Heute schon gelesen?

Zum Welttag des Buches stelle ich diese Frage. Und ich meine keine Blogpostings sondern die Lektüre eines guten Buches. In unserem Land, dem Land der Dichter und Denker, wird nur noch zwischen 20 und 40 Minuten täglich gelesen. Ich bekenne mich zum Lesen, auch wenn auf Arbeit darüber gewitzelt wird: „Na, heute Abend wieder ein gutes Buch, Glas Wein?“. Doch das stört mich wenig. Um die Bilanz etwas zu erhöhen und meine Kollegen nicht Lügen zu strafen, werde ich mich jetzt mit einem Gläschen Roten und einem Buch auf die Couch verkrümeln.

And the winner is …

Der wichtigste Literaturpreis der USA, der Pulitzer-Preis, geht dieses Jahr, in der McCarthyKategorie Roman, an Cormac McCarthy. Er bekommt ihn für seinen Endzeitroman „Die Straße“. McCarthy wurde 1933 geboren und lebt derzeit in Santa Fe, New Mexico. Bekannt wurde er erst mit seinem sechsten Roman, „All die schönen Pferde“, der im Jahr 2000 auch verfilmt wurde. Bisher wurden ihm unter anderem noch der William Faulkner Award und der National Book Award verliehen. Und hier der Klappentext des Romans „Die Straße“:

Ein Vater und sein Sohn wandern durch ein verbranntes Amerika. Nichts bewegt sich in der zerstörten Landschaft, nur die Asche im Wind. Es ist eiskalt, der Schnee grau. Ihr Ziel ist die Küste, obwohl sie nicht wissen, was sie dort erwartet. Sie haben nichts als einen Revolver mit zwei Schuss Munition, ihre Kleider am Leib, eine Einkaufskarre mit der nötigsten Habe – und einander. „Die Straße“ ist die bewegende Geschichte einer Reise, die keine Hoffnung lässt, nur die verzweifelte Liebe des Vaters zu seinem kränkelnden Sohn. Von der US-amerikanischen Kritik als „Meisterwerk“ (Booklist) und als „das dem Alten Testament am nächsten kommende Buch der Literaturgeschichte“ (Publishers Weekly) apostrophiert, ist dies der Höhepunkt von McCarthys außergewöhnlichem literarischem Werk. Es ist ein Roman über die letzten Dinge, über das Schlimmste und Beste, zu dem die Menschheit fähig ist: ultimative Zerstörung, verzweifeltes Durchhaltevermögen und, nicht zuletzt, die Zärtlichkeit und Zuneigung, die Menschen im Angesicht der Vernichtung Kraft zum Überleben geben.

Das Buch werde ich wohl noch meiner Wunschliste hinzufügen, obwohl mir nach dem gestrigen „Pleiten-Pech-und Pannen“ Arbeitstag nach aufmunternderer Lektüre zumute ist.

Und wieder ein neues Buch

Neuer Samstag – neues Buch. Als ich vorgestern mal kurz in der Innenstadt war, nur um etwas zu erledigen, zog mich dieser Buchladenmagnet einfach in das Geschäft hinein. Protestiert habe ich, sehr sogar. Und mich beschwert (mit eben jenem neuen Buch). Es half aber alles nichts. Ich muss dazusagen, der Ort meiner Beschwerde war bestimmt nicht ganz der richtige. Aber die Eingangstür versprach mir, beim nächsten mal, sich wie von Geisterhand zu öffnen. Derzeit lese ich gern Erzählungen, und im Regal unter Z fiel mir das Buch „Meistererzählungen“ von Stefan Zweig in die Hände. Als Sonderausgabe für nur zehn Euro, sogar mit Lesebändchen. Aus dem Klappentext:

Meistererzählungen

Stefan Zweig war ein Erzähler aus Leidenschaft. Leidenschaft – das ist auch das immer wiederkehrende Thema dieser meisterhaften Erzählungen, Leidenschaft, die schleichend die ganze Existenz zersetzt bis an (und zuweilen über) die Grenze zur Zerstörung: Die erotischen Affekte im ›Amokläufer‹ und in ›Verwirrung der Gefühle‹, die Erschütterung des Zwölfjährigen, als er das ›Brennende Geheimnis‹ der Erwachsenen zu ahnen beginnt, die Leidenschaft des Sammlers, der seine ›Unsichtbare Sammlung‹ präsentiert, oder die des Spielers in der berühmten ›Schachnovelle‹, dem Höhepunkt von Zweigs Erzählkunst. In diesem Band sind die bekanntesten seiner Novellen, von denen viele prominent verfilmt wurden, gesammelt.

