Grauenhaft

Ich liege auf dem Sofa, lese in euren Blogs, und neben mir zappt die Liebste durch die Fernsehlandschaft. Ein kurzer Blick nach vorn. Abscheulich, grauenhaft. Florian Silbereisen mit einem Dompteur im Tigerkäfig. Wie viel Zeug müssen sie den Tigern eingeflößt haben, dass diese bezaubernden Katzen durch einen Reifen springen und nicht ihren natürlichen Trieben nachgehen folgen. Auch wenn dann das Fernsehen um einen „Star ärmer“ wäre.

Verschlusssache

Ein Artikel in der Freitagsausgabe unserer Tageszeitung ließ mich wachsam werden und lud mich zum Recherchieren ein. Und beim nachmittäglichen Einkauf zahlte es sich aus.

Durch den Bericht erfuhr ich, dass immer mehr Weingüter ihre Flaschen mit Schraubverschluss ausstatten. Dargelegt wurden die verschiedenen Typen von Weinverschlüssen, angefangen mit dem herkömmlichen Korkeichenverschluss über das Pendant aus Kunststoff, dann der Schraubverschluss und schließlich noch ein Glasstopfen, der „VinoLok“, welchen ich aber bisher noch nie sah, respektive entfernen durfte.

Bemerkenswert ist, selbst im Segment der Premiumweine ist der normale Korken nur noch mit gut sechzig Prozent vertreten. Geschuldet wird dies dem Geschmack, wir müssen dann nicht immer rufen „Herr Ober, der Wein schmeckt nach Kork“. Allein die Nobelweine werden noch zu über 80 % „entkorkt“. Ein Grund dafür ist wohl die Lagerung, über andere Verschlüsse mit längerer Liegezeit ist noch nicht viel bekannt. Als Vorreiter alternativer Verschlussmethoden sehe ich den Frankenwein in der traditionellen Bocksbeutelform. Hier sind schon bei den einfachen Weinen drei Viertel der abgefüllten Flaschen alternativ verschlossen, die besseren Weine zur Hälfte. Einen Schraubbocksbeutel öffnete ich schon mal, vor einiger Zeit erstand ich mal eine Viertelliterprobierflasche eines fränkischen Rotweines, die normale Größe war dann auch normal verschlossen.

Nach dieser Recherche und dem Zeitungsartikel stelle ich mich heute als Testperson zur Verfügung. Ich kaufte einen 6 €-Wein mit Schraubverschluss. Gut, ich weiß, für sechs Euro bekommt man keinen Premiumwein, aber es ist ja nur zu Testzwecken. Was soll ich sagen – er schmeckt!

Welchen Verschluss bevorzugt ihr; braucht ihr das Geräusch eines herausrutschenden Korkens oder schraubt ihr auch?

Mitternachtskinder

von Salman Rushdie ist das zweite Buch, welches ich nicht bis zum Schluss las. Lag es an meiner Erwartungshaltung, nachdem ich den Klappentext las – ich weiß es nicht. Der Anfang mit weit über hundert Seiten zog sich mit der Vorgeschichte schleppend dahin; dann ein Lichtblick mit Beginn der eigentlichen Handlung. Doch assoziierte ich mit dem Datum der Unabhängigkeit Indiens und der Geburt der Mitternachtskinder einen Roman weniger als Familienchronik oder Biografie, eher über die indischen Mythen und die Philosophie des Kontinents, das kam mir persönlich etwas zu kurz. Die letzten hundertfünfzig Blätter habe ich dann auch übersprungen. Irgendwie konnte ich mich mit dem Buch nicht anfreunden, obwohl Rushdies Stil zu Schreiben lesenswert ist. image

Der Verlag schreibt über das Buch: 15. August 1947, Mitternacht: Indien wird unabhängig – und zwei Kinder werden geboren, deren Schicksal untrennbar mit dem ihres Landes verbunden ist. Saleem Sinai, Erbe einer reichen muslimischen Familie und Shiva, Sohn besitzloser Hindus. Eine gutmeinende Krankenschwester vertauscht die beiden …

Eis schlecken

Das Sonntagssommersonnenscheinwetter ausnutzend, spazierten wir gemütlich in die Stadt, um ein paar Kugeln Eis zu genießen. Und so ganz nebenbei konnte man auch Leute beobachten. Ein Matrose? Schritte wie auf schwankenden Schiffsplanken, die Augen leicht glasig. Oder doch auf dem Heimweg vom Frühschoppen? Jedenfalls hatte er es für den Tag geschafft.

Eltern mit ihrem Kind. Das Kind immer vornweg, rennend. Doch immer wieder prüfende Blicke, ob die Erwachsenen auch hinterher kommen. Dann der ermahnende Ruf des Vaters: „Guck nach vorn, wo du hinläufst“.

