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Es gibt in unserem Haushalt gewisse, ungeschriebene Gesetze, welche strikt und von jedem einzuhalten sind. Und da es im Kleinen genauso wie im Großen ist, im eigenen Heim wie in der Gesellschaft, werden diese Normen, sei es aus Unwissenheit oder doch mit Bedacht, von manchen gebrochen. Es gibt hier eine Sitzordnung, bestehend aus einem 3-Sitzer, 2-Sitzer und einem Sessel, diese sind genau aufgeteilt, auf dass jeder in der abendlichen, wohltemperierten Stube seinen Platz hat.

Nun ist in der Belegung noch ein Platz frei, der Sessel ist noch unbelegt, da das Katzentier noch einen Bummel unternahm. Nach Beendigung desselben hört man ein forderndes Schreien an der Terrassentür: „Es ist kalt, ich habe Hunger und will SOFORT herein.“ Dieser reizenden Aufforderung konnte ich natürlich nicht widerstehen, ich stand auf, ging zur Tür und bat ihn höflichst herein. Der ausgehungerte Kater betrat sein Reich, sah sich um, erblickte die bereits wiederhergestellte Ordnung in der Platzvergabe und schlich sich in die Küche, um sein Mahl einzunehmen. Nach einiger Zeit, man hörte immer nur ein lautes Schmatzen, kam er, sich noch das Mäulchen leckend, wieder ins Wohnzimmer. Ein Blick mürrisch im Kreis, stellte er sich vor den Ausgang ins Freie, sah durch die Scheibe und verlangte in seiner unnachgiebigen Art, es solle schleunigst jemand die Tür wieder aufmachen, da ein kurzer Verdauungsspaziergang angesagt sei. Und wieder war ein beflissener Dienstbote zur Stelle, der ihm diesen Wunsch erfüllen wollte. Den Türgriff hatte ich schon in der Hand, da besann sich seine Exzellenz, machte auf den Pfoten kehrt, sah mich noch kurz an, der ich immer noch den Griff haltend da stand – in seinen nach Bernstein funkelnden Augen sah ich noch ein Blitzen – und der Sessel war noch frei. Okkupierte doch dieses Raubtier „meinen“ 2-Sitzer, der mir von Rechts wegen zustand. Nach einer kurzen Beratung verkündete dann das Familiengericht das unheilvolle Urteil, welches sofort vollstreckt wurde. Nahrungsentzug für die Dauer von zehn Minuten.

Ich liebe Katzen!


Kommentare

Fehltritt — 7 Kommentare

  1. Na, da lasst Ihr Eurer Mizekatz ja ’ne Menge durchgehen. Unseren schwarzen Kater halte ich deutlich kürzer. Wenn er sich auf meinen Platz setzt, reicht ein strenger Blick. Und wenn er noch nicht lange draußen war, kommt er auch mit Klagegeheul nicht rein.
    Habe damit die deutlich besten Erfahrungen gemacht. Je laxer ich mit ihm umgehe, um so frecher und nerviger wird er.

  2. Kommt mir irgendwie bekannt vor … unser Monsterkater probiert es gelegentlich auch aus …

    Wenn keiner hinschaut, schleicht er sich in MEINE Sofaecke und rollt sich leise zusammen.

    Ich knurre dann nur ein böses „Gaaaarfield“, dann springt er beleidigt runter, geht zum Napf, frisst zwei Stückchen Trockenfutter, begibt sich anschließend auf seinen Platz und kukkt so mit diesem Was-regst-du-dich-denn-auf-Blick…

    Mit seinem Chefdosenöffner will er sichs dann doch nicht verscherzen
    😉
    Ich liebe Katzen … solange sie nicht in MEINER Ecke sitzen

  3. Lieber Holger,

    Nahrungsentzug für dich oder für den Kater? 😉

    Ja, das ist unser Schicksal: Wir sind die Dienstboten unsere geliebten Tierchen. 🙂
    Mit Katzen habe ich zwar keine Erfahrung, aber es scheint ein paar Dinge zu geben, in denen sich Hund und Katze gar nicht so sehr unterscheiden, wenn ich das hier so lese.

    Und gewisse Grenzen werden von unseren Lieblingen immer mal wieder ausgetestet. 🙂

    Lieben Gruß,
    Martina

  4. Also, ich weiß nicht, ich komme mir auch oft so vor, als sei ich nur das Personal von unserem Hündchen. Immer zu Diensten. *seufz* Ob es daran liegt, dass er wie Katzen Mäuse fängt und frisst? 😉 Immerhin legt er mir diese Dinger nicht zu Füßen. Im Gegenteil. Einmal im Maul, gibt er sie nicht wieder her. 🙂

  5. Siehst du den Unterschied. Als kleine Geste an das ihn umsorgende Personal wird die Maus abgelegt (Da wir zu dumm sind, selbst welche zu fangen). Aber dein Pepper hat dann schon kleine kätzische Züge an sich. Miaut er denn auch?

  6. Ja, schon mal. Aber er „spricht“ verschiedene Fremdsprachen. 🙂 Mal gurrt er wie eine Taube, mal quiekt er wie eine Maus, mal seufzt er wie ein Mensch usw. Und seine Pfötchen sehen manchmal wirklich katzenhaft aus. Wenn er zum Beispiel Goldfische in einem Teich entdeckt, wie er verspielt mit seinen Pfoten die Goldfische fangen möchte. Und wie er lauert und kauert, wenn sich etwas bewegt, um den richtigen Moment abzupassen… Er ist wirklich ein witziges Kerlchen. Ach ja, und die Hinterpfoten sehen aus wie Hasenläufe. 😀

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