Saubere Tinte

Allenthalben liest man vermehrt von erschienenen und noch zu bauenden Lesegeräten mit elektronischer Tinte. Ein wahrlich löbliches Unterfangen. Vor zwei Wochen hatte ich nämlich wieder schulkindtintenbekleckste Hände nach dem Wechsel einer Füllhalterpatrone. Zugegeben, diese Technik ist zum Lesen gedacht, man nimmt ja Papier um mit einem Federhalter zu Schreiben. Dennoch gibt es Leute, welche dann und wann auch mal in ein Buch etwas reinschreiben; oder in eine Zeitung. So wie ich. Und für diese ist dann die saubere Tinte – oder auch nicht. Jüngst stand doch in einem Buchladen ein viel beworbener E-Book Reader zum probieren. Vier Seiten habe ich mir gegönnt. Die Schrift ist wie gestochen, es liest sich flüssig. Möchte man etwas markieren oder eine Anmerkung notieren – nimmt man Zettel und Stift. Es geht nicht anders. Gewährt wird einem aber das Setzen von Lesezeichen. Einen ausführlichen Testbericht gibt es beim Literaturcafé. Die Preisgestaltung ist auch zu überdenken. Dreihundert Euro für das Gerät zuzüglich der elektronischen Bücher, welche nur marginal billiger als die gedruckten Ausgaben sind.

Die angekündigten Reader mit größerem Display, welche von den Zeitungsverlagen aus Kostengründen herbei gesehnt werden, sind für mich kein Ersatz für eine papierne Zeitung. Man stelle sich einen Abend auf der Couch vor, die Frau sieht fern und der Gatte drückt zum Umblättern der Zeitung einen Knopf. Um wie viel heimeliger, familienfreundlicher ist doch eine großformatige Printausgabe a la ZEIT, welche in den spannendsten Momenten des Kriminalfilmes umgeblättert und glatt gestrichen wird. Auf derartige Gegebenheiten möchte ich keinesfalls verzichten.

Kunststoffzeitung

Heute konnte ich in meiner Tageszeitung, der Papiernen, einen Artikel im Wirtschaftsteil über diese flexiblen Kunststoffdisplays lesen. Die Firma Plastic Logic baut jetzt in Dresden ein Werk, in welchem irgendwann in 2008 mehrere Millionen dieser bruchfesten, zusammenrollbaren „Monitore“ gefertigt werden. Zunächst werden sie noch monochrom hergestellt, doch das soll dem Verwendungszweck keinen Abbruch tun. Bliebe noch übrig, die Energie- und Umweltbilanz abzuwägen, um sich dann die Tageszeitung, oder eventuell ein Buch, sich auf das Display zu laden. Bislang konnte ich mich ja noch nicht mit dem Lesen auf elektronischen Medien anfreunden, abgesehen von Leseproben bei manchen Büchern, doch vielleicht schafft es dieses Display – es bleibt abzuwarten; es ist ja auch eine Preisfrage. Das einzige von mir bislang gelesene „Buch“, welches ich auf dem Handy las, war Theodor Storms „Regentrude“. War aber auch in drei Mittagspausen erledigt. Lob ich mir dann doch die kleinen, gelben Reclams.

E-Book gegen Buch

Nachdem ich schon drei Anläufe genommen habe, „Die Verwandlung“ von Franz Kafka am Bildschirm als E-Book zu lesen, brach ich den Versuch dann ab. Daraufhin im Buchladen „Die Erzählungen“ gekauft. Als richtiges Buch, gebunden und mit Lesebändchen – was ja mittlerweile eine Seltenheit geworden ist. Und schon habe ich knapp ein Viertel des Buches gelesen. Für mich bleibt ein gedrucktes Buch immer noch die erste Wahl.