Genesen

Nachdem der Buchversand das ersehnte Paket auf Arbeit zugestellt hat – ich erwäge dort einen Zweitwohnsitz zu eröffnen; zwölf Stunden hier, der Rest dort – bessert sich mein Gemütszustand. Charles Bukowski sei Dank. Gleich auf den ersten Seiten wunderbar glitzernde Perlen aus Buk´s Feder.

„Es überrascht mich nicht, daß die Irrenanstalten und Gefängnisse voll sind, und die Straßen auch. Um mich zu beruhigen, sehe ich gern meinen Katzen zu. Die geben mir ein gutes Gefühl. Aber steckt mich nicht in ein Zimmer voll Mitmenschen. Bloß nicht. Besonders an Feiertagen. Bitte nicht.“

Charles Bukowski aus „Den Göttern kommt das große Kotzen“

Und gleich noch etwas bezeichnendes, es trifft auch gut auf die schockierte Kollegin:

„Immerhin rechne ich damit, morgen früh wieder aufzuwachen. Und wenn ich es eines Morgens nicht mehr tue, auch gut. Dann brauche ich keine Fliegengitter mehr, keine Rasierklingen, Rennprogramme und Anrufbeantworter.“

Charles Bukowski aus „Den Göttern kommt das große Kotzen“

Hermann Hesses Zweit-Lese – eine indische Dichtung

Einige Zeit ist es nun schon her, dass ich „Das Glasperlenspiel“ von Hermann Hesse las, und die Lektüre machte Lust auf mehr Hesse.

„Siddhartha“ ist das erste Buch, welches ich gleich zweimal hintereinander las. Ich musste es einfach noch mal lesen. Überwältigende Literatur. Hermann Hesse schildert uns das Leben des Brahmanensohnes Siddhartha, welcher auszog, um den Urquell seines eigenen Ich zu finden. Und so gibt er uns eine Einführung in den Buddhismus, lässt uns teilhaben an dem Zauber der Versenkung in sich selbst. Ich will nicht schreiben vom gottgefälligen Leben, noch von einer Religion. Ist es doch mehr eine Weltanschauung, eine Sicht auf die Dinge, ein Einssein mit der Welt. Siddhartha sucht und findet doch nichts. image

„Ein Reiher flog über den Bambuswald – und Siddhartha nahm den Reiher in seine Seele auf, flog über Wald und Gebirg, war Reiher, fraß Fische, hungerte Reiherhunger, sprach Reihergekrächz, starb Reihertod. … Er tötete seine Sinne, er tötete seine Erinnerung, er schlüpfte aus seinem Ich in tausend fremde Gestaltungen, war Tier, war Aas, war Stein, war Holz, war Wasser, und fand sich jedesmal erwachend wieder, Sonne schien oder Mond, war wieder Ich, schwang im Kreislauf, fühlte Durst, überwand den Durst, fühlte neuen Durst.“

Er lebt bei den Samanas, indischen Asketen, er hört Gotamas Lehren, die Lehren des Vollendeten, schließlich wendet er sich dem normalen Leben zu, wird Kaufmann, handelt, trinkt, spielt und pflegt auch andere Genüsse nicht zu verachten. Doch auch jetzt sucht er noch ohne etwas zu finden. Er kehrt zu dem Fährmann Vasudeva zurück, welcher ihn schon einmal über den Fluss gesetzt hat. Lernt vom Fluss, vom Fährmann, sucht nicht mehr – und so findet er. Erkennt das Leben, das Göttliche, er erkennt sich, die Welt, die ihn umgibt. Siddhartha hört das „OM“, er erkennt Buddha in Vasudeva, welcher in die Einheit geht:

„Mit tiefer Freude, mit tiefem Ernst blickte er ihm nach, sah seine Schritte voll Frieden, sah sein Haupt voll Glanz, sah seine Gestalt voll Licht.“

Und einige Zeit darauf war auch er, der Brahmanensohn Siddhartha, der Vollendete.

Doch Hermann Hesse schrieb kein Lehrbuch über den Buddhismus, er erzählt uns die Geschichte Siddharthas und vermittelt uns so einen Teil der Lehre Buddhas.

