Fehltritt

Es gibt in unserem Haushalt gewisse, ungeschriebene Gesetze, welche strikt und von jedem einzuhalten sind. Und da es im Kleinen genauso wie im Großen ist, im eigenen Heim wie in der Gesellschaft, werden diese Normen, sei es aus Unwissenheit oder doch mit Bedacht, von manchen gebrochen. Es gibt hier eine Sitzordnung, bestehend aus einem 3-Sitzer, 2-Sitzer und einem Sessel, diese sind genau aufgeteilt, auf dass jeder in der abendlichen, wohltemperierten Stube seinen Platz hat.

Nun ist in der Belegung noch ein Platz frei, der Sessel ist noch unbelegt, da das Katzentier noch einen Bummel unternahm. Nach Beendigung desselben hört man ein forderndes Schreien an der Terrassentür: „Es ist kalt, ich habe Hunger und will SOFORT herein.“ Dieser reizenden Aufforderung konnte ich natürlich nicht widerstehen, ich stand auf, ging zur Tür und bat ihn höflichst herein. Der ausgehungerte Kater betrat sein Reich, sah sich um, erblickte die bereits wiederhergestellte Ordnung in der Platzvergabe und schlich sich in die Küche, um sein Mahl einzunehmen. Nach einiger Zeit, man hörte immer nur ein lautes Schmatzen, kam er, sich noch das Mäulchen leckend, wieder ins Wohnzimmer. Ein Blick mürrisch im Kreis, stellte er sich vor den Ausgang ins Freie, sah durch die Scheibe und verlangte in seiner unnachgiebigen Art, es solle schleunigst jemand die Tür wieder aufmachen, da ein kurzer Verdauungsspaziergang angesagt sei. Und wieder war ein beflissener Dienstbote zur Stelle, der ihm diesen Wunsch erfüllen wollte. Den Türgriff hatte ich schon in der Hand, da besann sich seine Exzellenz, machte auf den Pfoten kehrt, sah mich noch kurz an, der ich immer noch den Griff haltend da stand – in seinen nach Bernstein funkelnden Augen sah ich noch ein Blitzen – und der Sessel war noch frei. Okkupierte doch dieses Raubtier „meinen“ 2-Sitzer, der mir von Rechts wegen zustand. Nach einer kurzen Beratung verkündete dann das Familiengericht das unheilvolle Urteil, welches sofort vollstreckt wurde. Nahrungsentzug für die Dauer von zehn Minuten.

Ich liebe Katzen!

Liebesbriefe

Riskieren wir einen Blick in das Innerste von Dylan Thomas, und lesen, was er an seine Geliebten und seine Ehefrau Caitlin schrieb. image

Wenn seine Liebe an der Anzahl der verwendeten Worte „Liebste“ und „Liebe“ partizipiert, muss er diese Frauen wohl unendlich geliebt haben. Voller Hingabe, tiefgründig und sehnsuchtsvoll bringt er die Worte zu Papier. Die mit Abstand gefühlvollsten und bezauberndsten Briefe bekam seine Frau – notgedrungen, da er fast nur auf Vortragsreisen war. Aber ging es nicht nur um Liebe, auch die kleinen Alltäglichkeiten und Bekümmernisse des Lebens lesen wir in seinen Briefen wunderschön in Zeilen gefasst.

Ein kleines Buch, gut hundert Seiten, und bei jedem Umblättern empfinden wir mehr und mehr, wie schön doch (auch in der heutigen Zeit), schriftliche Kommunikation sein kann. Bringe ich noch ein gewisses Verständnis auf, wenn die Verfasserinnen oder Verfasser einer SMS das „Liebe Grüße“ zu einem LG werden lassen, welches wohl der Zeichenbegrenzung geschuldet ist, ist es mir jedes mal aufs Neue ein Gräuel, unter einem Schriftstück oder einer E-Mail ein hingerotztes „mfg“ lesen zu müssen.

Es kann dann mal weg

Ich bekam vor kurzem das Angebot, mir Hape Kerkelings Buch „Ich bin dann mal weg“ ausborgen zu dürfen. Und da es ja wochen- oder gar monatelang auf Platz 1 der Bestsellerlisten stand, nahm ich dann auch das Angebot an. Leider. Die ersten gut siebzig Seiten zogen sich so zäh dahin, darin eine fast vollständige Biographie von ihm, immer wieder unterbrochen vom Gejammer über seine schmerzenden Füße (trotz der original kanadischen Boots). Deswegen nahm er dann wohl auch öfter mal den Bus. Danach vielerlei Geplänkel über andere Pilger, meist aus dem deutschsprachigen Raum. Zwischenzeitlich wieder die Füße, welche bemitleidet wurden, abgelöst von der Frage, warum er keinen Kontakt zu anderen Pilgern findet. Wie auch, wenn er nach den besten Hotels sucht, aus Angst, sich in den Herbergen mit Fußpilz anzustecken. Je näher er seinem Ziel kam – es machte mir nicht den Eindruck, dass der Weg das Ziel sei – war dann auch etwas von einem Sinn der Wanderung zu spüren. Doch auch das kam dann zu kurz. Erhofft sich der Leser, etwas über das Innere, über geistige Tiefgründigkeiten zu erfahren, was wohl der Zweck und Sinn einer solchen Pilgerreise ist, sollte er sich ein anderes Buch über den Jakobsweg suchen.

