StartseiteAllgemeinKrisis-Sonett

Aus dem Ofen fließt zäh der Stahl,

und dann macht man ihn aus.

Es war heute das letzte mal,

der zweite Kocher sitzt schon zu Haus.

Die Presse nur noch im Stundentakt kracht,

des Eisens gibt’s schon zu viel.

Der Werker sagt nun Gute Nacht,

macht gute Miene zum bösen Spiel.

Eine Drehmaschine nichts mehr dreht,

einsam in der Halle steht.

Der Gabelstapler nicht fahren will.

Hier weht ein rauer Wind um´s Eck,

und pfeift die Arbeitsplätze weg.

Die Werkshalle liegt totenstill.


Kommentare

Krisis-Sonett — 8 Kommentare

  1. Lieber Holger,

    ja, das ist die Stimmung, die unter dem löchrig werdenden Teppich aus Konjunkturpaketen und Sonntagsreden hervorquillt.

    Nachdenkliche Grüße
    von
    Sabine

  2. Tja, wenn große Konzerne wanken gibt es einen öffentlichen und politischen Aufschrei. Bei einem kleinen Zulieferer, wie wir einer sind, der täglich aufs Neue ums Überleben kämpft, gibt´s keine Lobby.

  3. Au wei, eine böse Sache 🙄
    Zulieferer sind die Ersten, die den Hammer abbekommen.

    Bei uns im Bekanntenkreis ist bei manchen Kurzarbeit angesagt.
    Mal schauen, wie lange das Tief auf diese Weise überbrückt werden kann.
    Die arbeiten vor allem im Bereich der Kunststoffherstellung – es wird im Moment nicht viel davon gebraucht.

    Nachdenkliche Grüße
    von
    Sabine

  4. Lieber Holger,

    die letzten drei Zeilen gefallen mir besonders gut. Natürlich nur in Bezug auf das geschriebene Wort, nicht in Bezug auf die Realität. Da ist es sehr traurig. Aber genau das kommt bei deinen Zeilen echt und gut rüber.

    Für dich wünsche und hoffe ich nur das Beste. Dass der raue Wind dir nichts anhaben kann.

    Liebe Grüße an dich,
    Martina

  5. Lieber Holger,

    drei Dinge habe ich als wichtig empfunden im Berufsleben. Diese drei Prioritäten habe ich nicht nur bei mir beobachtet, sondern auch bei sehr vielen KollegInnen:

    1. Perspektive
    2. Rücksichtsvolles, gutes Betriebsklima
    3. Angemessene Bezahlung

    Ich wünsche Dir und Deinen KollegInnen vor allem die Wiedergewinnung einer Perspektive.
    Dann wird der „Rest“ auch kommen.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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