Steinpleiser Weihnachtsbackstube

Ich vermute, die Küche war gut eingeheizt, der Tisch freigeräumt von unnötigem Ballast, außer dem Adventsgesteck mit zwei leuchtenden Kerzen. Aus dem Radio leise Weihnachtsweisen. Schneeflocken klopfen leise an das Fenster, zwei Rehe inspizieren den verschneiten Garten.

Die Zutaten sorgsam bereitgelegt, kleine und große Förmchen mit den verschiedensten Motiven. Letzten Montag, dafür hatte sie extra einen Tag Urlaub genommen, buk meine Kollegin MP900400170[1]Plätzchen. Mit einem Teil davon wollten wir uns dann die restliche Arbeitswoche versüßen, zum Fünfzehnuhrkaffee, dazu ein qualmendes Räuchermännlein – noch dürfen sie im Büro rauchen, müssen nicht an die dafür vorgesehenen Inseln getragen werden.

Allein die restliche Urlaubsplanung verdarb uns die Nascherei. Ab Dienstag musste ich dann zuhause bleiben, um den Resturlaub noch abzubauen. In einer E-Mail bat ich sie dann, bis Freitag ein paar Leckereien aufzuheben, da ich diesen Tag wieder arbeiten müsse und kurz vor drei Kaffee kochen wöllte .

Doch am Mittwoch, oder war es Donnerstag, klingelte am frühen Nachmittag ein freundlicher Paketbote und brachte ein Päckchen. Empfänger: ich. Absender: Steinpleiser Weihnachtsbäckerei. DHL fährt Plätzchen aus.

Auf diese Weise ganz liebe Grüße in die Weihnachtsbackstube und vielen Dank.

Ruhelos

Warum müssen wir uns ständig bewegen, haben Angst vor der Pause? Ist das die in uns eingemeißelte Doktrin „Stillstand bedeutet Rückschritt“? Im öffentlichen Leben mag ich das ja teilweise akzeptieren, doch holen wir doch lieber ein wenig Ruhe ins Private zurück. Beobachte man nur einmal die Imbissstände. Fast niemand verweilt noch an den aufgestellten Tischen, ausgenommen den Spatzen, in der Hoffnung auf die mildtätige Kundschaft, welche dann und wann einen Brocken hinschmeißt. In einer Hand die Bratwurstsemmel (nein, die Vögel kriegen nix, finden doch jetzt genug zum Picken), mit der anderen den vollgepackten Einkaufswagen mal mehr oder weniger sicher zum Auto dirigieren. Diese Betrachtungen mache ich nun schon länger, doch setzten mich kürzliche Ereignisse sehr in Erstaunen.

Der kleine, typische Bäckerladen um die Ecke, bisher ein Ort nostalgischer Kindheitserinnerungen, mit Weidenkörben für die Semmeln (auch Brötchen genannt) und den großen Backblechen mit Kuchen im Ladenregal, wandelt sich zur Moderne. Nicht der Verkaufsraum wird renoviert, auch bleibt das Angebot so bestehen, ein kleines Pappschild, eine Kuchenunterlage, kündigt den Umschwung an. Hochkant steht sie auf dem Ladentisch, mit blauem Filzstift stehen handschriftlich die Worte: „Neu – Coffee To Go“! Daneben steht dann ein Pappbecher, welcher das Getränk auffangen soll. Ich muss also nicht mehr gemütlich am Frühstückstisch sitzen, sondern kann gleich auf dem Nachhauseweg vom Bäcker eine Semmel essen und dazu den Kaffee trinken. Natürlich können die Gedanken dahin gehen, einer größeren Zielgruppe gerecht zu werden. Vorbeikommende Arbeiter vielleicht. Früher hatten die sich ja ihren Kaffee in der  Thermoskanne mitgenommen. Ist das eine Analogie Laufkundschaft = Coffee to Go?

Und weil mich dieser Kulturschock so schwer traf, legt ein Buchverlag noch nach. Hieß es früher Taschenbuch, auch diese sind bald noch zu groß für eine  Jacken-oder Hosentasche, oder man las gleich die farbigen von Reclam, die passten wirklich überall hinein, so kreierte jetzt der dtv die Reihe Books to Go. Müßig, über die Naimagemen zu sinnieren. Ein Taschenbuch verweilt so lange in dem namensgebenden Behältnis, bis der Mensch die Zeit für eine Pause gekommen sieht, sich hinsetzt, sei es beim Bäcker, auf Arbeit, im Zug oder wo auch immer, und liest. So suggeriert mir der Name der neuen Reihe, diese Heftchen, Bücher sind es ja eher nicht, müsse ich in ständiger Bewegung lesen. To go eben. Ja, ich weiß, to go ist auch eine Redewendung für zum mitnehmen. Doch irgendwann ist der Kaffee imimage Pappbecher kalt, wenn ich ihn nur mitnehme und nicht doch unterwegs schon trinke, also doch in der Bewegung, im Vorwärtsdrang. Und so nennt der dtv-Verlag seine  Heftchen denn auch Lese-Snacks für unterwegs. Sind nicht in der Anfangszeit der Mobiltelefone die Leute gegen Laternenmasten gelaufen, weil sie gleichzeitig Kurzmitteilungen lasen oder verschickten und nicht mehr beim Gehen nach vorn schauten? Folgt nun eine neue Welle mit Beulen am Kopf, weil man, Kaffee schlürfend lesend, die nächste Straßenlampe übersieht? Ich habe mein Book to go zu Hause gelesen. Auf dem Sofa (ganz wohl war mir bei dieser Zweckentfremdung doch nicht, habe die Rollos runtergezogen, dass es niemand sieht). Und weil es so schön war, gleich noch ein Gelbes hinterher.

