StartseiteAllgemeinDie Platzkarten, bitte.

In Sabines Spinnrad las ich es und hielt es für einen Scherz, welcher zum Nachdenken anregen solle. Doch die Tageszeitung belehrte mich eines besseren.

Die Herren Volk von der CDU und Lindner von der FDP (käme dieser Vorstoß von der Linkspartei verstünde ich es ja eventuell), möchten die Weihnachtsgottesdienste nur für Kirchensteuerzahler mit Eintritts- respektive Platzkarten öffnen. Manchen Christen wird die Wange glühen, ist es nicht eine schallende Ohrfeige für die christlichen Werte. Prominentestes Opfer einer fehlenden Eintrittskarte war wohl Josef nebst seiner Maria. Doch im Stall war ja noch ein Platz frei. Ist ein Obdachloser, auch wenn er sich in erster Linie der beheizten Kirche wegen dort hin begibt, Gott nicht lieber als manch ein doppelzüngig redender Politiker? Oder soll dieser Vorschlag zu vor lutherischen Zeiten hinführen. Eine elitäre Gruppe kommt sowieso in den Himmel, der Rest solle seinen Zehnt bezahlen, ansonsten muss er in der Hölle darben – oder hat keinen Zutritt zur Kirche. Gut, die Gemeinde der Kirchensteuerzahler ist groß, keine kleine Gruppe, doch soll die Frohe Botschaft nicht alle Menschen erreichen? Auch diejenigen, welche nur an Heiligabend ein Gotteshaus von innen sehen.

Ich wünsche euch einen freien Platz beim Weihnachtsgottesdienst und ein besinnliches, ruhiges Fest.


Kommentare

Die Platzkarten, bitte. — 5 Kommentare

  1. Lieber Holger,

    ein Hörer hat gestern im Radio, nicht ernstgemeint, gefordert, man solle in Abhängigkeit von der Höhe der Kirchensteuer auch die Reihe bestimmen, in welcher man sitzen dürfe.

    Aber wozu die Aufregung. Früher war es in der Kirche auch üblich, dass man „seinen“ Platz hatte.

    Erst seitdem – ähnlich wie im Luftverkehr – auch bei den Kirchen das System der Überbuchung um sich gegriffen hat, müssen wir mit diesen skandalösen Zuständen leben. Es ist wie in der Bahn: voll bezahlt, aber nur Stehplatz!

    Und die Kirche könnte lernen von der Bahn: Mit der Last-Minute-Reservierung schafft es die Bahn, leere Sitzplätze ohne Ende für nichtkommenwollende Passagiere zu reservieren, im anderen Waggon stehen sich die Pendler die Füße platt.

    Wie wäre es mit Premium-Zonen?
    Zone 1: Beide zahlen Kirchensteuer, und zwar von der richtigen Kirche.
    Zone 2: Beide zahlen Kirchensteuer, sie sind allerdings ein mixed Paar (1xkatholisch, 1xevangelisch)
    Zone 3: Einer zahlt Kirchensteuer, und die Kinder sich „richtig“ getauft
    Zone 4: Einer zahlt Kirchensteuer, ansonsten ist alles ziemlich verkorkst
    Zone 5: Durch transparente Schallschutzwände abgetrennt der „Rest“.

    Wofür steht Weihnachten noch einmal?
    Wofür standen und stehen seine „Darsteller“?

    Herzliche Grüße,
    Ulf

  2. Lieber Holger,

    ja, da müsste ich wohl nach Hause gehen …

    schließlich würde ich meinen lieben zweifelnden Ehemann nicht draußen vor dem Kirchenportal warten lassen.
    Ich würde mit ihm nach Hause gehen … und aus dem Verein austreten …

    Aber zum Glück ist das für unseren Pfarrer kein Thema.

    Also
    nochmals 🙂

    Liebe Weihnachtsgrüße
    nach Zwickau
    von
    Sabine

  3. Ich befürchte, dass sich durch diese Überlegungen die Zahl der Kirchenaustritte weiter erhöht… eigentlich sowieso seltsam, dass der Staat die Mitgliedsbeiträge für eine Religionsgemeinschaft eintreibt… vielleicht sollte es das nicht geben… und alle kaufen sich Eintrittskarten, wenn sie in die Kirche wollen?

    Holger, auf jeden Fall wünsche ich Dir und Deiner Familie ein geruhsames Fest!

    Liebe Grüße Claudia Jo.

    (Ich hab‘ noch Dein hübsches Foto von der letzten Weihnacht in Erinnerung: Ein gut genährter, grauer (Kartäuser?) Kater unterm Weihnachtsbaum.)

  4. Liebe Claudia,
    wegen des letztjährigen Fotos verzichtete ich diesmal auf die Aktion „Keine Tiere unterm Weihnachtsbaum“. Nicht dass du mir wieder den Kopf zurecht rücken willst. 😉 Als man den Britisch Kurzhaar ins Tierheim abschob, war er noch nicht ganz so wohl genährt. Doch sein Personal hier kümmert sich ja rührselig.

    Liebe Sabine,
    du wärst mit deinem Mann doch Zone 3 oder 4, wenn ich das richtig verstehe? Also hättet ihr beide Zutritt. Zwar ziemlich weit hinten, vorletzte Säule links, aber dein Mann könnte sich das beheizte Unterhemd sparen, welches er hoffentlich nicht heute Abend bekommt.

    Lieber Ulf,
    ja, die Bahn macht es uns vor, nach traditionellen Tugenden zu Leben. Kümmert sie sich nicht aufopferungsvoll – in Verbindung mit der Bahnhofsmission – um einfach aus dem Zug aussteigenden Fahrgästen, obwohl der Zugbegleiter sagt, die Reise wäre noch nicht zu Ende?
    Nun, dein Zonenmodell klingt überlegenswert. Wenn man die Schallschutzwände gegen die dicken Kirchenwände tauscht, wären auch diese zwei Politiker zufrieden.

    Ich wünsche euch und euren Familien eine schöne Weihnachtszeit.
    Holger

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