einfach nur tippen

Ich muss einfach nur etwas schreiben, um nicht ins Grübeln über die Arbeit zu fallen. Das lenkt einen etwas ab. Letzte Woche wurde ich auf einem anderen Arbeitsplatz angelernt, diese und nächste Woche muss ich´s schon allein bringen. Der Chef hat Urlaub und ich soll ihn vertreten. Sein Vorgesetzter hat auch Urlaub, das SAP-Team weilt diese Woche in einem zur Firmengruppe gehörenden Werk in Schweden. „Du könntest ja eine E-Mail schreiben, wenn was wäre.“ Das sagte man mir. Der Fahrer, welcher dann auf die Lieferscheine wartet, wäre sicher hoch erfreut. Irgendwie komme ich mir ein klein wenig verkohlt vor bei der Sache. Zumal ich nicht der Karrieretyp bin, der sich darüber freute, zwei Wochen „Chef“ zu spielen. Vor Jahren, ich glaube es war 1998, kurz vor der Bundestagswahl, bot mir das AA eine Stelle als Hofkehrer an. Manchmal sehnte ich mich danach. Böte es mir doch den ganzen Tag die Gelegenheit, sich über Gott und die Welt Gedanken zu machen, anstatt selbst zu Hause noch über den Tag zu sinnieren, ob man auch alles Recht erledigt hat.

Morgen komme ich eh´ nicht zum Nachdenken. Mittwoch kommen die Handwerker nach Haus, da habe ich noch einiges zu tun, bisschen schrauben, umräumen….

Außerdem habe ich noch einen großen Vorrat an noch nicht gehörter, klassischer Musik und ungetrunkenem Rotwein. Im Augenblick schallt Beethovens 4. Sinfonie aus den Lautsprechern. Als gestern Abend meine Frau von Mittagschicht kam, sagte sie mir das bestimmt nicht alle Hausbewohner auf diese Art Musik stehen und ob ich nicht ein klein wenig die Lautstärke runter drehen könnte. Schließlich hatte ich auch noch die Fenster sperrangelweit auf. Vielleicht gewöhne ich mir an, ab einer gewissen Uhrzeit die Kopfhörer zu aktivieren. Da kann man dann auch auf der Terrasse weiterhören, trinken, schreiben. Falls doch einer der Nachbarn sich nicht unbedingt mit Bruckner, Tschaikowski und Beethoven anfreunden kann.

Den Selbstversuch mit der Terrasse breche ich jetzt ab, es zieht ein Gewitter auf. Nicht auszudenken, wenn der Blitz in die Funkkopfhörer einschlägt und das Gehirn durcheinanderwirbelt. Obwohl, warum auch nicht! Manchmal wäre man dann klüger.

Ohrenschmaus

Vorhin übertrug der Radiosender Bayern 4 klassik die lyrische Oper „Iolanta“ von Tschaikowski. Und Ende Dezember musste ich meine HiFi-Anlage zu Grabe tragen. Einige von Euch spendeten Trost in dieser für mich schweren Stunde der Abschiednahme. Dafür sei Euch von Herzen gedankt.

Doch nun lasst uns feiern, jauchzen und frohlocken. Ich genoss die Oper, auf der Couch liegend und mit einem Glas Rotwein in der Hand, in schönstem Stereoton. Ja, meine Freunde, in der Stube stehen neue Lautsprecher und eine neue Musikanlage.

Halbiert

Aus dem Chemieunterricht längst vergangener Jahre kenne ich noch den Begriff der Halbwertszeit bei radioaktiven Elementen. Ich musste nun feststellen, dass meine Hi-Fi-Anlage auch eine Halbwertszeit besitzt. Nur dass diese jetzt plötzlich und unerwartet eingetreten ist. War da zu lang das Radio aktiv? Oder der falsche Sender eingestellt? Von den zwei Kanälen hat sich der linke in den Ruhestand verabschiedet. Nun weiß man ja über die Atome, dass die Halbwertszeit bei manchen tausende von Jahren beträgt, bei wieder anderen nur paar Tage. Die Musikanlage hat eine Zeit von 17,4 Jahren. Das heißt, ich könnte jetzt noch siebzehn Jahre nur den rechten Kanal hören, bevor auch dieser für immer verstummt. Oder ich kaufe eine Neue, in der Hoffnung, auch siebzehn Jahre Freude damit zu haben.

Wiederholungen

Seit einigen Tagen gibt der CD-Spieler im Auto immer nur ein und dieselbe CD wieder. Und das ist gewollt. Meine neueste Errungenschaft, seit Langem habe ich überlegt vertonte Gedichte von Heine zu hören. Und was liegt da am nächsten, wenn man in der Robert-Schumann-Stadt Zwickau wohnt, als die Lieder von Robert Schumann zu kaufen. Gesungen von Peter Schreier, Norman Shelter am Klavier. Eine Platte von früher, neu aufgelegt von Edelrecords. Auf der CD sind 16 Gedichte von Heinrich Heine und 12 Stück von Joseph von Eichendorff. Die Lieder zu hören ist auch eine kurzweilige Art, Gedichte auswendig zu lernen, habe ich festgestellt. Und weil Herr Eichendorff hier noch nicht vertreten ist, wir vor kurzem über die Loreley sprachen, hier eine Waldloreley, eine Variation der Frau auf dem Stein am Rhein:

Waldgespräch

Es ist schon spät, es wird schon kalt,

Was reitst du einsam durch den Wald?

Der Wald ist lang, du bist allein,

Du schöne Braut! Ich führ dich heim!«

»Groß ist der Männer Trug und List,

Vor Schmerz mein Herz gebrochen ist,

Wohl irrt das Waldhorn her und hin,

O flieh! Du weißt nicht, wer ich bin.«

So reich geschmückt ist Roß und Weib,

So wunderschön der junge Leib,

»Jetzt kenn ich dich – Gott steh mir bei!

Du bist die Hexe Lorelei.«

»Du kennst mich wohl – von hohem Stein

Schaut still mein Schloß tief in den Rhein.

Es ist schon spät, es wird schon kalt,

Kommst nimmermehr aus diesem Wald!

Musikgeschmack

In einer heutigen Radiosendung bei „MDR-Figaro“ wurde eine Jazzversion von einem Popsong der späten 80er-Jahre gespielt, wobei es zu erraten galt, wer das Lied im Original schrieb. Manche erkannten das Lied erst, nachdem das Original lief. Ich wusste zwar, um welchen Song es sich handelt, konnte auch das Jahrzehnt bestimmen, doch nur der Name der Gruppe ist mir nicht in den Sinn gekommen. Mein Kommentar dazu war: „Ich kenne halt das neumodische Zeugs nicht!“ Die Lösung lautete auf „Pet Shop Boys – It´s a sinn“. (Ich weiß nicht, ob das richtig geschrieben ist, kenne es ja nicht weiter.) Gut, das Lied ist schon an die 20 Jahre alt, aber meine Musikkenntnisse und der Geschmack sind irgendwie Ende der Siebziger stehengeblieben. Soll aber nicht heißen, dass ich mir keine Musik anhöre, die derzeit produziert wird. Irgendwo wird man ja immer beschallt. Und außerdem gibt es ja noch Künstler – ja, richtige Künstler – welche über 40 Jahre schon erfolgreich auf der Bühne stehen und Platten produzieren. Viele Grüße an Neil Young und Bob Dylan.