StartseiteBücherDas Glasperlenspiel

Eigentlich wollte ich ja heute mit einer Kurzgeschichte beginnen, doch ein Artikel in der Tageszeitung zwingt mich dieses zu Schreiben. Ausschlaggebend war ein Bericht über die Fernsehsendung „Deutschland sucht den Superstar“, bei der vor kurzem jemand nach der Kritik des Herrn Bohlen umgekippt ist. Ein eigenes Urteil kann ich mir über die Reihe nicht erlauben, da ich sie noch nie gesehen habe. Aber nachdem ich den Zeitungsauschnitt gelesen habe, festigt sich doch eine gewisse Abneigung gegen die Sendung. Zu den Äußerungen eines Herrn Bohlen, einige waren beispielgebend abgedruckt, kann ich nur eines sagen. Wenn unser Kater einen anderen trifft, und der zwei Meter breite Weg nicht ausreicht aneinander vorbei zu gehen, hört sich das Konzert der Kater für mich besser an als die Töne gestander Musiker. Soviel zu Dieter Bohlen.

Erwähnt hat die Zeitung noch eine „FSF“, eine Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen. Nun, würde die Gesellschaft ihre Arbeit ernst nehmen, gäbe es die Superstarsuche wohl nicht. Abgesehen von all den anderen Shows, welche unsere Gehirne weich spülen sollen. image

Doch jetzt zur Hauptsache. Vor einiger Zeit las ich Hermann Hesses „Glasperlenspiel“, ein Vergleich zur heutigen Fernsehmentalität drängt sich mir geradezu auf. Hesse beschreibt in dem Buch die Provinz Kastalien, hier wird das Prinzip des lebenslangen Lernens praktiziert, als Gegenpol zu der „feuilletonistischen“ Zeit außerhalb der gelehrten Mauern. Insofern ist Hesses Meisterwerk aktueller denn je. Schauen wir uns oben genannte Sendungen an, bilden wir die Inhalte ab auf einer bei vielen Anlässen bemühten Studie aus einer Stadt mit dem schiefen Turm, so sind wir mitten in den Gedanken des Schriftstellers über die Gesellschaft. Ach, wünschte ich mir mehr solcher Kastaliens in unserer Welt, änderte sich dann auch das Verhältniss zu mehr Bildung und mehr Niveau bei den Fernsehsendern, wenn nicht alles nur der Quote geschuldet wäre.

 

Hier noch paar Sätze vom Verlag: Das Glasperlenspiel. Versuch einer Lebensbeschreibung des Magister Ludi Josef Knecht in einer einmaligen Sonderausgabe vor – Hermann Hesses letztes, sein wichtigstes und anspruchsvollstes Werk. Es ist ein Buch der Zukunft: Der Autor transportiert das Leben seines Helden Josef Knecht in das Jahr 2200. Er entwickelt mit dem Glasperlenspiel, in dem nicht weniger als das Streben nach Wahrheit auf dem Spiel steht, eine Utopie.


Kommentare

Das Glasperlenspiel — 14 Kommentare

  1. Aber Holger, ich dachte wir beide wuerden zum Casting der nächsten Staffel … Ich meine jetzt habe ich schon die zweite Stimme eingeprobt, und … Ich finde, wir machen das trotzdem! Also „When we fall in love“ zweistimmig (und mit dem Bohlen legst Du Dich an!)

  2. >>> Abgesehen von all den anderen Shows, welche unsere Gehirne weich spülen sollen.

    So sieht es aus!
    Nenne es von mir aus auch Brot und Spiele 😉

  3. Glasperlenspiel! Obwohl ich Hermann-Hesse-Anhängerin bin, „schaffte“ ich das Glasperlenspiel nicht. Es ist schon lange her, dass ich’s zu lesen versuchte… ich verstand nur Bahnhof und legte es zur Seite. Aber möglicherweise sollte ich’s nun doch mal wieder in Betracht ziehen….?!?!

    Ich kann Euch gar nicht sagen, wie wenig mich Bohlen und seine Sendung interessiert, da fehlen mir wirklich die Worte…
    aber… (und jetzt kommt’s) … wenn Ihr dann Euren Auftritt habt, sagt mir Bescheid, die Sendung würd‘ ich mir Euretwegen direkt mal antun… 🙂

  4. Hallo Ralph,
    Brot und Spiele passt auch gut. Seien wir froh, dass es nicht Zuckerbrot und Peitsche ist, dann würden wir als Showverweigerer wohl ausgepeitscht, da wir unser „Zuckerbrot“ nicht wollen.

    Liebe Claudia,
    lies es, und nochmal: Lies es! Falls du es kaufen musst, empfehle ich dir die hier im Artikel gezeigte Ausgabe. Mit drei Nachworten, u.A. von Unseld. Habe die Betrachtungen hinten zuerst gelesen und es half mir sehr beim Verstehen Hermann Hesses Glasperlenspiel.

