Der Sonntagsausflug

An des Sees Ufer sitzen

kleine Spatzen und stibitzen

der feinen Damen Picknickkuchen;

verhalten hört man sie schon fluchen.

Es kreischten die hohen Stimmen der Damen

als die frechen Vögel das Mahl wegnahmen,

und in dem unheilvollen Gewirr

trugen sie fort das feine Geschirr.

Doch durch der Spatzen wildes Geschrei

lockte das auch noch die Raben herbei.

Die Holden liefen nun noch schneller,

zerbrachen dabei die Meißner Teller.

Und an des Sees Ufer laben

sich die Spatzen und die Raben.

Die Damen indes fuhren hungrig heim,

so schön kann doch ein Picknick sein.

Am Glühweinstand belauscht

Das Christkind ruft zum Weihnachtsmann

„Jetzt spann schon mal den Schlitten an!“

 

Heut´ Abend gibt es viel zu tun,

doch danach können wir dann ruh´n.

 

Wir toben durch den Winterwald,

und ist der Schnee auch noch so kalt.

 

Und wenn es uns dann etwas friert,

Claudia den Kamin anschürt.

 

Dort sitzen wir dann mit Glühühühwein,

wie schön kann doch das Leben sein.

Für C. P.

Für C. P.

Des Frühlings milde Triebe,

sie sprossen immer mehr.

Es kam die große Liebe,

du freutest dich so sehr.

 

Es waren schöne Stunden,

voll Freude und voll Glück.

Lebtest für die Sekunden,

doch es gibt kein zurück.

 

Das Herz ist nun zerbrochen,

die Lieb´ wird langsam kalt,

ein Nebel kommt gekrochen,

aus dem düstern´ Wald.

 

Doch siehst du Aufgehen die Sonne,

hinter dem Waldesrand,

zersetzt den Nebel mit Wonne,

knüpft einer neuen Liebe Band.

© Holger Hertel

 

Wieder ein handschriftliches Manuskript gefunden. Ob es von Wayne Heine stammt, ist nicht überliefert. Aus den Anmerkungen kann ich schließen, dass der Poet das Gedicht für eine Bekannte, namentlich C.P., wie es in seinem Titel steht, geschrieben hat. Wollen wir hoffen, dass das Gedicht seinen Zweck erfüllt hat und es dem gebrochenen Herzen besser geht.

Und weil es grad´ so schön ist, lasse ich Heinrich Heine auch noch mal zu Wort kommen:

 

Das Fräulein stand am Meere

Und seufzte lang und bang,

Es rührte sie so sehre

Der Sonnenuntergang.

 

»Mein Fräulein! sein Sie munter,

Das ist ein altes Stück;

Hier vorne geht sie unter

Und kehrt von hinten zurück.«

 

Heinrich Heine, Neue Gedichte

Wiederholungen

Seit einigen Tagen gibt der CD-Spieler im Auto immer nur ein und dieselbe CD wieder. Und das ist gewollt. Meine neueste Errungenschaft, seit Langem habe ich überlegt vertonte Gedichte von Heine zu hören. Und was liegt da am nächsten, wenn man in der Robert-Schumann-Stadt Zwickau wohnt, als die Lieder von Robert Schumann zu kaufen. Gesungen von Peter Schreier, Norman Shelter am Klavier. Eine Platte von früher, neu aufgelegt von Edelrecords. Auf der CD sind 16 Gedichte von Heinrich Heine und 12 Stück von Joseph von Eichendorff. Die Lieder zu hören ist auch eine kurzweilige Art, Gedichte auswendig zu lernen, habe ich festgestellt. Und weil Herr Eichendorff hier noch nicht vertreten ist, wir vor kurzem über die Loreley sprachen, hier eine Waldloreley, eine Variation der Frau auf dem Stein am Rhein:

Waldgespräch

Es ist schon spät, es wird schon kalt,

Was reitst du einsam durch den Wald?

Der Wald ist lang, du bist allein,

Du schöne Braut! Ich führ dich heim!«

»Groß ist der Männer Trug und List,

Vor Schmerz mein Herz gebrochen ist,

Wohl irrt das Waldhorn her und hin,

O flieh! Du weißt nicht, wer ich bin.«

So reich geschmückt ist Roß und Weib,

So wunderschön der junge Leib,

»Jetzt kenn ich dich – Gott steh mir bei!

Du bist die Hexe Lorelei.«

»Du kennst mich wohl – von hohem Stein

Schaut still mein Schloß tief in den Rhein.

Es ist schon spät, es wird schon kalt,

Kommst nimmermehr aus diesem Wald!

