Verschlusssache

Ein Artikel in der Freitagsausgabe unserer Tageszeitung ließ mich wachsam werden und lud mich zum Recherchieren ein. Und beim nachmittäglichen Einkauf zahlte es sich aus.

Durch den Bericht erfuhr ich, dass immer mehr Weingüter ihre Flaschen mit Schraubverschluss ausstatten. Dargelegt wurden die verschiedenen Typen von Weinverschlüssen, angefangen mit dem herkömmlichen Korkeichenverschluss über das Pendant aus Kunststoff, dann der Schraubverschluss und schließlich noch ein Glasstopfen, der „VinoLok“, welchen ich aber bisher noch nie sah, respektive entfernen durfte.

Bemerkenswert ist, selbst im Segment der Premiumweine ist der normale Korken nur noch mit gut sechzig Prozent vertreten. Geschuldet wird dies dem Geschmack, wir müssen dann nicht immer rufen „Herr Ober, der Wein schmeckt nach Kork“. Allein die Nobelweine werden noch zu über 80 % „entkorkt“. Ein Grund dafür ist wohl die Lagerung, über andere Verschlüsse mit längerer Liegezeit ist noch nicht viel bekannt. Als Vorreiter alternativer Verschlussmethoden sehe ich den Frankenwein in der traditionellen Bocksbeutelform. Hier sind schon bei den einfachen Weinen drei Viertel der abgefüllten Flaschen alternativ verschlossen, die besseren Weine zur Hälfte. Einen Schraubbocksbeutel öffnete ich schon mal, vor einiger Zeit erstand ich mal eine Viertelliterprobierflasche eines fränkischen Rotweines, die normale Größe war dann auch normal verschlossen.

Nach dieser Recherche und dem Zeitungsartikel stelle ich mich heute als Testperson zur Verfügung. Ich kaufte einen 6 €-Wein mit Schraubverschluss. Gut, ich weiß, für sechs Euro bekommt man keinen Premiumwein, aber es ist ja nur zu Testzwecken. Was soll ich sagen – er schmeckt!

Welchen Verschluss bevorzugt ihr; braucht ihr das Geräusch eines herausrutschenden Korkens oder schraubt ihr auch?

einfach nur tippen

Ich muss einfach nur etwas schreiben, um nicht ins Grübeln über die Arbeit zu fallen. Das lenkt einen etwas ab. Letzte Woche wurde ich auf einem anderen Arbeitsplatz angelernt, diese und nächste Woche muss ich´s schon allein bringen. Der Chef hat Urlaub und ich soll ihn vertreten. Sein Vorgesetzter hat auch Urlaub, das SAP-Team weilt diese Woche in einem zur Firmengruppe gehörenden Werk in Schweden. „Du könntest ja eine E-Mail schreiben, wenn was wäre.“ Das sagte man mir. Der Fahrer, welcher dann auf die Lieferscheine wartet, wäre sicher hoch erfreut. Irgendwie komme ich mir ein klein wenig verkohlt vor bei der Sache. Zumal ich nicht der Karrieretyp bin, der sich darüber freute, zwei Wochen „Chef“ zu spielen. Vor Jahren, ich glaube es war 1998, kurz vor der Bundestagswahl, bot mir das AA eine Stelle als Hofkehrer an. Manchmal sehnte ich mich danach. Böte es mir doch den ganzen Tag die Gelegenheit, sich über Gott und die Welt Gedanken zu machen, anstatt selbst zu Hause noch über den Tag zu sinnieren, ob man auch alles Recht erledigt hat.

Morgen komme ich eh´ nicht zum Nachdenken. Mittwoch kommen die Handwerker nach Haus, da habe ich noch einiges zu tun, bisschen schrauben, umräumen….

Außerdem habe ich noch einen großen Vorrat an noch nicht gehörter, klassischer Musik und ungetrunkenem Rotwein. Im Augenblick schallt Beethovens 4. Sinfonie aus den Lautsprechern. Als gestern Abend meine Frau von Mittagschicht kam, sagte sie mir das bestimmt nicht alle Hausbewohner auf diese Art Musik stehen und ob ich nicht ein klein wenig die Lautstärke runter drehen könnte. Schließlich hatte ich auch noch die Fenster sperrangelweit auf. Vielleicht gewöhne ich mir an, ab einer gewissen Uhrzeit die Kopfhörer zu aktivieren. Da kann man dann auch auf der Terrasse weiterhören, trinken, schreiben. Falls doch einer der Nachbarn sich nicht unbedingt mit Bruckner, Tschaikowski und Beethoven anfreunden kann.