optische und akustische Überwachung

Da bekommt ja der Spruch „Hören und Sehen vergehen“ plötzlich eine vollkommen neue Bedeutung. Das kann sich hören und sehen lassen, das neue BKA-Gesetz. Doch genug der Wortspielereien.

Heute wurde mit großer Mehrheit das Gesetz des Bundeskriminalamtes verabschiedet. Nun ja, wenn sie es nur wirklich „verabschiedet“ hätten.

In froher Erwartung hoffe ich jetzt auf die Zusendung einer Webcam und eines Headsets aus dem Hause Schäuble. Einen Techniker brauchen Sie mir somit nicht vorbei schicken.

Doch mahnt der Innenminister ein Ende der Debatten an, junge Leute könnten sonst das BKA mit dem Ministerium für Staatssicherheit vergleichen. Das möchte ich auch nicht. Früher ahnte man um die Überwachung, heute weiß man es per Gesetz. Einen Unterschied macht es für mich natürlich nicht. Habe ich damals 50 DDR-Mark bezahlt, um aus der Staatsbürgerschaft der DDR entlassen zu werden – so viel (!) kostete die offizielle Ausreise in die BRD – und in einem demokratischen Staat weiter leben zu können, werden wir wohl langsam wieder damit vertraut gemacht. Oder bewerte ich das ein wenig über, da man sich noch an die Überwachung erinnert?

Schloss Osterstein

Seit dem letzten Freitag beginnt für unser Stadtschloss ein neues Kapitel in seiner langjährigen und wechselvollen Geschichte; als Seniorenwohnanlage.

Der Schandfleck mitten in der Stadt ist endgültig Vergangenheit. Die vom Einsturz bedrohte Ruine image verwandelte sich in den letzten 2 Jahren zu einem prächtig sanierten Renaissanceschloss, welches am Freitag den Schlossherren übergeben wurde. Betreiber der Anlage ist die Senioren- und Seniorenpflegeheim gGmbH Zwickau, welche schon mehrere Häuser hier unterhält sowie ein Pflegeleitzentrum für Menschen im Wachkoma.

Am Wochenende war für die, die noch keine Ambitionen hegen in ein Seniorenheim zu ziehen, ein Tag der offenen Tür. Also stellte ich mich auch in die Schlange, um einmal ein Blick in das „Bewohnerzimmer der Zukunft“ zu werfen. Platz für Bücher und ein Internetanschluss war da. Beruhigend. Und um sich schon mal langsam einzugewöhnen, oder um die Senioren nicht abgeschieden leben zu lassen, gibt es noch einen historischen Weinkeller (leider noch im Bau) sowie Schlosshoffeste und Veranstaltungen wie Buchlesungen in der Hofstube.

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Siddhartha

Nun versuche ich mich doch noch daran, etwas über Thich Nhat Hanh´s „Einführung in den Buddhismus“ zu schreiben, obwohl das Lesezeichen sich schon wieder durch andere Bücher gewunden hat.

Es ist ein Roman. Es ist ein Lehrbuch. Es ist eine Biographie.

Es gibt wohl noch mehrere Umschreibungen, vor allem aber ist es für mich ein Lehrbuch. Mit der Maßgabe, wenigstens einige der Lehren Buddhas im Leben anzuwenden.

So wie die Gelassenheit. Wenn das Betriebsklima durch verschiedentliche Nachrichten auf die schlechtere Seite ausschlägt, bleibt man doch ruhiger. Wenn den dreißig Leiharbeitern, die die Fabrik bereits verließen, nun noch 30 Festangestellte folgen – ja, immer gegen Ende des Monats kommt der „Briefträger“ und verteilt diese Mitteilungen des Nichtmehrbenötigtwerdens – so sieht man das Ganze eine Spur gelassener.

Einzig und allein die vielen Namen in Sanskrit bereiten einem Schwierigkeiten, doch können ja nicht alle indischen Könige Rot- oder Drosselbart heißen, um meinen Lesefluss nicht ins Stocken geraten zu lassen.

