Geschockt

Während meiner heutigen Mittagspause sagte eine Kollegin, dass in 15 Jahren ein Komet so dicht an der Erde vorbei gondelt, einschlagen könnte und so für eine neue Eiszeit verantwortlich wäre. Nachdem ich ihr sagte, schlüge der Gesteinsbrocken morgen hier ein, wäre es mir auch egal, war die Mitarbeiterin sehr schockiert. Das konnte sie nicht verstehen.

Der zerbrochene Tontopf oder Ein ganz normaler Sonntag

Nein! Wer jetzt an Kleists Zerbrochnen Krug denkt, ist einem Irrtum aufgesessen.

Jahrzehntelang überstand der Tontopf alle Höhen und Tiefen seines irdenen Daseins. Er ertrug die jahrelange Dunkelheit eines Kellers, das Getrippel der kleinen Mäuse auf seinem steinernem Rand. Trotzte langen, kalten Wintern, bedeckt vom Schnee, welcher sich sanft auf ihm niederließ. Selbst heiße und trockene Sommer machten seiner tönernen Figur nichts aus. Umzüge machten ihm nichts aus, ließ sich von Wohnung zu Wohnung tragen, murrte nicht, wenn er wieder und wieder herumgeräumt wurde. Sein letzter Standort war im Flur, in seinem Inneren eine große Sonnenblume. Bis die Sonnenblume das Gleichgewicht verlor und den Topf mit sich umriss. Als Krankenlager für den nun verwundeten Tontopf fand sich eine Zeitung. Nach mehreren Tagen der Erholung – der Topf hatte den ersten Schock verdaut – ging es an die Reparatur des Patienten. Mit Leim versorgt sieht er fast so aus wie früher, gut, man sieht noch die Scharten, aber auch wir sehen nach vierzig oder mehr Jahren nicht mehr so jugendlich aus. Aus Sympathie, oder eher aus Unachtsamkeit, schnitt ich mich dann auch noch an seinen Wunden. Etwas Blut floss, die Finger Spinnwebengleich vom Leim verklebt, der Topf hat wohl genauso viel Leim abbekommen wie ich. Nach dem Säubern setzte ich mich dann vor Wut über die Leimfinger auf die Terrasse.

Gleißendes Sonnenlicht ließ die Büsche immer grüner aussehen, die Blätter sich immer mehr miteinander verschmelzen, einem dichten, sattgrünen Blätterdschungel gleich. Die anfängliche Ruhe des Sonntags wich langsam einer regeren Geschäftigkeit. Betten wurden aus den Fenstern ausgeschüttelt, danach ging der Schauplatz in die Küche über. Besteck klirrte aneinander, Teller klapperten, und die Kellen kratzten, immer auf der Suche nach dem letzten Rest, über die Topfböden.

Ich lehnte mich, genüsslich dem Nichtstun verpflichtet, zurück, und las das Ende von Heinrich Bölls „Erzählungen“.