Den Selbstversuch mit der Terrasse breche ich jetzt ab, es zieht ein Gewitter auf. Nicht auszudenken, wenn der Blitz in die Funkkopfhörer einschlägt und das Gehirn durcheinanderwirbelt. Obwohl, warum auch nicht! Manchmal wäre man dann klüger.

Montagefehler

Reparatur – Schlauch abmontiert

100 Arbeiter – kontaminiert

Was haben die gedacht, kommt aus dem Schlauch heraus, wenn sie ihn abschrauben? Weinpulver? Milchkaffee?

Seien wir doch ehrlich; es war der Versuch der örtlichen Winzergenossenschaft, heimlich ihre Hänge damit zu düngen. Bei dem Versuch, es den Franzosen nach zu machen, schnitten die Südafrikaner schlechter ab. Das AKW wurde heruntergefahren, ohne dass etwas Radioaktivität austrat. Beim nächsten Mal sind sie hoffentlich schlauer. Es wäre doch jammerschade, wenn der südafrikanische Wein hinter dem französischen zurück steht. Gespannt warte ich jetzt auf weitere Meldungen aus Spanien und Australien – es sind weitere meiner bevorzugten Weinregionen.

Die Winzer um das Gebiet Tricastin werden sogar ihr Anbaugebiet umbenennen, wie der Verbandschef der Vereinigung mitteilt. Es sieht ja auch komisch aus, wenn auf dem Rückenetikett „abgefüllt im AKW“ steht. Einen neuen Namen hätte ich auch schon für den Wein: „Tricatom“.

Jetzt genieße ich noch den Rest meines spanischen Gran Reserva, welcher neben mir im Glase leuchtet.

Anderthalb Zentner

ist das Gewicht des in die Flüsse entschwundenen Urans im französischen Tricastin. Doch verstehe ich jetzt die ganze Aufregung nicht. Es bringt doch auch eine Menge Vorteile. Bekanntermaßen ist diese Region ein Weinanbaugebiet der südlichen Rhône. Da freue ich mich schon auf den Jahrgang 2008, der Rotwein kommt dann wirklich mit schönen „leuchtenden“ rubinfarben daher. Außerdem können die Winzer dadurch die Weinlese auch nachts machen. Es wäre nur von einer EU-Kommision zu klären, ob dieser Zustand ein Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Winzerkollegen ist. Falls dem so sein sollte, könnten die hessischen Weinbauern in Biblis ähnliches veranstalten. Und schon kommt ein: „Ich sage JA zu deutschem Wein“ über meine Lippen. Gekeltert aus der Rebsorte Cabernet Uran.

Doch ehe nun Skeptiker da etwas anzweifeln wollen, sage ich Ihnen, dass ich weiß, wovon ich schreibe. Vor Jahren wurden hier die radioaktiven Abfälle der Wismut unter anderem zum Straßenbau und als Füllmaterial für Waldwege verwendet. Seitdem sparen wir uns die Straßenbeleuchtung und gehen nachts Pilze sammeln.

Das Wort zum Donnerstag

Leider wurde mir von Flocke der Kommentar zum gestrigen „heute-journal“ mit dem Starsprecher Harald >>Dirty Harry<< Schmidt untersagt, mit dem Hinweis, ich könne ja eine Weinkritik schreiben. Die Rezension des Auftritts von H. Schmidt dann selbstverständlich bei Krötengrün. Nun gut.

Leicht nussiger Geschmack, ein kleiner Hauch Himbeere, dazu eine Nuance Holz. Im Abgang war Herr Schmidt der Wein sehr lang anhaltend.

Ich kann es dann doch nicht lassen. Nach dem ersten Satz fühlte ich mich zum „Das Wort zum Sonntag“ hineinversetzt. Persönlich hätte ich mir als Interviewpartner des Herrn Ministers Schäuble den Meister selbst gewünscht, natürlich aber in seiner gewohnten, zynisch-ironischen Art.