Mit der Reife wird man immer jünger

Wer oder was hat mich bewogen, dieses Buch zu kaufen! War es der Autor – wieder einmal Hermann Hesse – oder doch das eine oder andere graue Haar, welches sich mir im Spiegel zeigt. Ich werde es wieder lesen, wenn ich älter bin.

Der Suhrkamp-Verlag schreibt folgendes dazu:

imageHermann Hesse gehört zu den Autoren, die das Glück hatten, alle Lebensstufen auf charakteristische Weise erfahren und darstellen zu können. Zu den schönsten dieser Schilderungen gehören seine Betrachtungen über das Alter, über die Lebensjahre, wo Wirklichkeit und Umwelt eine spielerische Surrealität gewinnen, wo die Erinnerung an die Vergangenheit im Verhältnis zur Gegenwart an Realität zunimmt. Diese Zeit des Übergangs reaktiviert als Ausgleich zu den wachsenden körperlichen Gebrechen »den Schatz an Bildern, die man nach seinem langen Leben im Gedächtnis trägt und denen man sich mit dem Schwinden der Aktivität mit ganz anderer Teilnahme zuwendet als je zuvor. Menschengestalten, die nicht mehr auf Erden sind, leben in uns weiter, leisten uns Gesellschaft und blicken uns aus lebenden Augen an.«

Hermann Hesses Zweit-Lese – eine indische Dichtung

Einige Zeit ist es nun schon her, dass ich „Das Glasperlenspiel“ von Hermann Hesse las, und die Lektüre machte Lust auf mehr Hesse.

„Siddhartha“ ist das erste Buch, welches ich gleich zweimal hintereinander las. Ich musste es einfach noch mal lesen. Überwältigende Literatur. Hermann Hesse schildert uns das Leben des Brahmanensohnes Siddhartha, welcher auszog, um den Urquell seines eigenen Ich zu finden. Und so gibt er uns eine Einführung in den Buddhismus, lässt uns teilhaben an dem Zauber der Versenkung in sich selbst. Ich will nicht schreiben vom gottgefälligen Leben, noch von einer Religion. Ist es doch mehr eine Weltanschauung, eine Sicht auf die Dinge, ein Einssein mit der Welt. Siddhartha sucht und findet doch nichts. image

„Ein Reiher flog über den Bambuswald – und Siddhartha nahm den Reiher in seine Seele auf, flog über Wald und Gebirg, war Reiher, fraß Fische, hungerte Reiherhunger, sprach Reihergekrächz, starb Reihertod. … Er tötete seine Sinne, er tötete seine Erinnerung, er schlüpfte aus seinem Ich in tausend fremde Gestaltungen, war Tier, war Aas, war Stein, war Holz, war Wasser, und fand sich jedesmal erwachend wieder, Sonne schien oder Mond, war wieder Ich, schwang im Kreislauf, fühlte Durst, überwand den Durst, fühlte neuen Durst.“

Er lebt bei den Samanas, indischen Asketen, er hört Gotamas Lehren, die Lehren des Vollendeten, schließlich wendet er sich dem normalen Leben zu, wird Kaufmann, handelt, trinkt, spielt und pflegt auch andere Genüsse nicht zu verachten. Doch auch jetzt sucht er noch ohne etwas zu finden. Er kehrt zu dem Fährmann Vasudeva zurück, welcher ihn schon einmal über den Fluss gesetzt hat. Lernt vom Fluss, vom Fährmann, sucht nicht mehr – und so findet er. Erkennt das Leben, das Göttliche, er erkennt sich, die Welt, die ihn umgibt. Siddhartha hört das „OM“, er erkennt Buddha in Vasudeva, welcher in die Einheit geht:

„Mit tiefer Freude, mit tiefem Ernst blickte er ihm nach, sah seine Schritte voll Frieden, sah sein Haupt voll Glanz, sah seine Gestalt voll Licht.“

Und einige Zeit darauf war auch er, der Brahmanensohn Siddhartha, der Vollendete.

Doch Hermann Hesse schrieb kein Lehrbuch über den Buddhismus, er erzählt uns die Geschichte Siddharthas und vermittelt uns so einen Teil der Lehre Buddhas.