Der Verlag Suhrkamp schreibt dazu:

Siddhartha, 1953 im Suhrkamp Verlag erstmals erschienen und für Generationen zu einem Kultbuch geworden, ist die Legende von der Selbstbefreiung eines jungen Menschen aus den familiären und gesellschaftlichen Konventionen zu einem eigenständigen Leben, ein Buch über die Erkenntnis, daß Bewußtsein nicht überlieferbar ist durch Lehren, sondern nur durch eigene Erfahrung erworben werden kann. In diesem Text sucht Hesse zu ergründen, »was allen Konfessionen und allen menschlichen Formen der Frömmigkeit gemeinsam ist, was über allen nationalen Verschiedenheiten steht, was von jeder Rasse und von jedem Einzelnen geglaubt werden kann«.

Erklärung

Da man in letzter Zeit nicht nur fröhliches in den Blogs liest, hier der Versuch einer Erklärung:

Es gibt Menschen, auf welche eine solche Reihe Ungemach aus heiterm Himmel fällt, daß sie endlich da stehen und das hagelnde Gewitter über sich ergehen lassen: so wie es auch andere gibt, die das Glück mit solchem ausgesuchten Eigensinne heimsucht, daß es scheint, als kehrten sich in einem gegebenen Falle die Naturgesetze um, damit es nur zu ihrem Heile ausschlage.

Adalbert Stifter: Studien. Abdias

Impressumspflicht

Heute Vormittag wurde ich von Claudia Johann darauf aufmerksam gemacht, dass auch ich, als Privatblogger, die Pflicht habe, ein Impressum auf meiner Seite zu veröffentlichen. Nun, dieser leidigen Pflicht bin ich jetzt nachgekommen. Ansonsten drohte wohl irgendwann eine Abmahnung eines windigen Rechtsanwaltes. Das Impressum ist geklaut bei Claudia.

Dazu fällt mir ein Satz von Heinrich Heine ein, den ich gern zitieren möchte:

Die Advokaten, die Bratenwender der Gesetze, die so lange die Gesetze wenden und anwenden, bis ein Braten für sie dabei abfällt, …

Heinrich Heine: Aus den Memoiren des Herren von Schnabelewopski.

Die Welt ohne uns – Alan Weisman

Nein, er verteufelt uns nicht. Doch will er uns zum Nachdenken anregen.

Der Kerngedanke des Buches ist die Entwicklung der Erde ohne den Menschen. Zum einen beschreibt Weisman detailliert und bildhaft, wie die Natur sich ohne uns weiterentwickelt, an bestimmten Beispielen wie der zypriotischen Stadt Varoscha, welche im Sperrgebiet liegt und seit 1974 nicht mehr bewohnt ist, oder den Stätten der Maya, die mittlerweile ganz von der Natur zurückerobert wurden. Anderseits streift er die Entwicklung, welche die Erde eingeschlagen hätte, wenn wir uns gar nicht erst zum Homo sapiens entwickelt hätten.

„Die Menschheit in ihrer Gesamtheit ist unzähligen anderen Arten zu Dank verpflichtet. Ohne sie könnten wir nicht existieren. So einfach ist das. Wir können es uns nicht leisten, sie zu vernachlässigen – so wenig wie wir die Erde vernachlässigen dürfen, die uns alle hervorbringt und am Leben weltohneuns erhält. Die Erde könnte ohne uns sein, aber wir nicht ohne die sie.“

Unsere herangezüchteten Nutztiere gingen wohl unter oder müssten sich im weiteren Verlauf der Evolution genetisch an die neue Situation anpassen. Selbst Ratten und Küchenschaben sind so von den Menschen abhängig, dass sie dem Untergang preisgegeben sind. Einzig die Hauskatze, jetzt noch schnurrend im Sessel liegend, profitierte von ihren seit tausenden Jahren unveränderten Genen und bediente sich auf dem immer reichhaltiger werdenden Buffet.

Zu kämpfen hätte die Erde nur mit unseren neueren Errungenschaften, dem Kunststoff sowie der Strahlung aus den langsam zerfallenden Kernkraftwerken und den irgendwann verrotteten Atomwaffen.

Alan Weisman schreibt dabei nicht oberlehrerhaft oder verliert sich in wissenschaftlichen Formulierungen, sein Buch ist leicht verständlich und von der Ersten bis zur letzten Seite informativ und lesenswert.