  5. Lieber Holger,
    zur Urwaldverblödungsshows, Castingveruntstaltungen und Herrn Bohlen will ich mich gar nnicht äußern. Habe alle drei schon im Fernsehen gesehen. Beim Urwald haben mir einmalige 5 Minuten gereicht, wenn da jemand hinzappt, gibt es Stress mit mir. DSDS Staffel 1 habe ich mir angetan, trotz der widerlichen Art von D.B. Das war’s dann aber auch. Nie wieder. Und wenn der Herr Bohlen in einer Sendung erscheint, die ich schätze, dann erlebt diese Sendung an diesem Abend bei mir ihr sofortiges Ende.
    Das dazu. Zumal ich sowieso (fast) nie Fernsehen sehe. Außer Wetterkarte. Und davor die Lottozahlen. Und davor 90 Sekunden Bundesliga-Fußball.
    Dann ist aber auch Schluss.

    Hesse. Ich muss zu meiner Schande gestehen, ich bin ein Vielschreiber und Wenigleser. Bis vor wenigen Jahren ein Garnichtleser. Meine absoluten Lieblingsschriftsteller sind Brecht, Frisch, Dürrenmatt. Hesse und Kafka haben immer eine Anziehungskraft auf mich ausgeübt. Und dann habe ich es vor zwei Jahren endlich geschafft, von Kafka den „Prozess“ zu lesen und von Hesse den „Steppenwolf“.
    Und dachte nun also, jetzt „kenne“ ich Hesse. Du meinst, das „Glasperlenspiel“ müsste ich auch noch? Na gut, kommt auf meine Liste der immer noch ungelesen Bücher…

    Schöner Artikel. Danke.

    Liebe Grüße,
    Ulf

  6. Muss Holger in Schutz nehmen; das „Glasperlenspiel“ liest sich nicht so einfach, wie der Name vermuten lässt… aber Holger, Du könntest wenigstens mal ’ne Lesepause einlegen.

    Falls Dir die Ideen ausgehen: Iwan Rebroff ist verstorben… wie wär’s mit einem Nachruf, oder so? Seufz, als Kind dachte ich immer, alle Russen sähen aus wie er, und das wurde auch noch bestätigt, als ich einen Auftritt der „Donkosaken“ erleben durfte… natürlich wär‘ Iwan R. beim Kasatschok fürchterlich eingebrochen, aber mit „Kalinka“ hätte er sie niedergeschmettert.

    Na los, räum‘ die Glasperlen mal ein bißchen zur Seite…. 🙂

    Liebe Grüße
    Claudia Jo.

  7. @Claudia

    Brauchst ihn nicht in Schutz zu nehmen 😉
    Ich habe das Buch auch und blieb nach 20 Seiten irgendwie stecken.
    Gerade das Vorwort soll – so wurde es mir mitgeteilt – harte Kost sein.
    Danach soll es sich flüssiger lesen…

  8. Hi… da ging es Dir wie mir (siehe meinen Kommentar noch weiter oben). Vielleicht steckt der Holger mitten in der 23. Seite fest… ? 😉

  9. Danke für die Schreibaufmunterung! Werde nächste Woche wieder was schreiben. Versprochen. Bestimmt. Aber nicht über Iwan R. Vielleicht liegt die Schreibpause irgendwo im Kopf. Oder an einem anderen Buch. Oder hat es was mit Fidel C. zu tun. Der Maximo Leader zog sich zurück. Liegt´s an Hesses „Siddharta“, welches aufgeschlagen auf dem Tisch liegt? Am Insichgehen, an der Versenkung in sich selbst? Ich weiß es nicht.

    Aber ich lass die Glasperlen einfach rollen und schreibe wieder, sobald der unplanmäßige Zahnarztbesuch überstanden ist.

  10. Guten Morgen Holger,
    musst Dich nicht rechtfertigen 🙂 Manchmal ist es eben so, wie Du’s beschrieben hast. Vermutlich wollten wir Dich bloß ein wenig hervorlocken, um herauszufinden, ob alles in Ordnung ist.
    Janice hat doch mal so einen Wahnsinns-Zahnarztbesuch beschrieben… hast Du an ihre Geschichte bei der Wahl Deines Zahnarztes/-ärztin gedacht… grins?
    Wünsch‘ Dir eine nicht allzu nervenaufreibende Woche.
    Claudia

  11. Solange nicht der veränderte Job so schlimm ist, daß Du jeden Spaß verloren hast , ist ja alles im Rahmen. Ich persönlich lösche Links zu netten Blogs von jeher erst nach 3 3/4 Jahren.

  12. Pingback: Hermann Hesses Zweit-Lese - eine indische Dichtung

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