Lorelei

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
Daß ich so traurig bin;
Ein Märchen aus alten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kühl und es dunkelt,
Und ruhig fließt der Rhein;
Der Gipfel des Berges funkelt
Im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet
Dort oben wunderbar,
Ihr goldnes Geschmeide blitzet,
Sie kämmt ihr goldenes Haar.

Sie kämmt es mit goldenem Kamme,
Und singt ein Lied dabei;
Das hat eine wundersame,
Gewaltige Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe
Ergreift es mit wildem Weh;
Er schaut nicht die Felsenriffe,
Er schaut nur hinauf in die Höh‘.

Ich glaube, die Wellen verschlingen
Am Ende Schiffer und Kahn;
Und das hat mit ihrem Singen
Die Lorelei getan.

Heinrich Heine

Irgendwie ist mir danach, mal wieder mehr Heine zu lesen. Aus dem „Buch der Lieder“, Abschnitt „Die Heimkehr“. Vor einiger Zeit sah ich im Fernsehen mal einen Bericht darüber, es war wohl 2006 – trotz Mozartjahr wurde dann doch noch an Heinrich Heine und Robert Schumann gedacht, welche ihren 150. Todestag hatten. In dem Bericht wurden unter anderem japanische Touristen gezeigt, die das von Schumann und anderen Komponisten vertonte Lied Gedicht mitsingen konnten.