StartseiteAllgemeinDer Papierkrieg

Bei jedem Klingeln an der Haustür zucke ich zusammen. Sind sie jetzt da? Muss ich mich nun verantworten für mein frevlerisches Tun? Doch was habe ich getan, um ein derart schlechtes Gewissen zu haben?

Ich verstecke alte Zeitungen. Ich führe sie nicht der schadlosen Verwertung durch ein städtisches Entsorgungsunternehmen zu.

Vor einigen Wochen erbot sich eine Recyclingfirma, vor den Häusern blaue Tonnen aufzustellen, um uns, der Bevölkerung, den Weg zu den Papiercontainern zu ersparen. Da wir Mieter in einem Mehrfamilienhaus sind, kam das sowieso nicht in Betracht. Doch einige Hausbesitzer bestellten solch eine Tonne. Das wiederum rief die Stadtoberen auf den Plan. Man mache sich strafbar, Papier in diesen Tonnen zu entsorgen, da diese Firma nicht anerkannt wäre, so der Kommentar unseres Umweltbürgermeisters. Beantragt hatte dieses Unternehmen dies alles schon im letzten Jahr, doch die Ratsmühlen mahlen etwas langsam. Und meinen Augen traute ich kaum, die ganze Stadt wimmelte plötzlich voll blauer Tonnen, als verfolgten sie mich. Die Stadt ließ in einer Nacht-und-Nebel-Aktion vor jedem Grundstück Papiertonnen aufstellen, ausgeteilt durch das Entsorgungsunternehmen der Gemeinde. Geht es da um Geld, liebe Stadtoberhäupter?

Manchmal schmeiße ich die Zeitungen aber weder in die eine, noch in eine andere Tonne, sondern lege damit bestimmte Schränke aus oder hefte mal einen Artikel ab. Schließlich bezahlte ich die Zeitung beim Kauf und sie ging damit in mein Eigentum über. Oder wurde sie mir nur überlassen, zu lesen die journalistischen Beiträge und das Papier gehört der Stadt. Bin ich jetzt ein Verbrecher, ein Papierdieb? Ich werde weiterhin das Possenspiel der Papiertonnen verfolgen. In meiner Tageszeitung, welche täglich im Briefkasten liegt. Und an bestimmten Tagen werde ich sie wieder verstecken.


Kommentare

Der Papierkrieg — 12 Kommentare

  1. Zu Anfang dachte ich, du hättest Besuch von der GEZ, den Zeugen Jehovas oder sogar von den Steuerfahndern der Lichtenstein-Affäre.

    Ok, du bist also medienscheuer, pflichtbewusster Kirchengänger 😉

    Was dir auf jeden Fall gehört ist die Druckerschwärze, die du ohne weiteres abkratzen kannst, allerdings nur in geschlossenen Räumen (Feinstaub-Gefahr!).

    Wie die Rechtslage beim Papier ist, weiß ich allerdings nicht.

  2. Bewahr das Zeug bloß auf! Wenn’s kalt wird …! Diese so genannten ‚Entsorgungsmänner‘ sind meistens Schrebergartenbewohner, die billiges Heizmaterial suchen. Das ist bewiesen.

  3. Bei uns war’s auch so mit den blauen Tonnen… mittlerweile geh‘ ich zum Duschen in den Sportverein. Durch meine Wohnung bewege ich mich in einem komplizierten maulwurfgangartigen System. Vor einem halben Jahr stand ich dann vor der Entscheidung: Bett oder Dusche? Mal sehen, wie’s weitergeht…

  4. *grins* Als Bürger hat man es aber auch manchmal schwer, lieber Holger.
    Wie die Rechtslage beim Papier ist, weiß ich auch nicht. 🙂 Papier loswerden ist bei uns kein Problem, Papier behalten aber auch nicht. *smile* Dafür werden hier Mülltonnen geklaut.

    Lieben Gruß,
    Martina

  5. So hat ein jeder sein Papier zu tragen. Hierzulande wird die Sache erst einmal zu Gericht getragen, in der Hoffnung, unbeflecktes Papier in Akten zu verwandeln und danach die Tonnen beider Unternehmen zu füllen.

  6. Lieber Holger,
    ehrlich gesagt, ich hoffe nur, dass aus Papier wieder Papier hergestellt wird.
    Aber ich hab‘ den (begründeten?!?!) Verdacht, dass – wenn die Schlote der Müllverbrennungsanlagen rauchen sollen und die „Kapazität“ gerade nicht voll genutzt wird – auch Papier verbrannt wird.
    Ich will mich jedoch nicht für die Sinnlosigkeit des Mülltrennens stark machen; ich trenne auch, weil ich wünsche, dass aus Papier wieder Papier gemacht wird!

  7. Hallo Flocke,
    selbstverständlich gehört dein Papier dir. Aber erst wenn du es von der Rolle abgewickelt hast.

  8. Lieber Holger,

    ich werde doch nicht meine Zeitungen direkt vor meiner Haustür entsorgen. Geht doch niemanden an, was ich lese.

    So fahre ich in den Nachbarort, nutze die dort aufgestellten Container, um zu verschleiern, dass ich Buchstaben (Zeitungen!) und Alkohol (Glas!) süchtig bin.

    Weil, ich weiß, dass es den MGD gibt, den MüllGeheimDienst. Aber psst, darüber hat noch niemand berichtet, so geheim ist das…

    Liebe Grüße,
    Ulf

  9. Um Himmels Willen! Kontrolliert der dann auch Kreuzworträtsel, 3/4 gelöst? Glascontainer haben wir noch nicht vor´m Haus. Peinlich wäre das mir wohl auch etwas. Dafür sammeln wir die Korken in einem Tontopf. Ich hoffe nur, der Besuch zählt nicht nach!

  10. Wenn der Besuch nicht so häufig kommt, kann er ruhig zählen. Wer will wissen, ob die Korken nicht schon jahrelang herumgammeln? Schlimmer ist’s, wenn sich der Besuch in – sagen wir mal – 2-wöchentlichen Abständen anmeldet und sich die Korkenanzahl astronomisch vergrößert hat… 🙂
    Liebe Grüße
    Claudia

  11. Jetzt kommt doch die Pflanzzeit, und ein wenig Drainage in einem Topf, schon verringert sich die Zahl. Und ich habe wieder Platz für neue!

Schreibe einen Kommentar