„Die Natur führt einen fortwährenden Kleinkrieg gegen seine Brücken. Die Waffen und Truppen dieses Gegners nehmen sich lächerlich winzig neben dem stahlbewehrten Giganten aus, doch es wäre ein fataler Fehler, den unablässig herabregnenden Vogelkot gering zu schätzen, der Pflanzensamen enthält und gleichzeitig den Farbanstrich auflöst. Del Tufo kämpft gegen einen primitiven, aber unermüdlichen Feind, dessen Stärke vor allem in seiner Fähigkeit liegt, seinen Gegner zu überdauern. Daher hat Del Tufo sich längst damit abgefunden, dass die Natur am Ende gewinnen muss.“

Und hier der Klappentext: Angenommen, die Menschheit verschwindet von einem Tag auf den anderen von unserem Planeten: Welche Spuren hinterlassen wir auf der Erde? Alan Weisman beschreibt, wie die Welt ohne uns der Auflösung anheimfällt, wie unsere Rohrleitungen zu einem Gebirge reinsten Eisens korrodieren, warum einige Bauwerke und Kirchen womöglich als letzte Überreste von Menschenhand stehen bleiben, wie Ratten und Schaben ohne uns zu kämpfen haben und dass Plastik und Radiowellen unsere langlebigsten Geschenke an den Planeten sein werden. Schon ein Jahr nach unserem Verschwinden werden Millionen Vögel mehr leben, weil die Warnlichter unserer Flughäfen erloschen sind. In 20 Jahren werden die großen Avenues in Manhattan zu Flüssen geworden sein. Unsere Häuser halten 50, vielleicht 100 Jahre. Großstädte in der Nähe von Flussdeltas, wie Hamburg, werden in 300 Jahren fortgewaschen. Und nach 500 Jahren wächst Urwald über unsere Stadtviertel.

Links: http://www.worldwithoutus.com/index2.html

Der Mann mit der Ledertasche

Soeben ausgelesen und schon im Blog. Charles Bukowskis erster Roman. Er beschreibt darin, meist autobiografisch, seine Erlebnisse als Angestellter des U.S. Postal Service – der amerikanischen Postbehörde. Zwei Jahre Briefträger; schikaniert durch seine Vorgesetzten, die ihm die schwersten Routen geben, angepöbelt von ungeduldigen Mitmenschen, welche Post erwarten aber keine bekommen und Hausfrauen – auf den „Milchmann“ wartend, dann mit dem Postbote vorlieb nehmen, haben bei ihm Spuren hinterlassen. Nichtsdestotrotz heuert er nach einer kurzen Auszeit wieder beim selben Arbeitgeber an, jetzt aber im Innendienst, Briefe verteilen. Dazwischen Episoden von seiner geliebten Pferderennbahn, von Frauen, von Alkohol und wieder Alkohol und Frauen.

Hier die Kurzbeschreibung vom Verlag:

»Das gesamte Personal der Post muss in seiner völligen Hingabe an das Interesse der Öffentlichkeit immer standhaft und rechtschaffen bleiben. Vom Personal der Post wird erwartet, dass es nach den höchsten sittlichen Grundsätzen handelt, die Gesetze der Vereinigten Staaten achtet und sich im Übrigen an die Vorschriften und Richtlinien der Postverwaltung hält.«Der Briefträger Henry Chinaski alias Charles Bukowski bleibt unsittlich: Er legt sich mit seinem Vorgesetzten an, säuft, wettet und versucht erfolglos, eine dauerhafte sexuelle Beziehung aufzubauen. Schließlich quittiert er den Dienst, um einen Roman zu schreiben.

„Am nächsten Morgen war die Nacht vorbei, und ich war noch am Leben. Vielleicht schreibe ich einen Roman, dachte ich. Und dann schrieb ich ihn.“

Charles Bukowski

Fernsehtipp “Gandhi”

Heute Abend, 20.40 Uhr, strahlt ARTE den mit acht Oscars prämierten Film „Gandhi“ aus. Nähert sich doch am 15. August zum sechzigsten Mal der Tag der Unabhängigkeit. Das Ende der britischen Kolonialherrschaft läutete unter anderem der gewaltfreie Widerstand Mahatma Gandhis ein.

„Jedermann stimmt zu, dass es töricht ist, Böses zu tun.