Die Sauberkeitskommission

Wie jeden Monatsletzten kam die Sauberkeitskontrolle in unsere Abteilung. Man muss sich das wie den früheren Wettbewerb „Schöner unsere Städte und Gemeinden“ vorstellen. Dann gibt es Punkte für Ordnung und Sauberkeit. Oder eben Minuspunkte, wenn nicht alles sooo ordentlich ist. In diesem Fall gab es einen Minuspunkt, wegen eines Papierschnipsels auf dem Hallenboden. Zu dieser Thematik habe ich dann sogar ein Gedicht gefunden, welches aus der Feder des zu Unrecht vergessenen Dichters Wayne Heine stammt.

Warst einst ein stolzer Bogen,
reinweiß, DIN A vier,
man hatte dich betrogen,
du konntest nichts dafür.

Erst bedruckt und dann zerrissen,
du warst der falsche Bericht.
Liegst du nun völlig verschlissen,
auf deinem Angesicht.

Ein Schnipsel fiel herunter,
und wehte hin und her,
und wehte ziemlich munter,
zum Glück war da kein Teer.

Die Kommission: ein Mann und eine Frau,
sie nahmen es sehr genau.
Sie sahen auf dem Boden genug,
das gab dann Punktabzug.

Nun liegst du in der Gruft,
bist jetzt nicht mehr hier.
Schnupperst der Erden Duft,
wir begruben dich um vier.
Am Sarg knabbert eine Maus,
das Gedicht ist aus.

Dach dem Lesen des Gedichtes drängt sich mir die Frage auf, ob Wayne Heine bei Morgenstern in die Schule gegangen ist, oder ob Christian Morgenstern Wayne Heines Werk zur Vollendung führte. Schade, dass über diesen fast vergessenen Schriftsteller so wenig bekannt ist.

Wahrhaftig

Wenn der Frühling kommt mit dem Sonnenschein,
Dann knospen und blühen die Blümlein auf;
Wenn der Mond beginnt seinen Strahlenlauf,
Dann schwimmen die Sternlein hintendrein;
Wenn der Sänger zwei süße Äuglein sieht,
Dann quellen ihm Lieder aus tiefem Gemüt; –
Doch Lieder und Sterne und Blümelein,
Und Äuglein und Mondglanz und Sonnenschein,
Wie sehr das Zeug auch gefällt,
So macht’s doch noch lang keine Welt.

Heinrich Heine, aus dem Buch der Lieder

Lorelei

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
Daß ich so traurig bin;
Ein Märchen aus alten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kühl und es dunkelt,
Und ruhig fließt der Rhein;
Der Gipfel des Berges funkelt
Im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet
Dort oben wunderbar,
Ihr goldnes Geschmeide blitzet,
Sie kämmt ihr goldenes Haar.

Sie kämmt es mit goldenem Kamme,
Und singt ein Lied dabei;
Das hat eine wundersame,
Gewaltige Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe
Ergreift es mit wildem Weh;
Er schaut nicht die Felsenriffe,
Er schaut nur hinauf in die Höh‘.

Ich glaube, die Wellen verschlingen
Am Ende Schiffer und Kahn;
Und das hat mit ihrem Singen
Die Lorelei getan.

Heinrich Heine

Irgendwie ist mir danach, mal wieder mehr Heine zu lesen. Aus dem „Buch der Lieder“, Abschnitt „Die Heimkehr“. Vor einiger Zeit sah ich im Fernsehen mal einen Bericht darüber, es war wohl 2006 – trotz Mozartjahr wurde dann doch noch an Heinrich Heine und Robert Schumann gedacht, welche ihren 150. Todestag hatten. In dem Bericht wurden unter anderem japanische Touristen gezeigt, die das von Schumann und anderen Komponisten vertonte Lied Gedicht mitsingen konnten.

Fontane

Neueste Väterweisheit

Zieh nun also in die Welt,

Tue beharrlich, was dir gefällt,

Werde keiner Gefühle Beute,

Meide sorglich arme Leute,

Werde kein gelehrter Klauber,

Wissenschaft ist fauler Zauber,

Sei für Rothschild statt für Ranke,

Nimm den Main und laß die Panke,

Nimm den Butt und laß die Flunder,

Geld ist Glück, und Kunst ist Plunder,

Vorwärts auf der schlechtsten Kragge,

Wenn nur unter großer Flagge.

Pred’ge Tugend, pred’ge Sitte,

Millionär ist dann das dritte,

Quäl dich nicht mit »wohlerzogen«.

Vorwärts mit den Ellenbogen,

Und zeig jedem jeden Falles:

»Du bist nichts, und ich bin alles.«

Theodor Fontane

Ein Gedicht

Wo?

Wo wird einst des Wandermüden

Letzte Ruhestätte sein?

Unter Palmen in dem Süden?

Unter Linden an dem Rhein?

Werd ich wo in einer Wüste

Eingescharrt von fremder Hand?

Oder ruh ich an der Küste

Eines Meeres in dem Sand?

Immerhin! Mich wird umgeben

Gotteshimmel, dort wie hier,

Und als Totenlampen schweben

Nachts die Sterne über mir.

Heinrich Heine