Mussten wir, im Kindesalter und auch jetzt noch, nicht alle selbst Erfahrungen sammeln. Ließen doch die Eltern das Kind laufen. Und dann gegen die sich immer näher heranschiebende Plexiglasscheibe rennen! Es war uns nicht vergönnt. Doch das Mädchen stoppte ihren Lauf und wich dem Hindernis aus.

Neuerungen

Meine lieben Leser,

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Tschüss Cheffe

Wehmütig blicke ich auf die vergangenen Jahre zurück. Unser Logistikleiter war gestern zum letzten Mal auf Arbeit. Wie heißt es immer so schön, man sucht neue Herausforderungen. Und so auch er. Es war eine schöne Zeit mit ihm als Leiter. Vielleicht denkt er ja mal zurück und behält „seine“ Abteilung in guter Erinnerung!

Am ersten September kommt dann „der Neue“. Wünsche ich ihm mal viel Erfolg bei uns und dass er sich schnell eingewöhnt.

einfach nur tippen

Ich muss einfach nur etwas schreiben, um nicht ins Grübeln über die Arbeit zu fallen. Das lenkt einen etwas ab. Letzte Woche wurde ich auf einem anderen Arbeitsplatz angelernt, diese und nächste Woche muss ich´s schon allein bringen. Der Chef hat Urlaub und ich soll ihn vertreten. Sein Vorgesetzter hat auch Urlaub, das SAP-Team weilt diese Woche in einem zur Firmengruppe gehörenden Werk in Schweden. „Du könntest ja eine E-Mail schreiben, wenn was wäre.“ Das sagte man mir. Der Fahrer, welcher dann auf die Lieferscheine wartet, wäre sicher hoch erfreut. Irgendwie komme ich mir ein klein wenig verkohlt vor bei der Sache. Zumal ich nicht der Karrieretyp bin, der sich darüber freute, zwei Wochen „Chef“ zu spielen. Vor Jahren, ich glaube es war 1998, kurz vor der Bundestagswahl, bot mir das AA eine Stelle als Hofkehrer an. Manchmal sehnte ich mich danach. Böte es mir doch den ganzen Tag die Gelegenheit, sich über Gott und die Welt Gedanken zu machen, anstatt selbst zu Hause noch über den Tag zu sinnieren, ob man auch alles Recht erledigt hat.

Morgen komme ich eh´ nicht zum Nachdenken. Mittwoch kommen die Handwerker nach Haus, da habe ich noch einiges zu tun, bisschen schrauben, umräumen….

Außerdem habe ich noch einen großen Vorrat an noch nicht gehörter, klassischer Musik und ungetrunkenem Rotwein. Im Augenblick schallt Beethovens 4. Sinfonie aus den Lautsprechern. Als gestern Abend meine Frau von Mittagschicht kam, sagte sie mir das bestimmt nicht alle Hausbewohner auf diese Art Musik stehen und ob ich nicht ein klein wenig die Lautstärke runter drehen könnte. Schließlich hatte ich auch noch die Fenster sperrangelweit auf. Vielleicht gewöhne ich mir an, ab einer gewissen Uhrzeit die Kopfhörer zu aktivieren. Da kann man dann auch auf der Terrasse weiterhören, trinken, schreiben. Falls doch einer der Nachbarn sich nicht unbedingt mit Bruckner, Tschaikowski und Beethoven anfreunden kann.

Den Selbstversuch mit der Terrasse breche ich jetzt ab, es zieht ein Gewitter auf. Nicht auszudenken, wenn der Blitz in die Funkkopfhörer einschlägt und das Gehirn durcheinanderwirbelt. Obwohl, warum auch nicht! Manchmal wäre man dann klüger.

Einkaufsbummel

Ich tat es wieder, ich las die großformatigen Reklameanzeigen der örtlichen Einkaufsmärkte. Und würde fündig.

„Das Kilo für 5 €!“ Gleich nach der Arbeit, so nahm ich es mir vor, wollte ich das Superschnäppchen erwerben. Schleppend, die Zeit wie angestemmt, verlief der Tag. An nichts konnte ich denken, außer an meinen bevorstehenden Einkauf. Der Feierabend kam, rein ins Auto und voller Vorfreude Richtung Supermarkt. Die linke Hand zuckte ein wenig, wollte den Blinkerhebel bedienen. Das Gehirn meldete sich: „Hier rechts abbiegen und in vier Minuten bist du zu Hause.“ Doch ich blieb stark. Fuhr ungehemmt weiter. Nun ist es kein Leichtes, auch in einer 96.000 Einwohner zählenden Stadt nicht, vom Ortseingang bis fast ans andere Ende der Stadt zu fahren. Wer mag nicht den Berufsverkehr, sich langsam vorwärtsquälende Blechwürmer, Baustellen und, immer auf Rot schaltende Ampeln, wenn man sich denn ihnen nähert. Auch diese Odyssee brachte ich hinter mich.