Der dtv-Verlag schreibt folgendes:

Als der Unberührbare Svasti im Alter von elf Jahren beim Büffelhüten dem Einsiedler Siddhartha begegnet, ahnt er nicht, dass dieser Siddharthasein Schicksal sein wird: Als Mönch begleitet er ihn durch sein langes ungewöhnliches Leben und kehrt selbst als »Ehrwürdiger« nach Hause zurück.
In diesem poetischen Lehrroman rollt Thich Nhat Hanh die ganze Lebensgeschichte Buddhas auf: sein weltliches Leben als Prinz am Hof seines Vaters, seine Ausbildung bei den bekanntesten Meditationsmeistern des alten Indien, seine Erleuchtung in Bodh-Gaya, seine lebenslange Wanderschaft, seine Schüler, seine Widersacher – vor allem aber seine beeindruckende Lehre, die die Welt verändert hat.
Buddha tritt uns in diesem Buch nicht als Gott oder Heiliger entgegen, sondern als Mensch, dem Mitgefühl und Freundlichkeit stets wichtiger waren als großartige spirituelle Erfahrungen.

Nachts

Ich bin erwacht in weißer Nacht,
Der weiße Mond, der weiße Schnee,
Und habe sacht an dich gedacht,
Du Höllenkind, du Himmelsfee.

In welchem Traum, in welchem Raum,
Schwebst du wohl jetzt, du Herzliche,
Und führst im Zaum am Erdensaum
Die Seele, ach, die schmerzliche -?

ein Gedicht von Klabund

Fahrtrausch

Ja mei, der Herr Beckstein. Wollt er wohl seinem Spezi Wiesheu Otto einen Gefallen tun und hat vor lauter Biertrinkerei ganz vergessen, dass der ja jetzt bei der Bahn arbeitet. Oder muss er so versuchen, den potenziellen CSU-Wählern und Oktoberfestbesuchern noch zu verdeutlichen, welche Partei die wirkliche Volkspartei in Bayern ist.

Zwei Maß Bier, also zwei Liter, dann noch bisschen Autofahren, das macht doch einem gestandenen Bayern nichts aus. So wie dem Otto damals.

Der CSU-Generalsekretär hat besoffen erst mal jemand tot gefahren. 1983 war das, mit 1,75 Promille. Er ist dann zwar zurückgetreten, aber dafür wurde er ja immerhin noch Verkehrsminister. Und Kultusminister. In Bayern. Weil das da zur Kultur einfach dazugehört, das Biertrinken. Oder man bekommt das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Wie der Otto Wiesheu eben.

Da stellt sich mir die Frage, ob Herr Beckstein jetzt dem Otto nacheifern will. Dem Verdienstkreuz wegen. Weil, Ministerpräsident ist er ja schon.

Auch habe ich gehört, während der diesjährigen Wies´n werden Vignetten verteilt. Wer dann den Aufkleber mit Günther Becksteins Konterfei an die Windschutzscheibe klebt, wird nicht mehr zur Alkoholkontrolle angehalten. Mich interessierte nur noch, ob man dann die Vignetten noch sammeln kann und sich dann zwei klebt. Könnte man dann 4 Liter trinken und im Auto weiter schunkeln. Ein Prosit der Gemütlichkeit.

Madonna

Ich habe heute Madonna gesehen. Und bin jetzt noch verzückt über dieses göttliche Antlitz. Kein Vergleich zu den Bildern, wenn man sie in natura sieht. Ein überwältigender Anblick, Raffaels Gemälde „Die Sixtinische Madonna“ als Original zu sehen. Ganz abgesehen von den Bildern Rembrandts, Rubens´, Dürers und all den anderen großen Meistern, welche in der Dresdner Gemäldegalerie „Alter Meister“ hängen. image

Für mich sehr sehenswert die holländische Landschaftsmalerei des 16./ 17. Jahrhunderts und die Gemälde Canalettos. Diese sprühen vor Lebendigkeit, ginge man einen Schritt vorwärts in das Bild hinein, fühlte sich man mitten unter dem Getümmel der Leute. Seine Bilder haben eine Detailtreue, besser als jede Fotografie. Zu meinem Leidwesen eröffnet die Galerie „Neue Meister“ erst 2010 wieder, da das Albertinum umgebaut wird – leider schon seit längerer Zeit, letztes Jahr war sie auch schon geschlossen. Dafür hatte ich letztes Jahr in Dresden einen Sonnenbrand, beim Anstehen an der Frauenkirche. Heute, bei frischen acht Grad Celsius, gegen vier Uhr nachmittags – keine Menschen vor dem Eingang. Dafür war das Innere sämtlicher Cafes und Restaurants überfüllt – und wir wollten unseren Hunger und Durst stillen. Schließlich setzten wir uns auf eine Terrasse. Als erstes brachte die Bedienung Decken, ein löbliches Tun. Bei der Kälte verzichteten wir jedoch auf ein richtiges Essen, es blieb dann bei Kaffee, Kuchen und heißer Schokolade. Nächstes Jahr haben wir uns das Grüne Gewölbe vorgenommen, im Augenblick noch Voranmeldezeiten von gut 8 Wochen. Da werden wir wieder im Sommer fahren.

Rubens: Der heilige Hieronymus

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Canaletto

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