Fahrtrausch

Ja mei, der Herr Beckstein. Wollt er wohl seinem Spezi Wiesheu Otto einen Gefallen tun und hat vor lauter Biertrinkerei ganz vergessen, dass der ja jetzt bei der Bahn arbeitet. Oder muss er so versuchen, den potenziellen CSU-Wählern und Oktoberfestbesuchern noch zu verdeutlichen, welche Partei die wirkliche Volkspartei in Bayern ist.

Zwei Maß Bier, also zwei Liter, dann noch bisschen Autofahren, das macht doch einem gestandenen Bayern nichts aus. So wie dem Otto damals.

Der CSU-Generalsekretär hat besoffen erst mal jemand tot gefahren. 1983 war das, mit 1,75 Promille. Er ist dann zwar zurückgetreten, aber dafür wurde er ja immerhin noch Verkehrsminister. Und Kultusminister. In Bayern. Weil das da zur Kultur einfach dazugehört, das Biertrinken. Oder man bekommt das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Wie der Otto Wiesheu eben.

Da stellt sich mir die Frage, ob Herr Beckstein jetzt dem Otto nacheifern will. Dem Verdienstkreuz wegen. Weil, Ministerpräsident ist er ja schon.

Auch habe ich gehört, während der diesjährigen Wies´n werden Vignetten verteilt. Wer dann den Aufkleber mit Günther Becksteins Konterfei an die Windschutzscheibe klebt, wird nicht mehr zur Alkoholkontrolle angehalten. Mich interessierte nur noch, ob man dann die Vignetten noch sammeln kann und sich dann zwei klebt. Könnte man dann 4 Liter trinken und im Auto weiter schunkeln. Ein Prosit der Gemütlichkeit.

Verschlusssache

Ein Artikel in der Freitagsausgabe unserer Tageszeitung ließ mich wachsam werden und lud mich zum Recherchieren ein. Und beim nachmittäglichen Einkauf zahlte es sich aus.

Durch den Bericht erfuhr ich, dass immer mehr Weingüter ihre Flaschen mit Schraubverschluss ausstatten. Dargelegt wurden die verschiedenen Typen von Weinverschlüssen, angefangen mit dem herkömmlichen Korkeichenverschluss über das Pendant aus Kunststoff, dann der Schraubverschluss und schließlich noch ein Glasstopfen, der „VinoLok“, welchen ich aber bisher noch nie sah, respektive entfernen durfte.

Bemerkenswert ist, selbst im Segment der Premiumweine ist der normale Korken nur noch mit gut sechzig Prozent vertreten. Geschuldet wird dies dem Geschmack, wir müssen dann nicht immer rufen „Herr Ober, der Wein schmeckt nach Kork“. Allein die Nobelweine werden noch zu über 80 % „entkorkt“. Ein Grund dafür ist wohl die Lagerung, über andere Verschlüsse mit längerer Liegezeit ist noch nicht viel bekannt. Als Vorreiter alternativer Verschlussmethoden sehe ich den Frankenwein in der traditionellen Bocksbeutelform. Hier sind schon bei den einfachen Weinen drei Viertel der abgefüllten Flaschen alternativ verschlossen, die besseren Weine zur Hälfte. Einen Schraubbocksbeutel öffnete ich schon mal, vor einiger Zeit erstand ich mal eine Viertelliterprobierflasche eines fränkischen Rotweines, die normale Größe war dann auch normal verschlossen.

Nach dieser Recherche und dem Zeitungsartikel stelle ich mich heute als Testperson zur Verfügung. Ich kaufte einen 6 €-Wein mit Schraubverschluss. Gut, ich weiß, für sechs Euro bekommt man keinen Premiumwein, aber es ist ja nur zu Testzwecken. Was soll ich sagen – er schmeckt!

Welchen Verschluss bevorzugt ihr; braucht ihr das Geräusch eines herausrutschenden Korkens oder schraubt ihr auch?

Montagefehler

Reparatur – Schlauch abmontiert

100 Arbeiter – kontaminiert

Was haben die gedacht, kommt aus dem Schlauch heraus, wenn sie ihn abschrauben? Weinpulver? Milchkaffee?

