dadurch wenigstens einem kleinen Teil der Tiere ein Schicksal im Tierheim.

Ein neuer Butterberg

Auf meinem Weg zur Arbeit musste ich kurz an einem Supermarkt anhalten, um noch eine Kleinigkeit zu besorgen. Dabei fiel mein Blick auch auf das Regal mit der Butter. Meine Vermutung, welche mir beim samstäglichen Wochenendeinkauf kam, hat sich bestätigt. Die normale Butter kostet jetzt genauso viel wie eine bekannte irische Butter. Und die Leute langen kräftig zu. Die Kartons der Butter aus Irland werden auf einmal viel schneller leer als die anderen Buttersorten. Wenn das anhält, haben wir bald wieder einen neuen Butterberg, der dann von uns mitsubventioniert wird.

Kauft wieder deutsche Butter! So wie Herr Schmidt „Ja zu deutschem Wasser sagt“.

Und wieder ein neues Buch

Neuer Samstag – neues Buch. Als ich vorgestern mal kurz in der Innenstadt war, nur um etwas zu erledigen, zog mich dieser Buchladenmagnet einfach in das Geschäft hinein. Protestiert habe ich, sehr sogar. Und mich beschwert (mit eben jenem neuen Buch). Es half aber alles nichts. Ich muss dazusagen, der Ort meiner Beschwerde war bestimmt nicht ganz der richtige. Aber die Eingangstür versprach mir, beim nächsten mal, sich wie von Geisterhand zu öffnen. Derzeit lese ich gern Erzählungen, und im Regal unter Z fiel mir das Buch „Meistererzählungen“ von Stefan Zweig in die Hände. Als Sonderausgabe für nur zehn Euro, sogar mit Lesebändchen. Aus dem Klappentext:

Meistererzählungen

Stefan Zweig war ein Erzähler aus Leidenschaft. Leidenschaft – das ist auch das immer wiederkehrende Thema dieser meisterhaften Erzählungen, Leidenschaft, die schleichend die ganze Existenz zersetzt bis an (und zuweilen über) die Grenze zur Zerstörung: Die erotischen Affekte im ›Amokläufer‹ und in ›Verwirrung der Gefühle‹, die Erschütterung des Zwölfjährigen, als er das ›Brennende Geheimnis‹ der Erwachsenen zu ahnen beginnt, die Leidenschaft des Sammlers, der seine ›Unsichtbare Sammlung‹ präsentiert, oder die des Spielers in der berühmten ›Schachnovelle‹, dem Höhepunkt von Zweigs Erzählkunst. In diesem Band sind die bekanntesten seiner Novellen, von denen viele prominent verfilmt wurden, gesammelt.

Ein Besuch im Buchladen.

Zuvorderst, um einmal ein Lob den Buchhändlerinnen und Buchhändlern auszusprechen, mir ist es noch nie so ergangen wie in dem nachstehenden Artikel beschrieben. In meiner Lieblingsbuchhandlung wurde ich bisher immer freundlich bedient.

Diesen Artikel habe ich letzte Woche, den genauen Tag weiß ich nicht mehr, in der „Freien Presse“ gefunden.

Buchladen