Und nun stand ich da; vor längerer Zeit habe ich bei ähnlicher Gelegenheit drei Bücher für neun Euro bekommen. Heute bekam man ein Kilo Bücher für fünf Euro. Ich sah mich schon mit vier, fünf Kilo in der Einkaufstasche den Heimweg antreten. Langsam trete ich an die überquellenden Körbe heran, mir das Beste herauszusuchen. Doch was ist das. Kochbücher über Kochbücher, Lebensratgeber wetteifern mit Fitnessbroschüren, wer den meisten Platz einnimmt. Dazwischen inhaltslose Kinderbücher, einige Romane, welche doch niemand lesen will. Nach halbstündiger Suche fuhr ich, mit leerem Beutel, wieder ans andere Ende der Stadt. Ich liebe Schnäppchenjagd!

keine Pauschalreise

Jetzt, zu Zeiten einer allgemeinen Pilgerschwemme (jeder muss anscheinend den Jakobsweg gehen), war doch Hermann Hesses „Morgenlandfahrt“ eine willkommene Reisebeschreibung. Darüber möchte ich euch einladen, Selbiges nachzuerleben. Machen wir uns auf, unser eigenes Morgenland zu entdecken. Nehmen wir unsere Freunde mit auf diese Reise nach Hause. Ist es doch weniger eine Region, oder gar ein Land, welches bereist wird, sondern eine Reise – Pilgerfahrt ist wohl der bessere Ausdruck – wie Hesse es so beschreibt:

„… sondern es strömte dieser Zug der Gläubigen und sich Hingebenden nach dem Osten, nach der Heimat des Lichts, unaufhörlich und ewig, er war immerdar durch alle Jahrhunderte unterwegs, dem Licht und dem Wunder entgegen, und jeder von uns Brüdern, jede unserer Gruppen, ja unser ganzes Heer und seine große Heerfahrt war nur eine Welle im ewigen Strom der Seelen, im ewigen Heimwärtsstreben der Geister nach imageMorgen, nach der Heimat.“

Also packen wir unseren Rucksack und nehmen unsere Seelenverwandten mit nach dem Morgenland.

Der Suhrkamp-Verlag schreibt folgendes dazu. »Hermann Hesses Erzählung berichtet von dem Geheimbunde der Morgenlandfahrer, der die in allen Völkern und Zeiten zerstreute Gemeinschaft der Gläubigen, der Träumer, Dichter, Phantasten darstellen soll, symbolisch in ein gleichzeitiges Schicksal zusammengefaßt. Die erzählerische Anmut im einzelnen und die Sicherheit, mit der die Geschehnisse zwischen Traum und Wirklichkeit gehalten und auf dieser Ebene glaubhaft gemacht werden … das rührend Märchenhafte, Kindliche und Romantische darin, das alles läßt nicht leicht erkennen, daß Hesse hier ebenso ein Bekenntnisbuch geschrieben hat wie im „Steppenwolf“, nur einheitlicher und mehr zur Erzählung geformt als dort.«

Montagefehler

Reparatur – Schlauch abmontiert

100 Arbeiter – kontaminiert

Was haben die gedacht, kommt aus dem Schlauch heraus, wenn sie ihn abschrauben? Weinpulver? Milchkaffee?

Seien wir doch ehrlich; es war der Versuch der örtlichen Winzergenossenschaft, heimlich ihre Hänge damit zu düngen. Bei dem Versuch, es den Franzosen nach zu machen, schnitten die Südafrikaner schlechter ab. Das AKW wurde heruntergefahren, ohne dass etwas Radioaktivität austrat. Beim nächsten Mal sind sie hoffentlich schlauer. Es wäre doch jammerschade, wenn der südafrikanische Wein hinter dem französischen zurück steht. Gespannt warte ich jetzt auf weitere Meldungen aus Spanien und Australien – es sind weitere meiner bevorzugten Weinregionen.

Die Winzer um das Gebiet Tricastin werden sogar ihr Anbaugebiet umbenennen, wie der Verbandschef der Vereinigung mitteilt. Es sieht ja auch komisch aus, wenn auf dem Rückenetikett „abgefüllt im AKW“ steht. Einen neuen Namen hätte ich auch schon für den Wein: „Tricatom“.

Jetzt genieße ich noch den Rest meines spanischen Gran Reserva, welcher neben mir im Glase leuchtet.