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In der Samstagszeitung musste ich lesen, der Altbundeskanzler Helmut Schmidt nebst seiner Frau wurden angezeigt. Wenn ich mich recht erinnere, war es wegen Körperverletzung oder Ähnlichem, zumindest wegen Rauchens in der Öffentlichkeit. Der Nichtraucherschutz nimmt langsam groteske Züge an. In den USA verbietet eine Stadt den Bürgern, in ihren Häusern zu rauchen. Hier wird jemand trotz Übergangsfrist angezeigt. Muss ich jetzt wohl Angst haben, eine Anzeige zu bekommen, nur weil ich nicht einsehe, mal auf meine Zigarette zu verzichten. Gut, in Straßencafés darf man rauchen. Doch belästigt man dann nicht etwa vorbei gehende Passanten, die einem dann die Nichtraucherlobby auf den Hals hetzen? Und welcher Gastronom öffnet für mich im Februar ein Straßencafé? Ich möchte den nicht rauchenden Menschen eine Belästigung nicht absprechen, in engen Kneipen oder Cafés ist es für sie bestimmt öfters eine Zumutung. Man braucht es aber auch nicht übertreiben. Irgendwann haben wir sonst eine Raucherjagd, welche an das Mittelalter und ihre „Hexen“ erinnert.


Kommentare

Zug um Zug — 8 Kommentare

  1. Lieber Holger,
    ich finde es nicht okay, wenn jemand in einer öffentlichen Veranstaltung verbotenermaßen raucht.
    Das gilt auch Loki und Helmut Schmidt, die ich beide sehr schätze.
    Ich schätze die beiden auch deswegen so sehr, weil sie immer Zivilcourage und Mut gezeigt haben, und auch weil sie aufrechte Bürgerin und Bürger dieses Staates sind.
    Um so mehr finde ich es schade, dass sie für sich wohl eine Ausnahme vom Rauchverbot geltend machen. Wenn das stimmt, was so allgemein über diesen Vorfall geschrieben / berichtet wurde.
    Aber der Respekt vor diesen beiden Persönlichkeiten gebietet es auch,
    diese Anzeige als das zu behandeln, was sie ist: Nämlich ein untauglicher Versuch, an zwei verdienten Menschen ein Exempel zu statuieren.

    Übrigens die Zusammenrottung von Rauchern im gelben Quadrat an Bahnsteigen macht die Angelegenheit nicht einfacher. Belästigungspotenzial, das sich früher viel leichter verteilt hat, bekommt man jetzt hochkonzentriert ab, wenn man da vorbei muss.

    Ich glaube generell, dass das ganze keine Raucherthema ist.
    Rote Fußgängerampeln! Wen kümmern die eigentlich?
    Erheitert war ich jüngst, als ich mitten im drogengeschwängerten Rotlichtviertel (auch wenn Du’s nicht glaubst, ich muss da täglich durch, wenn ich ins Büro will) eine Polizeikontrolle dabei erwischte, wie diese wegen Fußgängerrot abkassierte. (Und nebenan fliegen die Spritzen durch die Luft…)

    LG, Ulf

  2. Verboten? Im eigenen Haus? Habe eben über den Absinth gelesen und konstruiere mir da auch meine Parallelen. Ich wußte nicht, dass er auch nach einem solchen Exempel verboten wurde. Aber wie stand das schön über die Frau, die wegen dem Schwarzbrennen verurteilt wurde: „Soll ich gleich zahlen Herr Richter, oder nächste Woche wenn sie eh vorbeikommen und sich ihre wöchentliche Ration abholen?!“

    Ich akzeptiere den Nichtraucherschutz … und ehrlich, ich dachte es würde es mir leichter machen, mal in der Gastronomie auf den Suchtstengel zu verzichten. Aber genau genommen ist es schädlicher ohne, als früher mir. Denn so oft wie jetzt – frierend vor der Tür – habe ich mich noch nie erkältet.