Zum Geburtstag von Wilhelm Busch

DILEMMA

Das glaube mir – so sagte er –

Die Welt ist mir zuwieder,

Und wenn die Grübelei nicht wär´,

So schöß ich mich darnieder.

Was aber wird nach diesem Knall

Sich späterhin begeben?

Warum ist mir mein Todesfall

So eklig wie mein Leben?

Mir wäre doch, potzsapperlot,

Der ganze Spaß verdorben,

Wenn man am Ende gar nicht tot,

Nachdem daß man gestorben.

Orwells Realität

Gegenwärtig – in Bezug auf Herrn Schäubles tun und Herrn Oettingers reden – fühlt man sich in George Orwells „1984“ hineinversetzt.

Der Ministerpräsident Oettinger möchte gern die Vergangenheit umformen, vergaß dabei aber vorliegende Schriften zu fälschen und die Originale ins >>Gedächtnis-Loch<< zu werfen. Das Literaturcafe weist in diesem Zusammenhang auf die Erzählung „Ein Kriegsende“ von Siegfried Lenz hin.

Darin geht es um das Minensuchboot MX 12, welches den Befehl erhält, nach Kurland zu laufen, um dort Verwundete nach Hause zu holen. Während das Boot, trotz der Aussichtslosigkeit des Unterfangens, Kurs hält, wird bei Lüneburg eine Teilkapitulation unterzeichnet. Kommandant Kaleu hält an der Operation fest, wird seines Kommandos enthoben und die Mannschaft nimmt Gegenkurs, obwohl ein neuerlicher Funkspruch der Flotille das Unternehmen bestätigt. Die letzten Meilen von einem Schnellboot eskortiert, lief MX 12 in den Heimathafen ein. Die Besatzung wurde festgenommen und unter britischen Gewahrsam gestellt. Dennoch galt für Angehörige der Marine die deutsche Militärgerichtsbarkeit weiter, es kam zum Prozess. Die Mannschaft wurde zu Arrest, der Steuermann Heimsohn sowie der Feuerwerker Jellinek zum Tode verurteilt. Die Urteile wurden vollstreckt.

Herr Oettinger und ein Teil seiner Partei möchten wohl an seiner Rede keinen Zweifel aufkommen lassen. George Orwell schreibt dazu:

„Und wenn alle anderen die von der Partei oktroyierte Lüge akzeptierten – wenn alle Berichte gleich lauteten -, dann ginge die Lüge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit.“ Aus „1984“, Seite 45.

Doch nun zu Herrn Schäuble. Seit meinem letzten Eintrag dazu sind wieder neue Ungeheuerlichkeiten dazugekommen. Die Polizei soll, die in den Meldeämtern gespeicherte Passfotos sowie Fingerabdrücke der neuen Reisepässe, abrufen dürfen. Doch damit nicht genug. Auf einmal geht es auch um sämtliche bei den Behörden gespeicherten Passfotos. Da ja die Überwachung durch die Mautbrücken auch beschlossen ist und die neuen Reisepässe einen drahtlos auslesbaren RFID-Chip beherbergen, hier mein Vorschlag an den Bundesinnenminister. Verpflichten Sie jeden Bürger einen solchen Pass ständig bei sich zu führen. Rüsten sie die Mautstationen, öffentliche Verkehrsmittel und Plätze, Hauseingänge und Kaufhäuser mit leistungsfähigen Lesegeräten aus. So wissen sie ständig unseren Aufenthaltsort, ohne eine komplizierte Implantation der Chips in unsere Köpfe durchzuführen. Und wenn Ihnen dann mal das Geld ausgehen sollte, verkaufen sie einfach einen Teil der Daten an die Werbeindustrie.