Der Verlag Suhrkamp schreibt dazu:

Siddhartha, 1953 im Suhrkamp Verlag erstmals erschienen und für Generationen zu einem Kultbuch geworden, ist die Legende von der Selbstbefreiung eines jungen Menschen aus den familiären und gesellschaftlichen Konventionen zu einem eigenständigen Leben, ein Buch über die Erkenntnis, daß Bewußtsein nicht überlieferbar ist durch Lehren, sondern nur durch eigene Erfahrung erworben werden kann. In diesem Text sucht Hesse zu ergründen, »was allen Konfessionen und allen menschlichen Formen der Frömmigkeit gemeinsam ist, was über allen nationalen Verschiedenheiten steht, was von jeder Rasse und von jedem Einzelnen geglaubt werden kann«.

„Erzählungen“ – Heinrich Böll

Schon seit einiger Zeit ausgelesen, doch komme ich jetzt erst dazu, das Buch vorzustellen. Versammelt sind 75 Erzählungen, von den Anfängen seiner Schriftstellerei 1937 bis ins Jahr 1982. Als Zugabe noch den Essay „Gibt es eine deutsche Story?“

Böll verarbeitet in seinen Erzählungen, als zuweilen politischer Schriftsteller, die Erlebnisse des 2. Weltkriegs und der Nachkriegszeit. Später dann ergreift er Partei für jene, die aufgrund ihrer politischen Ansichten mit Berufsverbot bedrohten oder belegt wurden, wie in Du fährst zu oft nach Heidelberg. Nicht zu vergessen die hervorragenden Satiren Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral sowie Dr. Murkes gesammeltes Schweigen, in der er die Rundfunkanstalten karikiert. Doch die meisten Funkhäuser haben wohl nichts daraus gelernt. Den Reigen schließt dann die Humoreske In welcher Sprache heißt man Schneckenröder.

Ein im Laufe der Zeit, meines Erachtens nach ab den sechziger Jahren, immer besser werdender Heinrich Böll, hat den 1972 verliehenen Nobelpreis für Literatur zu Recht verdient. Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, zum Sonderpreis von 10 Euro.

Und wieder ein neues Buch

Neuer Samstag – neues Buch. Als ich vorgestern mal kurz in der Innenstadt war, nur um etwas zu erledigen, zog mich dieser Buchladenmagnet einfach in das Geschäft hinein. Protestiert habe ich, sehr sogar. Und mich beschwert (mit eben jenem neuen Buch). Es half aber alles nichts. Ich muss dazusagen, der Ort meiner Beschwerde war bestimmt nicht ganz der richtige. Aber die Eingangstür versprach mir, beim nächsten mal, sich wie von Geisterhand zu öffnen. Derzeit lese ich gern Erzählungen, und im Regal unter Z fiel mir das Buch „Meistererzählungen“ von Stefan Zweig in die Hände. Als Sonderausgabe für nur zehn Euro, sogar mit Lesebändchen. Aus dem Klappentext:

Meistererzählungen

Stefan Zweig war ein Erzähler aus Leidenschaft. Leidenschaft – das ist auch das immer wiederkehrende Thema dieser meisterhaften Erzählungen, Leidenschaft, die schleichend die ganze Existenz zersetzt bis an (und zuweilen über) die Grenze zur Zerstörung: Die erotischen Affekte im ›Amokläufer‹ und in ›Verwirrung der Gefühle‹, die Erschütterung des Zwölfjährigen, als er das ›Brennende Geheimnis‹ der Erwachsenen zu ahnen beginnt, die Leidenschaft des Sammlers, der seine ›Unsichtbare Sammlung‹ präsentiert, oder die des Spielers in der berühmten ›Schachnovelle‹, dem Höhepunkt von Zweigs Erzählkunst. In diesem Band sind die bekanntesten seiner Novellen, von denen viele prominent verfilmt wurden, gesammelt.

Franz Kafka – “Die Erzählungen”

Kafka - ErzählungenGestern las ich die letzten Seiten des Buches und bin beeindruckt von dem Werk. Überzeichnete Charaktere, unverhoffte Wendungen und die nicht vorhersehbaren, überraschenden und abrupten Enden der Erzählungen sind unübertroffen. Dabei sind es meist diese kurzen, oft nur wenige Sätze umfassenden Stücke, welche den Ausdruck „kafkaesk“ prägen. Kurze, traumhafte Geschichten stehen dann wieder wechseln sich mit abgeschlossenen und längeren Werken ab entgegen, welche vom Menschsein handeln.

Dazu noch ein Zitat aus dem „Steuermann“:

„Was ist das für Volk! Denken sie auch oder schlurfen sie nur sinnlos über die Erde?“