Freunde, nicht diese Töne

O doch, möchte ich in die Welt hinaus schrei(b)en. Während allerorten die Konzerthallen zum Jahresausklang Beethovens neunte Sinfonie geben, muss ich doch noch ein wenig granteln. Das Umklappen der letzten Seite von Hesses Steppenwolf, die Weltkrise, die Übernahme der Marken Brockhaus und Harenberg durch Bertelsmann und eine Studie der Stiftung Lesen zwingen mich, dies zu schreiben.

Der Roman „Steppenwolf“ ist schnell erzählt. Hermann Hesse schreibt – biographisch – über die zwei „Ich“, welche abwechselnd in Harry Hallers Innerem die Oberhand gewinnen. Von der Zerrissenheit der Seele, dem Kampf zwischen Kultur (in Gestalt des Steppenwolfes) und Trivialität. So schrieb er zwDer Steppenwolfar über seinen Seelenzustand, doch hält er uns, unserer Gesellschaft, einen Spiegel vor das Gesicht, in dem wir die jetzige Welt allzu verwahrlost sehen. Sehnen sich im Roman die zwei Antagonisten nach einem Gleichgewicht, so ist dieses Kräfteverhältnis schon lang aufgehoben zu Gunsten von einer, und das stammt wiederum von Hesse, feuilletonistischen Zeit. Wobei man den Begriff Feuilleton diesmal mit Unterhaltung – nicht mit Kultur – übersetzen sollte. Es ist diese Jagd nach immer mehr und realer Unterhaltung, nach noch höheren Gewinnen in den Konzernen und beim Privatmann, ein ständiges SchnellerHöherWeiter. Es kann einem Angst und Bange werden, wenn Bertelsmann, oder sollte ich RTL schreiben, Brockhaus endgültig geschluckt hat. Kommt als nächstes der Duden dran? Gibt es als nächstes einen Eintrag im Lexikon „Bauer sucht Frau“? Bei Meyers steht ja nun schon „Big Brother“ drin.

Lasst uns zu Steppenwölfen werden, die Zeit wieder ein wenig zu entschleunigen, dass wieder etwas mehr Kultur in der Waagschale liegt, um das Pendel wieder ins Lot zu bringen.

Doch zurück zum Buch. Im Anhang, persönlich wünschte ich sie mir als Vorwort, stehen die Krisis-Gedichte, aus denen der Roman dann hervorgegangen ist. Erdrückende Einblicke in Hermann Hesses Innerstes.

Das war das Wort zum Jahresende. Blogsatz wünscht euch allen einen Guten Rutsch ins Neue Jahr.