Noch sind unsere Gedanken frei! Und so schnell kommen Sie auch nicht dahinter. Ich lasse nochmal Orwell zu Wort kommen:

„Bei all ihrer Gerissenheit hatten sie doch nie das Problem gelöst, wie man herausfand, was ein anderer dachte.“ Aus „1984“, Seite 203.

Menschenallergie

Laut einem Artikel in der Welt haben schottische Wissenschaftler herausgefunden, dass immer mehr Haustiere eine Allergie auf menschliche Haare und dergleichen bekommen. Also gibt es nicht nur Menschen, welche auf Tierhaare allergisch reagieren, sondern jetzt auch Tiere, die eine Allergie auf Menschen entwickeln. Dazu ein passendes Zitat von Franz Kafka, aus der Erzählung „Ein Bericht für eine Akademie“:

„Manchmal überkommt mich ein solcher Widerwille vor Menschen, daß ich dem Brechreiz kaum widerstehen kann. Das hat natürlich nichts mit dem einzelnen zu tun, nichts mit Ihrer liebenswürdigen Gegenwart. Es geht gegen alle Menschen.“

Herzogin Anna Amalia

Heute hat Anna Amalia, die Gründerin gleichnamiger Bibliothek, ihren 200. Todestag. Auch aus diesem Anlass legt die Süddeutsche Zeitung eine neue Edition mit 12 Werken weltbekannter Schriftsteller auf, welche unter dem Titel „Bibliotheca Anna Amalia“ bei der SZ-Mediathek eingestellt ist und auch als Hörbuch-Edition erhältlich ist.

Wir haben doch nichts zu verbergen

Inspiriert durch Herrn Schäubles Datensammelwut lenkte ich meine Schritte gen Buchladen und erstand George Orwells Roman „1984“.

Nachdem ja die Überwachung öffentlicher Plätze beinahe zur Selbstverständlichkeit gehört (wir benehmen uns doch in aller Öffentlichkeit!) und der Bundestrojaner unsere Festplatten durchschnüffelt, doch auch da haben wir ja nichts Verbotenes abgespeichert – also was soll´s, liest man in dem Buch noch weitere Fiktionen. Ich wette, der Herr Bundesinnenminister las diesen Roman auch und es weckte in ihm die Begehrlichkeit nach ebenso großer Überwachung. Deshalb setzte er wohl diese orwellschen Gedanken auf seine „zu Erledigen“-Liste.

Hier noch ein Auszug aus dem Klappentext:

Winston Smith lebt in einem totalitären Überwachungsstaat. Seine Aufgabe ist es, im Wahrheitsministerium Zeitungsberichte zu fälschen, z. B. um aus politischen Gründen Ermordete aus der Geschichte zu streichen. Obwohl Smith für die Partei arbeitet, ist er in seinem Inneren ein Gegner des Systems. Eines Tages verliebt sich Smith in Julia mit den rebellischen Augen. Da laut Parteistatut jedoch Sexualität nur zur Fortpflanzung dient, beginnt ein gefährliches Versteckspiel …

Franz Kafka – “Die Erzählungen”

Kafka - ErzählungenGestern las ich die letzten Seiten des Buches und bin beeindruckt von dem Werk. Überzeichnete Charaktere, unverhoffte Wendungen und die nicht vorhersehbaren, überraschenden und abrupten Enden der Erzählungen sind unübertroffen. Dabei sind es meist diese kurzen, oft nur wenige Sätze umfassenden Stücke, welche den Ausdruck „kafkaesk“ prägen. Kurze, traumhafte Geschichten stehen dann wieder wechseln sich mit abgeschlossenen und längeren Werken ab entgegen, welche vom Menschsein handeln.

Dazu noch ein Zitat aus dem „Steuermann“:

„Was ist das für Volk! Denken sie auch oder schlurfen sie nur sinnlos über die Erde?“