StartseiteBücherEs kann dann mal weg

Ich bekam vor kurzem das Angebot, mir Hape Kerkelings Buch „Ich bin dann mal weg“ ausborgen zu dürfen. Und da es ja wochen- oder gar monatelang auf Platz 1 der Bestsellerlisten stand, nahm ich dann auch das Angebot an. Leider. Die ersten gut siebzig Seiten zogen sich so zäh dahin, darin eine fast vollständige Biographie von ihm, immer wieder unterbrochen vom Gejammer über seine schmerzenden Füße (trotz der original kanadischen Boots). Deswegen nahm er dann wohl auch öfter mal den Bus. Danach vielerlei Geplänkel über andere Pilger, meist aus dem deutschsprachigen Raum. Zwischenzeitlich wieder die Füße, welche bemitleidet wurden, abgelöst von der Frage, warum er keinen Kontakt zu anderen Pilgern findet. Wie auch, wenn er nach den besten Hotels sucht, aus Angst, sich in den Herbergen mit Fußpilz anzustecken. Je näher er seinem Ziel kam – es machte mir nicht den Eindruck, dass der Weg das Ziel sei – war dann auch etwas von einem Sinn der Wanderung zu spüren. Doch auch das kam dann zu kurz. Erhofft sich der Leser, etwas über das Innere, über geistige Tiefgründigkeiten zu erfahren, was wohl der Zweck und Sinn einer solchen Pilgerreise ist, sollte er sich ein anderes Buch über den Jakobsweg suchen.


Kommentare

Es kann dann mal weg — 5 Kommentare

  1. Lieber Holger,

    ich fand das Buch sehr amüsant. Ich habe allerdings das Hörbuch gehört, von Hape selbst gelesen. Ich habe es jedoch nicht mit dem Gedanken der Tiefsinnigkeit gehört, sondern eher wegen der humorvollen Seite von Hape. Bin daher auch ganz anders, eigentlich ohne große Erwartungen, da rangegangen. Für mich kam schon rüber, wie schwer ihm dieser Weg gefallen ist und dass er ihn nicht einfach mal so aus Vergnügen gegangen ist. Ja, vielleicht hätte hier und da ein wenig mehr Tiefsinn sein können, aber da ich es gar nicht erwartet hatte, konnte ich mich schon vollkommen darauf einlassen und seine Empfindungen nachspüren. Und als Hörbuch fand ich es überhaupt nicht langweilig. Vermutlich spielt seine Art, wie er es vorliest auch eine Rolle dabei.

    Liebe Grüße,
    Martina

  2. Lieber Holger,

    mein Ehemann bekam dieses Buch vor über einem Jahr von seiner Mutter geschenkt. Als er fertig damit war, meinte er, es wär nett gewesen, und er habe das prima im Zug lesen können.

    Ich dacht mir dann auch, das wär das Richtige für die Badewanne
    😉

    Dort bin ich immerhin bis Seite 20 gekommen; das war vor vielen Monaten … und das war’s dann auch. Seitdem durfte andere Lektüre mit mir baden gehen.
    🙂

    Liebe Samstagsgrüße
    von
    Sabine

  3. Ist ja erfrischend, so eine Einschätzung zu hören. Dachte mir schon, daß so ein erfolgreiches Buch nicht der Hammer sein könnte.

  4. Vielleicht waren die original kanadischen Boots noch nicht eingelaufen, als er sich auf den Weg machte? Was auch immer der Grund für die Fußprobleme war, so kann er doch froh sein, dass er sie hatte, denn offensichtlich ergaben sie ein sehr ergiebiges Thema.
    Vielleicht ist das Buch für diejenigen lesenswert, die für sich eine Pilgerwanderung in Betracht ziehen…. ich meine, sie können dann lernen, wie man’s nicht machen soll, oder so….
    Liebe Grüße
    P.S.: Du bist ja wieder richtig „en blog“, schön!

  5. Hallo ihr Lieben,
    ich freue mich, dass das Buch doch ein wenig kontrovers ausgelegt wird. Ich mochte es auch nicht zu schlecht reden oder gar zerreißen, für einen Urlaubstag am Strand mag es gehen. Es wäre ja für unseren Buchhandel schlimm, wenn wir nicht alle unseren eigenen Geschmack in Bezug auf die Lektüreauswahl hätten.
    Liebe Grüße an euch alle,
    Holger

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