Aber die Ansicht, schlechte Mittel würden gerechtfertigt durch ein gutes Ziel, muss als noch törichter betrachtet werden.“

Mahatma Gandhi

Orwells Realität

Gegenwärtig – in Bezug auf Herrn Schäubles tun und Herrn Oettingers reden – fühlt man sich in George Orwells „1984“ hineinversetzt.

Der Ministerpräsident Oettinger möchte gern die Vergangenheit umformen, vergaß dabei aber vorliegende Schriften zu fälschen und die Originale ins >>Gedächtnis-Loch<< zu werfen. Das Literaturcafe weist in diesem Zusammenhang auf die Erzählung „Ein Kriegsende“ von Siegfried Lenz hin.

Darin geht es um das Minensuchboot MX 12, welches den Befehl erhält, nach Kurland zu laufen, um dort Verwundete nach Hause zu holen. Während das Boot, trotz der Aussichtslosigkeit des Unterfangens, Kurs hält, wird bei Lüneburg eine Teilkapitulation unterzeichnet. Kommandant Kaleu hält an der Operation fest, wird seines Kommandos enthoben und die Mannschaft nimmt Gegenkurs, obwohl ein neuerlicher Funkspruch der Flotille das Unternehmen bestätigt. Die letzten Meilen von einem Schnellboot eskortiert, lief MX 12 in den Heimathafen ein. Die Besatzung wurde festgenommen und unter britischen Gewahrsam gestellt. Dennoch galt für Angehörige der Marine die deutsche Militärgerichtsbarkeit weiter, es kam zum Prozess. Die Mannschaft wurde zu Arrest, der Steuermann Heimsohn sowie der Feuerwerker Jellinek zum Tode verurteilt. Die Urteile wurden vollstreckt.

Herr Oettinger und ein Teil seiner Partei möchten wohl an seiner Rede keinen Zweifel aufkommen lassen. George Orwell schreibt dazu:

„Und wenn alle anderen die von der Partei oktroyierte Lüge akzeptierten – wenn alle Berichte gleich lauteten -, dann ginge die Lüge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit.“ Aus „1984“, Seite 45.

Doch nun zu Herrn Schäuble. Seit meinem letzten Eintrag dazu sind wieder neue Ungeheuerlichkeiten dazugekommen. Die Polizei soll, die in den Meldeämtern gespeicherte Passfotos sowie Fingerabdrücke der neuen Reisepässe, abrufen dürfen. Doch damit nicht genug. Auf einmal geht es auch um sämtliche bei den Behörden gespeicherten Passfotos. Da ja die Überwachung durch die Mautbrücken auch beschlossen ist und die neuen Reisepässe einen drahtlos auslesbaren RFID-Chip beherbergen, hier mein Vorschlag an den Bundesinnenminister. Verpflichten Sie jeden Bürger einen solchen Pass ständig bei sich zu führen. Rüsten sie die Mautstationen, öffentliche Verkehrsmittel und Plätze, Hauseingänge und Kaufhäuser mit leistungsfähigen Lesegeräten aus. So wissen sie ständig unseren Aufenthaltsort, ohne eine komplizierte Implantation der Chips in unsere Köpfe durchzuführen. Und wenn Ihnen dann mal das Geld ausgehen sollte, verkaufen sie einfach einen Teil der Daten an die Werbeindustrie.

Noch sind unsere Gedanken frei! Und so schnell kommen Sie auch nicht dahinter. Ich lasse nochmal Orwell zu Wort kommen:

„Bei all ihrer Gerissenheit hatten sie doch nie das Problem gelöst, wie man herausfand, was ein anderer dachte.“ Aus „1984“, Seite 203.

Menschenallergie

Laut einem Artikel in der Welt haben schottische Wissenschaftler herausgefunden, dass immer mehr Haustiere eine Allergie auf menschliche Haare und dergleichen bekommen. Also gibt es nicht nur Menschen, welche auf Tierhaare allergisch reagieren, sondern jetzt auch Tiere, die eine Allergie auf Menschen entwickeln. Dazu ein passendes Zitat von Franz Kafka, aus der Erzählung „Ein Bericht für eine Akademie“:

„Manchmal überkommt mich ein solcher Widerwille vor Menschen, daß ich dem Brechreiz kaum widerstehen kann. Das hat natürlich nichts mit dem einzelnen zu tun, nichts mit Ihrer liebenswürdigen Gegenwart. Es geht gegen alle Menschen.“