Seien wir doch ehrlich; es war der Versuch der örtlichen Winzergenossenschaft, heimlich ihre Hänge damit zu düngen. Bei dem Versuch, es den Franzosen nach zu machen, schnitten die Südafrikaner schlechter ab. Das AKW wurde heruntergefahren, ohne dass etwas Radioaktivität austrat. Beim nächsten Mal sind sie hoffentlich schlauer. Es wäre doch jammerschade, wenn der südafrikanische Wein hinter dem französischen zurück steht. Gespannt warte ich jetzt auf weitere Meldungen aus Spanien und Australien – es sind weitere meiner bevorzugten Weinregionen.

Die Winzer um das Gebiet Tricastin werden sogar ihr Anbaugebiet umbenennen, wie der Verbandschef der Vereinigung mitteilt. Es sieht ja auch komisch aus, wenn auf dem Rückenetikett „abgefüllt im AKW“ steht. Einen neuen Namen hätte ich auch schon für den Wein: „Tricatom“.

Jetzt genieße ich noch den Rest meines spanischen Gran Reserva, welcher neben mir im Glase leuchtet.

Anderthalb Zentner

ist das Gewicht des in die Flüsse entschwundenen Urans im französischen Tricastin. Doch verstehe ich jetzt die ganze Aufregung nicht. Es bringt doch auch eine Menge Vorteile. Bekanntermaßen ist diese Region ein Weinanbaugebiet der südlichen Rhône. Da freue ich mich schon auf den Jahrgang 2008, der Rotwein kommt dann wirklich mit schönen „leuchtenden“ rubinfarben daher. Außerdem können die Winzer dadurch die Weinlese auch nachts machen. Es wäre nur von einer EU-Kommision zu klären, ob dieser Zustand ein Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Winzerkollegen ist. Falls dem so sein sollte, könnten die hessischen Weinbauern in Biblis ähnliches veranstalten. Und schon kommt ein: „Ich sage JA zu deutschem Wein“ über meine Lippen. Gekeltert aus der Rebsorte Cabernet Uran.

Doch ehe nun Skeptiker da etwas anzweifeln wollen, sage ich Ihnen, dass ich weiß, wovon ich schreibe. Vor Jahren wurden hier die radioaktiven Abfälle der Wismut unter anderem zum Straßenbau und als Füllmaterial für Waldwege verwendet. Seitdem sparen wir uns die Straßenbeleuchtung und gehen nachts Pilze sammeln.

Zug um Zug

In der Samstagszeitung musste ich lesen, der Altbundeskanzler Helmut Schmidt nebst seiner Frau wurden angezeigt. Wenn ich mich recht erinnere, war es wegen Körperverletzung oder Ähnlichem, zumindest wegen Rauchens in der Öffentlichkeit. Der Nichtraucherschutz nimmt langsam groteske Züge an. In den USA verbietet eine Stadt den Bürgern, in ihren Häusern zu rauchen. Hier wird jemand trotz Übergangsfrist angezeigt. Muss ich jetzt wohl Angst haben, eine Anzeige zu bekommen, nur weil ich nicht einsehe, mal auf meine Zigarette zu verzichten. Gut, in Straßencafés darf man rauchen. Doch belästigt man dann nicht etwa vorbei gehende Passanten, die einem dann die Nichtraucherlobby auf den Hals hetzen? Und welcher Gastronom öffnet für mich im Februar ein Straßencafé? Ich möchte den nicht rauchenden Menschen eine Belästigung nicht absprechen, in engen Kneipen oder Cafés ist es für sie bestimmt öfters eine Zumutung. Man braucht es aber auch nicht übertreiben. Irgendwann haben wir sonst eine Raucherjagd, welche an das Mittelalter und ihre „Hexen“ erinnert.

Milchpreis

Die von mir geschätzte Frau Flocke von Krötengrün möchte sich auf ihren Balkon eine Kuh stellen, sie findet nur in ihrer Heimat Berlin keine. Ich habe da was für Sie. Robert Lembke hätte gefragt: „Welches Schweinderl hättens denn gern?“ Ich frage, sind diese Kühe nicht einen klein wenig erhöhten Milchpreis wert?

Aufgenommen leider nur mit dem Mobiltelefon auf dem Weg zur Arbeit, Zwickau-NiederhohndorfKuhherde

Ein neuer Butterberg

Auf meinem Weg zur Arbeit musste ich kurz an einem Supermarkt anhalten, um noch eine Kleinigkeit zu besorgen. Dabei fiel mein Blick auch auf das Regal mit der Butter. Meine Vermutung, welche mir beim samstäglichen Wochenendeinkauf kam, hat sich bestätigt. Die normale Butter kostet jetzt genauso viel wie eine bekannte irische Butter. Und die Leute langen kräftig zu. Die Kartons der Butter aus Irland werden auf einmal viel schneller leer als die anderen Buttersorten. Wenn das anhält, haben wir bald wieder einen neuen Butterberg, der dann von uns mitsubventioniert wird.

Kauft wieder deutsche Butter! So wie Herr Schmidt „Ja zu deutschem Wasser sagt“.