    LG
    Janice

  3. Die Schmidts haben sich’s ja nun versaut! Jetzt haben sie keine Vorbildfunktion mehr für unsere Jugend. Wahrscheinlich wär’s besser gewesen, sie hätten sich mit einer Tüte Pommes und Majo fotografieren lassen, dann würde man die „Volksseele“ preisen.
    Ich meine, unsereins hätte man, wären wir rauchenderweise erwischt worden, gleich aus dem Theater bugsiert… so gesehen, find‘ ich die Qualmerei der Schmidts nicht in Ordnung… andererseits find‘ ich militante Nichtraucher ätzend.
    Hach… ich weiß auch nicht… irgendwie taugt doch alles Übertriebene nicht wirklich, oder… ? Grübel….
    Aber die Amis mit ihren Todesstrafen(!), ihrem Recht auf Waffenbesitz…(!) und dann Rauchverbot im eigenen Haus(!)… an deren Gesetzen möcht‘ ich mich wirklich nicht orientieren!
    Lieben Gruß in die Runde
    Claudia

  4. Ich möchte nicht sagen, die Vorbildfunktion der Schmidts ist dahin. Es gab ja noch diese Übergangsfrist. Abgesehen von diesem einen Lapsus – und hier sollte Helmut nebst Gattin Größe zeigen – solche Veranstaltungen nicht mehr zu besuchen, sind sie wohl noch die integersten Charaktere dieser Größenordnung. Die gezwungenermaßene Zusammenrottung von Rauchern gefällt mir auch nicht. Wenn sich in einem Lokal der Qualm überall verteilt hat, in geringer Konzentration, so braucht man dann nur noch mal für eine Minute seinen Kopf in den Raucherraum stecken, die Dosis müsste reichen. Also warte ich auf besseres Wetter, um mal einen gemütlichen Kaffee in der Stadt zu trinken.
    Ach Ulf, wo wohnst und arbeitest du denn??? Wenn du täglich an Rotlichtampeln vorbeikommst.

  5. Im Winterhuder Fährhaus zu rauchen ist natürlich schon frech – obwohl es schon Sinn macht diesen Schuppen auszuräuchern (ältere Witwen sehen Peter Alexander-Musicals). Aber wurde den beiden nicht extra ein Aschenbecher hingestellt? Das Beste an der Geschichte ist jedenfalls der Kläger: die Nichtraucher-Initiative Wiesbaden! Die haben Fotos gesehen und daraufhin Anzeige erstattet. Miesmaden aus Wiesbaden!

    Kleine Geschichte zu Helmut Schmidt: Schulfreund meiner Süßen war früher Saftschubse bei Lufthansa. Eines Tages Schmidt an Bord.
    Frage: „Was möchten Sie denn trinken Herr Schmidt?“
    Antwort: „Für sie immer noch Herr Altbundeskanzler!“
    Saftschubse zum Nachbarn: „Und was waren sie von Beruf?“
    (wahre Geschichte!)
    Schön eingenordet den Mann, der sich im Gebäude der Zeit-Redaktion einen eigenen Fahrstuhl einbauen ließ, um nicht mehr täglich dem Pack begegnen zu müssen. Aber trotz allem: Vom Gefühl ist er immer noch mein Kanzler.

  6. Apropos… eigenes Büro… Holger, ich möchte Dich ja nicht in ein psychisches Tief schubsen… ist Deinem Chef bzgl. der Arbeitssituation schon was eingefallen? 😉

    Und „Saftschubsen“… da gibt’s ganz goldige: Bei einem Flug mit „Malta Airlines“ wollte der „Schubser“ so eine niedliche. ausgesüffelte Cola-Dose (ich glaub‘ 0.1 Liter/0.125 Liter) entsorgen. Ich protestierte und stotterte herum, dass ich sie zum Sammeln brauche… mein Gott, mir fiel kein englisches Wort für „Sammeln“ ein… aber irgendwann fiel der Groschen und er kramte sie wieder aus dem Abfallbehälter heraus und gab sie mir zurück. Später brachte er mir – zu meiner freudigen Überraschung – eine ganze Tüte verschiedenster ungeöffneter Minidosen… zum Sammeln!!! Vielleicht dachte er, dass bei mir ein paar Schrauben locker seien… ich fand’s einfach nur nett. 🙂

  7. Lieber Holger,
    wo ich wohne wegen der Rotlichtampeln im Rotlichtmilieu?
    Die stehen auf dem Weg zur Arbeit, zwischen Bahnhof und Büro.
    Wenn Du mal nicht weißt, wohin: Kaiser- und Taunusstraße in Ffm… 🙂
    Liebe Grüße, Ulf

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